Mittwoch, 10. Mai 2017

Tod an Holzbrücke: Bürgermeister „erleichtert“ über Gutachten

Aufatmen. Das kann der Völser Bürgermeister Othmar Stampfer. Ein Gutachten entlastet ihn in der Causa des tödlichen Unfalls vom November 2016, bei dem zwei junge Menschen starben. „Ich hoffe, dass es nicht zum Prozess kommt“, sagt der Bürgermeister zu STOL.

Der Völser Bürgermeister Othmar Stampfer und die Unfallstelle. - Foto: stol/Dlife
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Der Völser Bürgermeister Othmar Stampfer und die Unfallstelle. - Foto: stol/Dlife

Zur Erinnerung: Nach einem Törggeleabend war der Ford Fiesta, in dem 4 junge Trentiner saßen, auf dem Rückweg bei der alten Holzbrücke in Atzwang rund 10 Meter tief in den Eisack gestürzt. Dabei kamen die Lenkerin, Giulia Valentini (28) aus Baselga di Pinè, und Alessandro Conti (23) aus Cavalese ums Leben. Die anderen beiden Insassen wurden verletzt.

Zwei junge Menschen verloren beim Unfall an der Holzbrücke in Atzwang ihr Leben: Alessandro Conti aus Cavalese und Giulia Valentini aus Baselga di Piné.- Foto: stol/Dlife 

Ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten sind der Völser Bürgermeister und Ex-Obmann der Weginteressentschaft, Othmar Stampfer, der Obmann Christian Mair und der Projektant des Straßensicherheitsprojekts, Heinz Tschugguel. Gegen sie hat Staatsanwalt Andrea Sacchetti ein Ermittlungsverfahren eingeleitet (STOL hat berichtet).

Südtirol Online: Herr Bürgermeister, das Gutachten des Trienter Professor Raffaele Mauro entlastet Sie. Es besagt, dass bei dieser Art Straße Leitplanken nicht vorgeschrieben sind. Was sagen Sie dazu?

Othmar Stampfer, Völser Bürgermeister: Es stimmt. Ich habe es noch nicht schriftlich, aber über den Anwalt gehört. Das Gutachten ist ja erst hinterlegt worden – und das vom Gericht. Das Gutachten stammt nicht von uns. Ich bin wirklich erleichtert. Man muss jetzt schauen, ob Anklage erhoben wird, aber ich hoffe, dass es zu keinem Prozess kommt. 

STOL: Seit Ende November wurde wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung gegen Sie ermittelt. Das geht nicht spurlos an einem vorüber, oder?

Stampfer: Natürlich. Es läuft ja immerhin auf den eigenen Namen. Man lebt in einem Zwiespalt und fragt sich: Wofür muss ich denn wohl alles geradestehen? Man versucht alles besser zu machen, aber zu allem ist man nicht im Stande.
Es war ein Todesfall da und die Staatsanwaltschaft muss recherchieren und alle Seiten anschauen. Doch wir hätten nichts anderes machen können. Es war eine klar abgegrenzte Situation. Der Fahrer hat gesehen, dass da nicht die Straße ist. Es braucht auch Eigenverantwortung.

STOL: Die alte Holzbrücke am Unfallort wurde mittlerweile gesperrt und durch eine neue ersetzt. Als Folge?   

Stampfer: Die alte Brücke ist nicht mehr in Betrieb – sie wurde aufgrund der Tragbarkeit ersetzt. Die neue Brücke ist bereits seit 2012 in Planung und war damals nur kurz vor der Fertigstellung.

Interview: Petra Kerschbaumer

stol