Die Ermittlungen betreffen die Todesumstände des Ehemannes einer der Verdächtigen im Fall des Anwalts Nikolaus Chizzali. Dieser starb am 27. Oktober 2022. Die Staatsanwaltschaft verdächtigt acht Verwandte, seinen Tod durch „aktives und unterlassendes Handeln sowie durch wiederholte psychische Gewalt“ verursacht zu haben. Chizzali sei im Juli 2022 erkrankt. Auf ihn sei Druck ausgeübt worden, die von der Schulmedizin angebotene Behandlung zugunsten der Homöopathie abzulehnen. Auch sei ihm die Bewegungsfreiheit und die Möglichkeit, soziale Kontakte zu pflegen, verwehrt worden. <BR /><BR />Chizzalis Zustand habe sich zusehends verschlechtert, er erlag einem septischen Schock mit multiplem Organversagen. Sollte es zum Hauptverfahren im Sinn von Art. 572 StGB, Absatz 3, kommen, müsste dieses vor dem Schwurgericht anberaumt werden: Der Strafrahmen für Misshandlung in der Familie mit Todesfolge beträgt zwölf bis 24 Jahre Haft. Rechtsanwalt Beniamino Migliucci, der die Verwandten vertritt, weist sämtliche Verdachtsmomente gegen seine Mandanten zurück. Für sie gilt die Unschuldsvermutung. <BR /><BR />Der ältere Fall betrifft hingegen einen Mann, der bereits im März 2018 verstarb. Im Vorfeld war er erkrankt. Im Raum stand der Verdacht, dass der Betroffene dazu gebracht worden sei, auf schulmedizinische Hilfe zu verzichten und sich stattdessen alternativen Heilmethoden anzuvertrauen. Dies habe zur Verschlechterung seines Zustandes und letztendlich zu seinem Tod geführt, befürchtete eine Verwandte, die damals die Staatsanwaltschaft eingeschaltet hatte. <BR /><BR />Die Behörde leitete Ermittlungen ein, beantragte aber schließlich die Einstellung des Verfahrens, wogegen die Verwandte Einspruch erhob. Doch offenbar hatten die bis dahin gesammelten Hinweise die Verdachtsmomente auf einen mutmaßlichen Straftatbestand nicht klar untermauert. Doch nach dem Tod von Rechtsanwalt Nikolaus Chizzali soll die Bozner Staatsanwaltschaft die damaligen Ermittlungen jetzt wieder aufgerollt haben. <BR /><BR />Detail am Rande: Der im Jahr 2018 Verstorbene soll ein Vermögen in Höhe mehrerer Millionen Euro hinterlassen haben, zu dem in der Folge auch ein Zivilverfahren angestrengt worden war, das sich über Jahre hinzog. Teil des Erbes soll u.a. ein Gebäude in Kastelruth gewesen sein, in dem Rechtsanwalt Chizzali die letzten Monate seines Lebens verbracht hatte.