<b>Von Pfarrer DDr. Johannes Laichner</b><BR /><BR />„Ich habe sehr große Freude an der Mission.“ Mit diesen bezeichnenden Worten schloss der Tiroler Franziskanermissionar P. Engelbert Kolland im Jahr 1860 einen seiner letzten Briefe in die Heimat. Wenige Wochen später erlitt der Geistliche unter den Axthieben eines wütenden Mobs den Märtyrertod. <BR /><BR />Zu diesem Zeitpunkt war Kolland erst 33 Jahre alt und hatte seit 5 Jahren im syrischen Damaskus und damit im fernen Orient als Missionar gewirkt.<BR /><BR /> Beinahe 200 Jahre später wird der Sohn eines armen Holzfällers aus Ramsau im Zillertal von Papst Franziskus am 20. Oktober in Rom heiliggesprochen und damit als Glaubensvorbild für die gesamte Christenheit vorgestellt. „Tirol darf sich über einen neuen Heiligen freuen“, so der Diözesandirektor der Päpstlichen Missionswerke, Pfarrer Johannes Laichner.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1085661_image" /></div> <BR /><BR />1827 in Ramsau im Zillertal geboren, wuchs P. Engelbert gemeinsam mit seinen 5 Geschwistern im sog. „Lochhäusl“ in ärmlichen Verhältnissen auf. Nach dem Studium in Salzburg trat Kolland 1847 in den Franziskanerorden ein und tauschte seinen bürgerlichen Namen „Michael“ mit dem Ordensnamen „P. Engelbert“ ein. <BR /><BR />Mehrere Jahre verbrachte der Ordensmann dann im südlichen Tirol. Er studierte Theologie im Franziskanerkloster in <b>Bozen</b>, dort legte er am 22. November 1850 sein Ordensversprechen ab. Nach seiner Priesterweihe durch den seligen Bischof Johann Nepomuk von Tschiderer im Dom von Trient feierte der Neupriester am 20. Juli 1851 die Primizmesse in der Franziskanerkirche in Bozen. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1085664_image" /></div> <BR /><BR />1853 folgten weitere Theologische Studien im Kloster von Kaltern. Während er beim Sprachengenie P. Markus Vergeiner im Kloster in Bozen von 1854 bis 1855 für seinen Missionseinsatz Arabisch in Schrift und Wort erlernte, wirkte er nebenbei als Kooperator an der Franziskanerpfarre in Bozen. Trotz dieses kurzen Wirkens in der Seelsorge blieb der leutselige Zillertaler in Bozen vielen Gläubigen als mitreißender Prediger und fleißiger Krankenpater noch lange lebhaft in Erinnerung.<BR /><BR />1855 wurde Kolland als apostolischer Missionar ins Heilige Land gesandt. Ein Herzenswunsch, wie damals die Apostel in fernen Ländern das Evangelium zu verkünden, ging für den sprachbegabten Franziskaner in Erfüllung. <h3> Bekannt als „Vater Engel“</h3>Nach einem kurzen Dienst in der Jerusalemer Grabeskirche zog er ins syrische Damaskus weiter, wo er fortan als Seelsorger im Christenviertel und als Lehrer an der Franziskanerschule wirkte. „Echte Mission funktioniert nicht auf Distanz und beginnt immer mit der Sprache“, davon war P. Engelbert überzeugt. <BR /><BR />Sein Sprachentalent und seine ausgeprägte Leutseligkeit halfen dem Missionar, schnell die Herzen der einheimischen Bevölkerung zu gewinnen und Freundschaften aufzubauen. Neben der Sakramentenspendung besuchte Kolland als „Kurat in Damaskus“ regelmäßig die Familien und war auch bei alltäglichen Notlagen behilflich: „Bei uns in Tirol könnte man als Kurat einer solch kleinen Pfarrei ganz ruhig und gemächlich leben; bei dem arabischen Volk aber habe ich mehr als genug zu tun. Es sind bisweilen Tage, wo ich den ganzen Tag auf den Füßen bin. Der Kurat muss sich hier in alles mischen. (...) Und dann erst die Armenversorgung, Hauszinse, Kleider, Arzt, Arzneien hat der arme Kurat zu verschaffen.“ <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1085667_image" /></div> <BR /><BR />P. Engelbert war im besten Sinn der Worte ein Missionar mit Leib und Seele. Schon bald nannte man ihn in Damaskus „Abuna Malak“ – „Vater Engel“. <h3> Mit einer Doppelaxt brutal getötet</h3>Als 1860 in Syrien tausende Christen Opfer religiöser Verfolgung durch schiitische Drusen wurden, ließ auch P. Engelbert mit 7 spanischen Ordensbrüdern und 3 maronitischen Laien im Pauluskloster zu Damaskus in der Nacht vom 9. auf den 10. Juli sein Leben für den Glauben. Der Bericht seines Martyriums erzählt exemplarisch von den dramatischen Umständen dieses Massakers an den Christen: Einer der Drusen wollte auf Pater Engelbert schießen. Dieser aber fragte ihn: „Freund, was habe ich dir getan, dass du mich töten willst? „Nichts“, antwortete dieser, „aber du bist Christ“. <BR /><BR />Nach einem dreifachen Bekenntnis zum Glauben an Christus, womit er die Aufforderung zum Glaubensabfall beantwortete, fiel Engelbert unter den Hieben einer Doppelaxt.<BR /><BR />Mit der Heiligsprechung am Weltmissionssonntag wird P. Engelbert als leidenschaftlicher Priester, Hirte und Menschenfreund gewürdigt und der Welt mit ihren unzähligen Konflikten und Kriegen als christliches Vorbild der Gewaltlosigkeit und Dialogbereitschaft ans Herz gelegt. <BR /><BR /><b>Hinweis:</b> Pfarrer Johannes Laichner hat gemeinsam mit dem Franziskaner P. Volker Stadler (Hall) eine Biografie über den Heiligen veröffentlicht. Das Buch (siehe unten) führt bildreich und mit vielen Originalzitaten in das bewegte Leben des Tiroler Missionars ein. <BR />Das Buch „Den Esel also mache ich!“ ist erschienen im Be&Be- Verlag, Edition Missio (116 Seiten, ca. 10 Euro).