Montag, 05. Februar 2018

Thunfisch: Was kommt in die Dose?

Nach Jahrzehnten der Überfischung sind viele Thunfischbestände gefährdet und mehrere Arten in ihrem Überleben bedroht. Die Verbraucherzentrale Südtirol hat ein Nachhaltigkeits-Ranking für Dosen-Thunfisch erstellt und erhoben, welche Angaben die Hersteller auf den Dosen machen.

Die Verbraucherzentrale Südtirol hat 88 Produkte im Bereich Dosen-Thunfisch untersucht.
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Die Verbraucherzentrale Südtirol hat 88 Produkte im Bereich Dosen-Thunfisch untersucht. - Foto: © shutterstock

Der Thunfisch ist der beliebteste Speisefisch der italienischen Küche. Er durchzieht in Schwärmen die Weltmeere, auch das Mittelmeer, und schwimmt dabei sehr schnell. Als Räuber ernährt er sich von kleineren Fischen. Je nach Art können Thunfische zwischen 0,7 und fünf Meter lang und zwischen 30 und 700 Kilogramm schwer werden. Die bekanntesten Arten sind der Nördliche Blauflossenthun (Roter Thun), der Südliche Blauflossenthun, der Großaugenthun, der Gelbflossenthun, der Weiße Thun und der Echte Bonito (Skipjack).

In weiten Teilen der Welt gelten die Thunfischbestände heute aber als überfischt, der industrielle Thunfischfang verursacht zudem große Mengen an unerwünschtem Beifang. Die festgelegten Fangquoten wurden in den letzten Jahren immer wieder überschritten, zudem stammt weltweit vermutlich jeder fünfte gefangene Fisch aus illegaler Piratenfischerei. Der Nördliche und der Südliche Blauflossenthun sind laut der Roten Liste der bedrohten Tierarten der Weltnaturschutzunion IUCN „vom Aussterben bedroht“, der Großaugenthun ist „gefährdet“. Trotzdem landen diese Arten nach wie vor auf unseren Tellern. Dabei gilt der Nördliche Blauflossenthun als die kostbarste Thunfischart. Die weltweit meistgefangene Art ist dagegen der Echte Bonito.

Nachhaltigkeitsranking der Verbraucherzentrale Südtirol 

Die Verbraucherzentrale Südtirol hat 2017 in vier verschiedenen Handelsketten insgesamt 88 Produkte von 19 Marken im Bereich Dosen-Thunfisch unter die Lupe genommen. Dabei wurden die Angaben auf der Verpackung, nämlich die Informationen zu Thunfischart, Fanggebiet und Fangmethode, sowie eventuell vorhandene Nachhaltigkeitszeichen. Die untersuchten Marken wurden in Hinblick auf ihre Transparenz und ihre Umweltfreundlichkeit bewertet. Das Ranking wurde aufgrund der Nachhaltigkeit erstellt.

85% der untersuchten Produkte wird im Handel Thunfisch in Öl angeboten, das Angebot an Thunfisch Natur, also ohne Öl, macht nur knapp 15% aus.

Testsieger ist Frinsa mit dem Gelbflossenthun in Olivenöl (Tonno pinne gialle in olio di oliva). Die Produkte tragen sowohl das MSC-Zeichen für nachhaltige Fischerei als auch das SAFE-Zeichen für delfinschonenden Fang, der Thunfisch wurde mit Ringwaden ohne Fischsammler gefangen. Dafür gibt es 4 Nachhaltigkeitspunkte. Es folgen die Marken AsdoMar, Despar und RIO mare, welche für ihre Thunfisch-Dosen jeweils zwei von maximal fünf Nachhaltigkeitspunkten erreichen.

7 weitere Marken erreichen jeweils einen oder knapp einen Punkt in Sachen Nachhaltigkeit, nämlich Donzela, Mareblu, Coop, Poseidon, Olasagasti, Rizzoli und Primia. Von nachhaltiger Fischerei noch weit entfernt sind laut dem Ranking der VZS die Marken MareAperto, Nostromo, Angelo Parodi, Delicius, Spesa leggera, Consorcio und Palmera.

Nur 3 Produkte MSC-zertifiziert

Insgesamt sind nur 3 der 88 untersuchten Produkte MSC-zertifiziert, 12 Produkte sind nach den Kriterien der Organisation „Friend of the Sea“ zertifiziert. Auf 49 Produkten ist das SAFE-Zeichen für delfinsicheren Fischfang oder ein anderes Logo mit explizitem Hinweis auf das Programm „Dolphin SAFE“ zu finden. Dieses Programm berücksichtigt jedoch einzig den delfinschonenden Fang und keine weiteren Nachhaltigkeitskriterien.

5 Produkte schmücken sich mit Logos, die dem SAFE-Zeichen ähneln. Bei diesen ist jedoch unklar, ob tatsächlich ein seriöses Kontrollsystem dahinter steht. 8 der 14 untersuchten Produkte von RIO mare tragen neben dem SAFE-Zeichen auch das Zeichen „Qualità responsabile“, welches auf die Einhaltung weiterer Nachhaltigkeitskriterien hinweist. Für lediglich zwei Produkte wurde der Thunfisch mit Rute und Leine gefangen, für sechs Produkte wurden Ringwaden ohne Fischsammler verwendet.

Nachhaltiger Fischfang ist für viele noch ein Fremdwort 

„Leider zeigt unsere Erhebung, dass nachhaltiger Fischfang für viele Hersteller von Dosen-Thunfisch noch immer ein Fremdwort oder eine leere Worthülse ist. Nur 4 von 19 Herstellern erreichen 2 oder mehr Nachhaltigkeitspunkte“, fasst Silke Raffeiner, Ernährungsexpertin der VZS, die Ergebnisse der Erhebung zusammen. „Auch in Sachen Transparenz gibt es noch Verbesserungsbedarf.“

Erhebung Dosen-Thunfisch der Verbraucherzentrale Südtirol - Foto: VZS

Die Umweltschutzorganisationen Greenpeace und WWF halten den Verzehr von Thunfisch übrigens nur dann für vertretbar, wenn es sich um Gelbflossenthun oder Echten Bonito handelt und wenn der Fisch entweder mit Rute und Leine oder mit Ringwade ohne Fischsammler gefangen wurde. Diesen Kriterien entsprechen im Test der VZS laut den Angaben auf der Verpackung nur die Produkte von Frinsa und Donzela, zwei Produkte von Maruzzella sowie ein Produkt von RIO mare.

 stol

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