Donnerstag, 24. September 2020

Todesfall in Bozen aufgeklärt: Afrikaner bei Flucht verunglückt

Das Rätsel um den Tod von Lamin Saidy scheint gelöst: Wie sich nun herausstellte, soll der Mann auf der Flucht gewesen sein, als es zum tragischen Unglück kam.

Lamin Saidy stürzte in das Kiesbett.
Badge Local
Lamin Saidy stürzte in das Kiesbett. - Foto: © DLife
Der 24-jährige Lamin Saidy aus Gambia war am Freitag im Kiesbett der Tiefgarage beim „City Center“ in der Südtiroler Straße tot aufgefunden worden.

Saidy soll nach einem Raubüberfall auf der Flucht abgestürzt sein. Dies belegen auch Zeugenaussagen eines 30-Jährigen aus dem Senegal. Der soll am Raub beteiligt gewesen sein und sitzt im Bozner Gefängnis in U-Haft.

Derzeit lautet der Vorwurf gegen den Senegalesen auf Beihilfe zum Raub. Beamte der Staatspolizei hatten den 26-Jährigen am Samstag festgenommen. Auf Bildern von Überwachungskameras soll klar ersichtlich sein, dass sich der Senegalese in der Nacht auf Freitag zusammen mit Saidy in der Gegend befunden hatte, in der ein Autofahrer am Morgen darauf beim Einfahren in die Tiefgarage die Leiche des 24-Jährigen entdeckt hatte.

Bei seiner Haftprüfung hat der 26-Jährige vor Richter Emilio Schönsberg nun seine Version des Vorgefallenen erzählt. Demnach hätte Lamin Saidy kurz nach Mitternacht in der Perathonerstraße einem Passanten dessen Mobiltelefon gestohlen. Laut eigenen Angaben sei er zwar dabei, an der Tat direkt aber nicht beteiligt gewesen. In der Folge sei es dann zu einer Auseinandersetzung zwischen dem Opfer und ihnen gekommen. Er und Saidy hätten Steine nach dem Opfer geworfen, das versucht habe, ihnen zu folgen. Bis hierher soll das Opfer den Ermittlern gegenüber den Vorfall auch bereits bestätigt haben.

11 Meter in die Tiefe gestürzt

Auf ihrer weiteren Flucht seien sie dann in den Lichtschacht gesprungen. Dies dürften die beiden bereits in Vergangenheit so gemacht haben. Wenn der Sprung richtig angesetzt wird, landet man rund zweieinhalb Meter tiefer auf der Zufahrt in die Tiefgarage. Wie der Senegalese dem Richter gegenüber ausgesagt haben soll, sei er selbst sicher auf der Zufahrt gelandet. Saidy hingegen dürfte sich beim Sprung verschätzt haben und sei rund 11 Meter in die Tiefe gestürzt. Er sei sofort zu seinem Kollegen geeilt, der verletzt am Boden des Lichtschachtes im Kiesbett gelegen sei. Saidy habe ihn aufgefordert, einen ihrer Freunde um Hilfe zu bitten, was er dann auch getan habe, so der Senegalese. Er habe Saidy liegen lassen und sich auf die Suche nach der Person begeben, die ihm der 24-Jährige genannt habe. Der Ausgang der tragischen Geschichte ist bekannt.

Die Autopsie an Saidys Leiche hatte ergeben, dass der 24-Jährige innerlich verblutet war, nachdem ein Stück einer gebrochenen Rippe die Lunge durchbohrt hatte. Wäre sofort Hilfe geholt worden, hätte das Leben von Lamin Saidy vermutlich gerettet werden können. Doch der 24-Jährige blieb schwer verletzt und hilflos im Kiesbett der Tiefgaragen-Zufahrt liegen.

Gut möglich, dass auf den 26-Jährigen aus dem Senegal nach Abschluss der Ermittlungen neben einer Anklage wegen Beihilfe zum Raub auch eine wegen unterlassener Hilfeleistung dazukommt.

d/em