Dienstag, 04. August 2020

Tests für Erntehelfer angelaufen

Erntehelfer aus dem Osten werden rigoros durchgetestet, wie das Tagblatt „Dolomiten“ am Dienstag berichtet. Zudem werden Unterkünfte für Ausländer, die in Quarantäne müssen, gesucht.

Die Tests sind angelaufen (Symbolfoto).
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Die Tests sind angelaufen (Symbolfoto). - Foto: © shutterstock
Mit den ersten 96 PCR-Abstrichen ist die große Test-Aktion bei Erntehelfern angelaufen.

„Begleitet wird sie von Kontrollen in den Betrieben. Da gibt es kein Pardon“, so Landesrat Arnold Schuler nach einem Treffen im Regierungskommissariat. Indes suchen HGV, Bauernbund und Land zusätzliche Unterkünfte für Mitarbeiter und Altenpflegerinnen („Badanti“) aus Rumänien, Bulgarien und der Ukraine, die in Quarantäne müssen. „Denn Gossensaß ist begrenzt und nur für absolute Notfälle da“,betont Schuler.

„Südtiroler Lösung für Erntehelfer“

Am 24. Juli hat Rom eine zweiwöchige Quarantäne für alle verfügt, die sich in den letzten 14 Tagen in Rumänien, Bulgarien und Nicht-EU-Staaten aufgehalten haben. „Nur eine Woche später starten wir als erste italienweit mit unserer Südtiroler Lösung für Erntehelfer“, so Schuler. Koordiniert vom Bauernbund wurden gestern die ersten 96 Rachen-Abstriche an Erntehelfern vorgenommen. Diese Woche finden die Tests in Drive-In-Stationen am Bozner Spital und in Neumarkt statt. „Ab nächster Woche sind wir mit Hilfe des Weißen und Roten Kreuzes in den Bezirken unterwegs und versuchen auch dort, Drive-In-Tests in Genossenschaften anzubieten“, so Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler.

Die Erntehelfer werden 3 Mal (1. Tag, 7. Tag, 14. Tag) getestet, können aber nach dem ersten negativen Test in aktive Quarantäne wechseln – also in Kleingruppen arbeiten. Dies ist ebenso möglich, wenn man bereits mit einem negativen Test nach Italien einreist.

Suche nach leer stehendem Haus

Parallel sucht der SBB ein leer stehendes Haus. „Da nur infizierte Erntehelfer in Quarantäne müssen, hoffen wir, dieses nicht zu brauchen, wollen aber gerüstet sein“, sagt Tiefenthaler.

Betroffen ist aber nicht nur die Landwirtschaft, sondern auch andere Sektoren wie Tourismus, Bauwirtschaft und Pflege. „Isoliertes Arbeiten wie auf der Obstwiese ist hier nicht möglich, weshalb vor Dienstantritt volle 14 Tage in Quarantäne abzuleisten sind“, so Schuler. Laut Gesetz sei der Arbeitgeber verpflichtet, für die Unterbringung von Mitarbeitern während der Quarantäne zu sorgen. „Unsere Struktur in Gossensaß ist mit 60 Plätzen begrenzt und nur für absolute Notfälle, aber sicher nicht für Präventiv-Quarantäne da“, so Landesrat Schuler. Laut HGV-Präsident Manfred Pinzger beschäftigt das Gastgewerbe derzeit unter 1000 rumänische Mitarbeiter. „Allemal ist die Suche nach einem Hotel, das nicht geöffnet hat, schon im Laufen, um dort Personal in Quarantäne unterzubringen“, sagt Pinzger.

Seniorenpflegerinnen stellen Herausforderung dar

Die größte Herausforderung stellen die Seniorenpflegerinnen („Badanti“) dar. „Sie sind in keinem Verband, arbeiten aber mit einer Risikogruppe“, so Schuler. Einig ist er sich mit Landesrätin Waltraud Deeg, dass die Aufenthalte der „Badanti“ in Südtirol länger werden müssen. „2 Wochen Quarantäne, um ein Monat zu arbeiten und wieder heim zu fahren, geht nicht mehr“, so Schuler. Schwarzarbeit sei bei „Badanti“ weit verbreitet. „Ich hoffe aber, dass keiner so fahrlässig ist, eine Pflegerin ohne Test zu seinen Eltern zu lassen.“ Laut Deeg konnten „Badanti“ im März und April die Quarantäne in Gossensaß ableisten. „Damals gegen Bezahlung, und das muss auch jetzt möglich sein oder wir suchen zusätzliche Unterkünfte.“

Das Vorgehen wird von Kontrollen begleitet. „Da gibt es kein Pardon. Wer sich nicht an Vorgaben hält, riskiert straf- und zivilrechtliche Folgen“, so Schuler nach einem Treffen mit Sicherheitskräften im Regierungskommissariat.




d/bv

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