Mehr als 500 Fachleute, viele Studien, jede Menge Beratung, Überwachung und Medienarbeit: Für den Schutz des Wolfes stellt die EU viele Millionen bereit. Bei den Schäden, die das Raubtier anrichtet, schaut sie dagegen meist weg. Diese scharfe Kritik am Projekt Wolfalps kommt aus dem Piemont – und wird auch in Südtirol geteilt. <BR /><BR /><BR /><i>Von Stephan Pfeifhofer</i><BR /><BR /><BR /><BR />Das länderübergreifende Wolfalps-Projekt vereint 19 Partner im Alpenbogen und es wird zum Großteil finanziert über das europäische Life-Programm. Ziel dieses Wolfalps-Projektes ist es laut der Europäischen Akademie (Eurac), „die besten Beispiele für ein funktionierendes Zusammenleben zwischen Wolf und Mensch zu verbreiten und in die Praxis umzusetzen. Die beteiligten Institutionen arbeiten an Schutzmaßnahmen, um Rissen vorzubeugen, an nachhaltigen ökotouristischen Initiativen und an gemeinsamen Leitlinien zum Umgang mit dem Wolf im gesamten Alpengebiet“. Ein wichtiger Projekt-Schwerpunkt ist laut Eurac „die Sensibilisierung für ein positives Zusammenleben und für die bedeutende Rolle des Wolfes für die Biodiversität“.<BR /><BR />Durchgeführt wird das Wolfalps-Projekt in 2 Phasen – von 2013 bis 2018 und von 2019 bis 2024. Zu den Projektpartnern zählen neben den „Aree protette delle Alpi Cozie“ (Cottische Alpen, Piemont) noch beispielsweise die Regionen Ligurien, Aosta und Lombardei oder das Naturwissenschaftsmuseum Muse in Trient. <BR /><BR /><b>Ein „Mammut-Projekt“</b><BR /><BR />Das Land Südtirol ist nicht Projektpartner – sehr wohl aber die Eurac. Die Projektpartner von Wolfalps erhalten viele EU-Gelder, sie müssen aber einen Teil der Kosten selbst bestreiten. Das Wolfalps-Gesamtbudget für die Phase 2019 bis 2024 liegt bei 11,9 Millionen Euro, teilt Filippo Favilli, Forschungsgruppenleiter des Instituts für Regionalentwicklung der Eurac, mit. Davon zahle die EU 7,029 Millionen Euro, den Rest bringen andere Unterstützer auf – und die Projektpartner. In der ersten Phase (2013-2018) lag das Wolfalps-Budget noch bei bescheidenen 6 Millionen Euro.<BR /><BR />Mauro Deidier, Vorsitzender der „Ente di gestione delle aree protette delle Alpe Cozie“ im Piemont, kritisiert, dass Wolfalps zu einem „Mammut-Projekt“ geworden sei, mit über 500 Fachleuten, die für die Forschung ausgebildet worden seien – und einem Heer an beteiligten Institutionen. Unverhältnismäßig sei, wie viele Ressourcen hier ausgegeben würden für Studien und Beratungen, die viele Seiten füllen – gegenüber den wenigen Ressourcen, welche für die Hirten (bzw. Bauern) locker gemacht werden. <BR /><BR /><b>Viele lukrative Jobs</b><BR /><BR /> Deidiers Kritik gilt vor allem den Ausgaben in der ersten Phase des Projekts (2013 – 2018). Bei Durchsicht der Rechnungslegung gewinne man den Eindruck, „dass jede noch so kleine Möglichkeit genutzt wurde, um die beträchtlichen zur Verfügung stehenden Geldmittel auszugeben“. So würden mit 2,6 Mio. Euro allein die Personalkosten zu Buche schlagen, 1,7 Mio. Euro hingegen für Beratungen und andere externe Dienste, 550.000 Euro für Fotofallen, Videoprojektoren und andere Geräte. Weiters würden mit Wolfalps lukrative Jobs finanziert – 232.000 Euro allein für den Project Manager, 165.000 Euro für den Technical Manager und 171.000 Euro für den Communication Manager.<BR /><BR /><BR />Für den Direktor des Südtiroler Jagdverbandes, Benedikt Terzer, zeigt das Beispiel Wolfalps, dass in der EU die Gelder für Wildforschungsprojekte einseitig verteilt werden. Der Wolf sei mit sehr vielen Emotionen behaftet. Deshalb hätten viele ein Interesse daran, Forschungsprojekte voranzutreiben. Für andere Arten, die zwar vom Aussterben bedroht, aber nicht so bekannt seien, würden hingegen nur wenige Forschungsgelder ausgeschüttet.<BR /><BR /><b>Bauern blicken durch die Finger</b><BR /><BR />Die großzügige Finanzierung der EU für solche Projekte wirft auch deshalb Fragen auf, weil gleichzeitig viele kleine bäuerliche Betriebe – auch in Südtirol – wegen der Wolfsrisse auf der Kippe sind, wie der Bergbauernvertreter im Bauernbund, Alberich Hofer, bestätigt. Manche Betriebe seien nahe dran, die Zucht von Schafen, Ziegen und Rindern aufzugeben. Beim Herdenschutz würden zwar die Zäune bezuschusst – „aber es geht auch um die viele Arbeit, die damit verbunden ist“, meint Hofer. „Diese wird bis dato null finanziert. Zudem ist der Herdenschutz sinnlos“, betont Hofer. Und: „Will man unsere schöne Bergwelt in Südtirol mit solchen unnützen Plastikzäunen bestücken?“<BR /><BR /><BR /><BR />