Mittwoch, 05. Oktober 2016

Teure Vergesslichkeit: Hunderte Führerscheine eingezogen

Jedes Jahr vergessen Hunderte von Südtirolern, ihren Führerschein zu verlängern. Vor allem Autofahrer mittleren und höheren Alters schauen zu selten auf das Verfallsdatum ihres Lappens. Wer trotzdem fährt und von den Ordnungskräften erwischt wird, muss den Führerschein abgeben und 161 Euro hinblättern.

Ein abgelaufener Führerschein kann teure Folgen haben.
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Ein abgelaufener Führerschein kann teure Folgen haben. - Foto: © STOL

Allein die Verkehrspolizei hat im vergangenen Jahr in Südtirol 129 verfallene Führerscheine eingezogen und ebenso viele Strafen verhängt, berichtet der Verkehrspolizei-Leiter, Giancarlo Conte. Die Stadtpolizei in Bozen hat 2015 sogar 133 Fahrer mit abgelaufenem Führerschein ertappt.

In der Landeshauptstadt ist diese Zahl steigend: Heuer sind es bereits 128 – bis Ende des Jahres werden es wohl deutlich mehr werden als 2015. Berufsfahrer (Bus, Lkw) erinnern sich im Normalfall immer an die Fälligkeit, sagt der Vizekommandant der Stadtpolizei, Martin Schwienbacher.

Anders sieht es bei Pkw-Fahrern aus: Sie werden in der Regel selten von der Polizei angehalten, deshalb sehen sie auch nicht sehr häufig nach, wie lange ihr Führerschein noch gültig ist.

Kein Auge zudrücken

Für Vergessliche wird es teuer: Denn nicht nur 161 Euro sind zu zahlen – der Führerschein wird auch vorübergehend eingezogen. Der Betroffene muss eine ärztliche Visite machen, erst danach darf er oder sie wieder ran ans Steuer. Ein nicht verlängerter Führerschein hat auch Auswirkungen bei Unfällen. Zwar zahlt die Versicherung den angerichteten Schaden des säumigen Fahrers – sie kann dann aber Regressforderungen stellen, sagt Versicherungsbroker Gregor Stimpfl (Assiconsult). Z

war könne man bereits zuvor im Versicherungsvertrag festlegen, dass die Versicherung auch in solchen Fällen der Säumigkeit zahlt – das müsse aber schriftlich vereinbart werden. Bei einer „normalen“ Polizze gebe es nach dem Unfall die Möglichkeit der Regressforderung.

Manche meinen, die Polizei könnte bei einem verfallenen Führerschein wohl ein Auge zudrücken. Vizekommandant Schwienbacher sagt da aber klipp und klar: „In solchen Fällen ist die Fahrerlaubnis auf jeden Fall einzuziehen. Da hat es keinen Sinn, Gnade vor Recht ergehen zu lassen. Damit würden wir niemandem einen Gefallen tun.

Es könnte ja auch sein, dass jemand nicht mehr die Voraussetzungen für eine Fahrerlaubnis hat – etwa aus gesundheitlichen Gründen.“ Vergesslich seien vor allem Autofahrer mittleren und höheren Alters – weniger die jungen, berichtet der Bozner Vizekommandant.

hof/stol

stol