Auf dem Foto zum viel geteilten Posting ist ein gerötetes, stark geschwollenes Bein zu sehen. Dabei wird vor einer „neuen Art von Mückenstich“ gewarnt. <BR /><BR /> Wie das Faktencheck-Team der Nachrichtenagentur APA herausfand, taucht das Foto seit Jahren immer wieder im Internet auf und war seither auch schon Anlass für mehrere Faktenchecks. Ursprünglich wurde das Bild im März 2017 bei Facebook hochgeladen. <BR /><BR />Im Originaltext wurde damals aber lediglich eine Bedrohung für den Blutkreislauf („it would have been in her blood“) erwähnt. Im aktuellen Posting wird behauptet, die Infektion hätte unbehandelt zum Tod geführt. Der ursprüngliche Beitrag wurde von einer US-amerikanischen Frau verfasst, die ihre Tochter zuvor wegen einer Schwellung nach einem Mückenstich in eine Notaufnahme gebracht hatte.<BR /><BR />Die Tochter ist, anders als das aktuelle Posting suggeriert, kein „junges Mädchen“, sondern war schon zum Zeitpunkt des ursprünglichen Uploads eine erwachsene Frau. Ihre Geschichte wurde damals nicht nur bei Facebook geteilt, sondern auch von Medien aufgegriffen. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="905059_image" /></div> <BR /><BR />Über den tatsächlichen Auslöser der Rötung, Schwellung und der beschriebenen Schläfrigkeit können auch Experten ohne weitere Informationen nur mutmaßen. Die Wiener Tropenmedizinerin Ursula Hollenstein gab sich gegenüber APA-Faktencheck vorsichtig mit Ferndiagnosen. „Wenn der zeitliche Ablauf stimmt, nämlich schon wenige Stunden bis maximal einen Tag nach dem Stich, kann es entweder eine starke allergische Reaktion sein, oder auch eine bakterielle Infektion, da durch Kratzen natürlich leicht Hautbakterien in so eine kleine Wunde gelangen können und selten aber doch eine Infektion auslösen“, so Hollenstein.<BR /><BR />Die Expertin stellte klar: Irgendetwas „Neues, Dramatisches, Eingewandertes“ sei es definitiv nicht. Tatsächlich sind auch hierzulande neue Insektenarten auf dem Vormarsch. „Deren Stich ist aber trotzdem nur ein Stich und nicht per se schon dramatischer. Die Bedeutung dieser Arten, allen voran Aedes albopictus (die Tigermücke), liegt im Potential Tropenerkrankungen zu übertragen“, erklärt die Ärztin.<h3> Eine gefürchtete Mücke</h3>Die ursprünglich aus tropischen Regionen stammende asiatische Tigermücke mit ihrer auffälligen Zeichnung ist gefürchtet, weil sie Zika-Virus, Dengue-Fieber und Chikungunya übertragen kann. Seit 2007 wurden in Mitteleuropa zudem 4 weitere neue Stechmückenarten nachgewiesen, überdies können Experten zufolge heimische Gelsen mittlerweile auch das West-Nil-Virus übertragen.<BR /><BR />Bis es auch in unseren Breiten zu einer Übertragung dieser Krankheiten kommt, dauert es laut der Tropenmedizinerin allerdings. Denn Erreger werden von Mensch zu Mensch übertragen, die Tiere sind dabei nur das Vehikel. „Erst wird die Mücke heimisch und ausreichend verbreitet, dann bringen Reiserückkehrer den Krankheitserreger mit. Wenn diese Personen dann hier bei uns gestochen werden, infiziert sich die Mücke und dann besteht das Potential einer lokalen Übertragung“, erläutert die Medizinerin den Ablauf.<BR /><BR />Auch wenn neue Arten neues Gefahrenpotential bergen und bereits vorhandene Arten in Österreich bisher nicht übertragene Krankheiten verbreiten können, kann man nicht von einer „neuen Art Mückenstich“ sprechen. Diese Behauptung ist auch im Originalposting („a new kind of mosquito bite that causes an infection“) falsch.<h3> Leute wollen oft tatsächlich helfen</h3>Denn bei Stechmücken verursacht der Stich selbst keine Erkrankungen, sondern lediglich lokale Entzündungen oder allergische Reaktionen. Das gilt auch für neu eingewanderte Arten. „Die von der asiatischen Tigermücke übertragenen Infektionen machen alle keine besondere Lokalreaktion an der Stichstelle und die Symptome treten auch frühestens 3 bis 4 Tage nach dem Stich auf“, so Hollenstein.<BR /><BR />Immer wieder wird mit Aufrufen zum Weiterverbreiten von Facebook-Postings einfach und wirkungsvoll Interaktion erzeugt, wie das aktuelle Beispiel zeigt. Nicht immer handeln Personen, die solche Beiträge teilen, in böser Absicht, sondern weil sie tatsächlich helfen wollen. Dennoch ist es wichtig, nicht jeden Beitrag unhinterfragt weiterzuverbreiten. Eine kurze Online-Recherche reicht oftmals aus, um eine Falschmeldung als solche zu erkennen.<BR /><BR />