Laut dem Bericht des Osservatorio Nazionale Welfare & Salute (ONWS) und der Stiftung Gimbe sind rund 40 Prozent der privaten Gesundheitsausgaben für Behandlungen bestimmt, die kaum oder gar keinen messbaren gesundheitlichen Nutzen bringen.<BR /><BR />Die Untersuchung wurde am Dienstag im Consiglio Nazionale dell'Economia e del Lavoro (CNEL) vorgestellt und basiert auf Daten des italienischen Statistikamts Istat, wie unter anderem „La Repubblica“ berichtet. Diese zeigen, dass die gesamten Gesundheitsausgaben Italiens 2023 auf 176,1 Milliarden Euro stiegen. Davon entfallen 130,3 Milliarden (74 Prozent) auf die öffentliche Gesundheitsversorgung, während 40,6 Milliarden (23 Prozent) direkt aus den Taschen der Bürger stammen – ein Anstieg von fast 27 Prozent seit 2012. Lediglich 5,2 Milliarden Euro (3 Prozent) werden über private Versicherungen oder Gesundheitsfonds abgewickelt, was ein klares Defizit im Bereich der finanziellen Absicherung zeigt.<h3> Hohe Kosten, wenig Effizienz</h3>Mit einer durchschnittlichen Out-of-Pocket-Gesundheitsausgabe von 1115 Dollar pro Kopf gibt Italien deutlich mehr aus als der OECD- und EU-Durchschnitt von jeweils 906 Dollar. Nur wenige EU-Länder wie Portugal, Belgien, Österreich und Litauen geben pro Person mehr aus. Doch wofür bezahlen die Italiener genau? Laut Istat-Statistiken fließt fast die Hälfte (44,6 Prozent) in direkte medizinische Behandlungen wie Zahnarzt- und Rehabilitationsleistungen, gefolgt von Medikamenten und therapeutischen Geräten (36,9 Prozent) sowie der Langzeitpflege (10,9 Prozent).<BR /><BR />Doch ein alarmierender Anteil dieser Ausgaben ist ineffektiv: Ivano Russo, Präsident von ONWS, weist gegenüber der Tageszeitung „La Repubblica“ darauf hin, dass rund 40 Prozent der privat finanzierten Leistungen medizinisch fragwürdig sind. „Diese Summen fließen oft in unnötige Diagnosen, ineffektive Behandlungen oder in Leistungen, die aus reiner Konsumneigung gewählt werden, anstatt aus einer echten medizinischen Notwendigkeit“, so Russo.<BR /><BR />Zugleich steigt die Zahl der Menschen, die auf notwendige Behandlungen verzichten: 2023 konnten sich rund 4,5 Millionen Italiener eine notwendige medizinische Versorgung nicht leisten, darunter 2,5 Millionen aus rein finanziellen Gründen – ein besorgniserregender Anstieg um 600.000 Menschen im Vergleich zum Vorjahr.<h3> Fonds und Versicherungen in Bedrängnis</h3>Noch problematischer ist die schwache Rolle der privaten Absicherung. Im internationalen Vergleich bleibt Italien bei der Nutzung von Gesundheitsfonds oder Versicherungen weit hinterher. Nur 3 Prozent der gesamten Gesundheitsausgaben – umgerechnet 143 Dollar pro Kopf – werden über Versicherungen oder kollektive Finanzierungsmodelle gedeckt. Im OECD-Schnitt sind es 299 Dollar, in der EU 262 Dollar. In 12 EU-Staaten wird pro Kopf deutlich mehr für Versicherungen ausgegeben, in Irland beispielsweise um 688 Dollar mehr, in Dänemark um 33 Dollar.<BR /><BR />Hinzu kommt, dass ein erheblicher Anteil der eingezahlten Gelder nicht direkt in die medizinische Versorgung fließt: Rund 31,6 Prozent der Beiträge werden für Verwaltungs- und Betriebskosten verwendet, nur knapp 70 Prozent kommen den Versicherten in Form von Leistungen zugute. Zudem stehen die Fonds zunehmend unter Druck: Seit 2020 mussten sie wachsende Beitragsanteile in Gesundheitsleistungen umleiten, wodurch die finanziellen Spielräume schrumpfen.<BR /><BR />„Die Krise des öffentlichen Gesundheitssystems und seine Unfähigkeit, zeitnahe Behandlungen sicherzustellen, belasten die privaten Gesundheitsfonds enorm“, warnt Russo in der „Repubblica“. „Die steigende Nachfrage droht die Finanzierungsmodelle dieser Fonds aus dem Gleichgewicht zu bringen.“<h3> Die Kosten einer ineffizienten Gesundheitsversorgung</h3>Die Ergebnisse der Analyse zeigen: Italiens Gesundheitssystem sei nicht nur unterfinanziert, sondern auch ineffizient strukturiert. Während der Anteil der Eigenleistungen der Bürger weiter steige, bleibe die staatliche Unterstützung unzureichend, so das Fazit. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt, dass direkte, nicht abgesicherte Ausgaben höchstens 15 Prozent der gesamten Gesundheitskosten betragen sollten – in Italien sind es jedoch bereits 23 Prozent.<BR /><BR />Das Vertrauen in das öffentliche Gesundheitssystem erodiert, während private Mittel immer stärker belastet werden – eine Entwicklung, die langfristig kaum tragbar ist.