Freitag, 28. August 2015

Todesfalle Lkw: 71 Flüchtlinge auf 15 Quadratmetern zusammengepfercht

Die Flüchtlingstragödie im Burgenland hat die schlimmsten Befürchtungen übertroffen: 71 Leichen – darunter vier Kinder – bargen die Behörden in der Nacht zum Freitag aus dem Laderaum eines Schlepper-Lastwagens, in dem die Flüchtlinge zusammengepfercht worden waren. Inzwischen gibt es erste Fahndungserfolge. Die ungarische Polizei bestätigte am Freitag, vier Personen festgenommen zu haben.

Blumen und Kerzen erinnern an der Ostautobahn im Burgenland an die Flüchtlingstragödie.
Blumen und Kerzen erinnern an der Ostautobahn im Burgenland an die Flüchtlingstragödie. - Foto: © LaPresse

Mitarbeiter des Autobahn-Streckendienstes Asfinag hatten am Donnerstag den 7,5 Tonnen schweren Lkw bei Parndorf im Burgenland, 50 Kilometer südöstlich von Wien, entdeckt.

Bei der nächtlichen Untersuchung des Lastwagens stellte sich heraus, dass weit mehr Personen als befürchtet auf die 15 Quadratmetern Ladefläche zusammengepfercht worden waren.

 

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Unter den Opfern waren 59 Männer, 8 Frauen und 4 Kinder. Darunter sei auch ein etwa einjähriges Mädchen, sagte der Polizeichef des Burgenlandes, Hans Peter Doskozil, in Eisenstadt. Möglicherweise habe es sich um Flüchtlinge aus Syrien gehandelt. Ursprünglich waren die Behörden von 20 bis 50 Toten ausgegangen. Die Personen seien vermutlich erstickt, teilte Doskozil mit.

Zunächst setzten die Behörden nach eigenen Angaben sieben Verdächtige fest; Sie seien jedoch teils wieder freigelassen worden. Bei den Festgenommenen handele es sich unter anderem um den Eigentümer des Lastwagens sowie die beiden mutmaßlichen Fahrer. Nach bisherigen Erkenntnissen gehören sie zum Umfeld eines bulgarisch-ungarischen Schlepperrings.

Der Lkw war am Donnerstag im Autobahnabschnitt bei Parndorf (Bezirk Neusiedl am See) entdeckt worden. Er sei am Mittwoch südlich von Budapest losgefahren, hieß es.

 

Die Leichen befanden sich im Laderaum, aus dem nach offiziellen Angaben Verwesungsflüssigkeit quoll. Wann genau die Menschen starben, war zunächst unklar. Sollte sich herausstellen, dass die Flüchtlinge bereits tot waren, als der Wagen die ungarisch-österreichische Grenze passierte, wären die ungarischen Strafverfolgungsbehörden maßgeblich zuständig, hieß es.

Die Leichen sollten nach Polizeiangaben von der Gerichtsmedizin in Wien abschließend untersucht werden. Neben dem Todeszeitpunkt soll auch ihre Identität geklärt werden.

 

In den kommenden Tagen rechnen die Behörden in Österreich noch mit steigenden Flüchtlingszahlen. Viele Flüchtlinge versuchten demnach, noch vor der endgültigen Fertigstellung des ungarischen Grenzzauns in die Alpenrepublik und von dort auch weiter nach Deutschland oder Skandinavien zu kommen. 

Die österreichische Polizei im Burgenland an der Grenze zu Ungarn sollte daher durch Beamte aus den benachbarten Bundesländern Kärnten und Steiermark verstärkt werden.

dpa

stol