Wer dieser Tage versucht, einen Termin für eine dermatologische Erstvisite in einem der 7 Südtiroler Krankenhäuser zu vereinbaren, erhält bei der einheitlichen Vormerkstelle die Auskunft: „Es gibt keinen. Und uns scheint auch nicht auf, wann es wieder einen Termin geben wird.“ Auch im Online-Vormerksystem des Sanitätsbetriebs ploppt nach Eingabe von Steuer- und Verschreibungsnummer der Visite durch den Hausarzt auf: „Keine Verfügbarkeit“.<BR /><BR />Lange Wartezeiten sind die Südtiroler bereits seit Jahren gewohnt, wenn sie versuchen, einen Termin in einer öffentlichen Struktur zu ergattern. Aber dass es gar keinen gibt und auch keine Information dazu, wann ein neuer „Slot“ geöffnet werden soll, also wieder Termine zu vereinbaren sein werden – das ist neu.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1006781_image" /></div> <BR /><BR />Der Primar der Dermatologie am Bozner Krankenhaus, Dr. Klaus Eisendle, erklärt: „Wir garantieren, dass jeder, der eine prioritäre Visite braucht, diese innerhalb von 10 Tagen bekommt: Die Kranken müssen den Vorrang haben.“ Erstvisiten für die Muttermalkontrolle hingegen seien derzeit ausgebucht. Wenn möglich, würden monatlich Zusatztermine ergänzt.<BR /><BR /><embed id="dtext86-63870386_quote" /><BR /><BR />Dass derzeit keine Termine zu haben seien, liege nur zum Teil an fehlenden Ressourcen: „Es stimmt: Wir hatten am Krankenhaus in Meran einige Abgänge in die Privatmedizin; auch gibt es einige Ärzte, die in Teilzeit arbeiten. Aber selbst in Österreich, das die höchste Dermatologendichte Europas hat, schaffen es die Kollegen nicht, die Wartezeiten für Screenings abzubauen.“<h3> Zwischen 35 und 65: Alle 2 Jahre zur Kontrolle</h3>Im Jahr 2023 hätten die Hautärzte des Sanitätsbetriebes jedenfalls so viele Visiten wie nie zuvor absolviert (17.053 in Bozen, etwa 15.000 in Meran und Bruneck) – doch gleichzeitig seien die Verschreibungen dieser Leistungen durch die Hausärzte um 30 Prozent gestiegen. „Das ist paradox. Auch wenn wir unbegrenzte Kapazitäten hätten, gäbe es lange Wartelisten. Für manche Leute ist es nämlich fast wie ein Hobby, zur Muttermalkontrolle zu kommen. Sie gehen direkt nach der Visite bei uns wieder zum Hausarzt, um sich die nächste ausstellen zu lassen“, illustriert Dr. Eisendle. Dabei gebe es keine wissenschaftliche Evidenz, dass regelmäßige Kontrollen lebensverlängernd wirkten. „Gefährliche Melanome entwickeln sich innerhalb von wenigen Wochen – die erwischt man beim Tumorsuchprogramm selten.“ <h3> „Tumorsuchprogramm nicht sinnvoll“</h3>Sonnenschutz sei der beste Schutz. Außerdem wichtig: bei verdächtigen Flecken sofort den Arzt aufzusuchen – nicht ohne Anlass in zu kurzen regelmäßigen Abständen. Zwischen 35 und 65 Jahren reiche es, alle 2 Jahre zur Muttermalkontrolle zu gehen. „Wenn sich alle daran hielten, gäbe es auch keine Wartezeiten“, erklärt Dr. Eisendle.<BR /><BR />Tatsache sei, dass zu viele Gesunde in die Wartelisten drängten. „Vielleicht sind wir Ärzte mit Schuld, weil wir zu viel Werbung für Vorsorge und den Leuten damit Angst gemacht haben“, sagt der Primar.<BR /><BR />Ideen, das Problem zu lösen, gibt es einige. Noch in diesem Jahr soll eine neue Kontrollambulanz eröffnet werden, eigens für Muttermale: „Die Wartezeiten werden lang sein, aber wir hoffen, dass dies das System gerechter macht.“<BR /><BR />Notiz am Rande: Die Ärzte im Krankenhaus bieten auch private Visiten an, jeder bis zu einem Umfang von 8 Stunden pro Woche. „Selbst da haben wir 3 bis 4 Monate an Wartezeiten“, sagt Dr. Eisendle.