Auf Antrag der Staatsanwaltschaft wird Richter Ivan Perathoner im Rahmen eines Beweissicherungsverfahrens einen Amtssachverständigen beauftragen, forensische Kopien des Inhalts aller in dem Fall beschlagnahmten Kommunikationsgeräte zu machen.<BR /><BR />Rechtsanwalt Chizzali war im Juli 2022 erkrankt. Die Ermittler glauben, dass auf ihn Druck ausgeübt worden sei, auf schulmedizinische Behandlungsmethoden zugunsten homöopathischer zu verzichten. Auch sei ihm die Bewegungsfreiheit und die Möglichkeit, soziale Kontakte zu pflegen, verwehrt worden, indem man ihn in einem Gebäude in Kastelruth weitgehend von der Außenwelt isoliert habe. Chizzalis Zustand habe sich zusehends verschlechtert, bis er einem septischen Schock mit multiplem Organversagen erlag. <BR /><BR />Rechtsanwalt Beniamino Migliucci verteidigt die acht Verwandten von Nikolaus Chizzali, gegen die die Staatsanwaltschaft ermittelt – wegen des schwerwiegenden Verdachts auf Misshandlung in der Familie mit Todesfolge. Dass der Inhalt der schon vor längerer Zeit beschlagnahmten Geräte erst jetzt analysiert werden soll, wertet Migliucci als Zeichen, dass die Anklage auf schwachen Beinen stehen dürfte. <BR /><BR />Rechtsanwalt Alessandro Melchionda, der die Witwe des verstorbenen Anwalts vertritt, begrüßt das Beweissicherungsverfahren. Dadurch biete sich die Möglichkeit, den Inhalt von Handy und PC bzw. iPad mit den Informationen abzugleichen, die schon über Chizzalis Kommunikation und jene der Verdächtigen vorliegen. <BR /><BR />Den Antrag der Verteidigung, die Einlassung der Witwe abzuwenden, schmetterte Richter Perathoner am Freitag ab. Sie bleibt also als Nebenklägerin im Verfahren. Bei der Vereidigung am 20. Mai dürfte sich der Informatik-Gutachter 60 Tage Zeit ausbedingen, bevor er die Ergebnisse darlegen kann. Die Vorverhandlung zu dem heiklen Fall wird voraussichtlich erst im Herbst fortgesetzt. Dann wird sich zeigen, ob die aufgezeichneten Gespräche und Nachrichten dazu beitragen, alle oder einige der Verdächtigen zu entlasten oder ob sie die bestehenden Verdachtsmomente erhärten. Für alle gilt die Unschuldsvermutung.