Samstag, 14. November 2015

Terror in Paris: Ein Grödner berichtet: "Stunden des Grauens"

"Als wir ins Untergeschoss mussten, verstanden wir den Ernst der Lage", meinte Matthäus Kostner, der sich zum Zeitpunkt der Anschläge nur wenige hundert Meter von den Anschlagsorten entfernt befand.

Foto: © LaPresse

Der 42 Jahre alte Fotograf und Skilehrer aus St. Ulrich befand sich am Freitag in Paris, um eine Kunstfotografie-Messe zu besuchen. Am Abend kam dann alles anders.

"Ich war in einem Irish Pub, etwas weniger als einen Kilometer vom ersten Anschlagsort entfernt und wir schauten das Fußballspiel an. Wir merkten eigentlich nichts bis immer mehr Gäste im Lokal Anrufe bekamen und sich vom Lokal entfernten. Auch ich wurde von Zuhause angerufen, ob es mir wohl gut gehe. Dort haben wir erst verstanden, dass etwas Schlimmeres passiert war“, erklärte Kostner.

Im Untergeschoss in Sicherheit

„Nach dem Spiel wurden dann sofort die Nachrichten gezeigt und langsam erfuhren wir mehr. Anfangs dachten wir uns jedoch nicht allzu viel dabei. Darauf wollte ich den Pub verlassen, durfte aber nicht mehr raus gehen. Kurz darauf mussten wir uns alle in ein geschlossenes Untergeschoss des Pubs begeben und alle Lichter im Erdgeschoss wurden ausgeschaltet“, erklärte Kostner weiter.

Was war geschehen?

Nur 200 Meter vom Pub befindet sich das beliebte Einkaufszentrum Les Halles wo Schüsse gehört wurden und die Vermutung war, dass sich ein weiterer Terrorist darin verschanzt.

„In diesem Moment war mir alles andere als wohl. Im Untergeschoss selbst waren wir von der Außenwelt abgeschottet. Wir hatten kein Netz und es gab keinen Fernseher. Im Keller versuchten viele Leute die Stimmung zu lockern, auch wenn diese insgeheim große Angst hatten. Es wurde gemeinsam gesungen und man versuchte, die Ängste zu verdrängen. Erst gegen 3 Uhr wurde Entwarnung gegeben und wir konnten das Gebäude verlassen“, erklärte Kostner weiter.

Stunden des Grauens

Auch am Samstag war an einen Alltag noch nicht zu denken. „Ich hatte vieles auf dem Programm, aber scheinbar ist alles geschlossen. Die Straßen sind so gut wie leer. Auch die Heimreise kann ich zurzeit nicht antreten, weil eine Ausreise scheinbar nicht möglich ist. Ich habe so etwas zum Glück noch nie erlebt…Stunden des Grauens die ich nicht noch mal erleben möchte“, erklärte Kostner abschließend.

stol/pas

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Mehr zum Terror in Paris und weitere Berichte von Südtirolern vor Ort gibt es in der aktuellen Ausgabe der Sonntagszeitung "Zett".

stol