Donnerstag, 13. Mai 2021

Todesflug Rio-Paris: Air France soll vor Gericht

Rund 12 Jahre nach dem Absturz einer Air-France-Maschine mit 228 Toten – darunter 3 Südtiroler und 3 Trentiner – sollen der Flugzeugbauer Airbus und die Fluggesellschaft Air France auf die Anklagebank.

Bergung der Trümmer der abgestürzten Air-France-Maschine: Ob es ein juridisches Nachspiel gibt, dürfte bald feststehen.
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Bergung der Trümmer der abgestürzten Air-France-Maschine: Ob es ein juridisches Nachspiel gibt, dürfte bald feststehen. - Foto: © brazil's air force / Anonymous
Das Pariser Berufungsgericht ordnete am Mittwoch einen Prozess wegen fahrlässiger Tötung an. Der Entscheidung waren lange Rechtsstreitigkeiten vorausgegangen – Ermittlungsrichter hatten den Fall 2019 abgewiesen, die Staatsanwaltschaft hatte dagegen berufen.

Der Flug AF447 war am 1. Juni 2009 auf dem Weg von Rio de Janeiro nach Paris über dem Atlantik abgestürzt. 228 Passagiere und Besatzungsmitglieder kamen ums Leben – darunter 3 Südtiroler: Die Innichner Georg Lercher (34) und Alexander Paulitsch (35), die von einem Urlaub in Brasilien zurückkehren wollten, und Georg Martiner (25), Adoptivsohn einer Grödner Familie, der zu seinem 25. Geburtstag in sein Herkunftsland Brasilien gereist war.



Auch 3 Trentiner saßen im Flieger: der Regionalratsabgeordnete Giovanni Battista Lenzi, der Bürgermeister von Canal San Bovo, Luigi Zortea, und der Direktor des Trentiner Heimatfernenvereins, Rino Zandonai.

Die Absturzursache des Airbus war lange unklar. Erst im Mai 2011 wurden die letzten Leichen und der Flugdatenschreiber aus etwa 4000 Metern Tiefe geborgen. 2012 stellten Ermittler fest, dass die Crew mit der Lage überfordert war, nachdem die für die Geschwindigkeitsmessung genutzten Pitot-Sonden vereist waren.

Die Untersuchungsrichter waren 2019 der Ansicht, dass das Unglück auf eine Kombination von Elementen zurückzuführen war, die noch nie vorgekommen sei und sahen kein schuldhaftes Versagen von Airbus oder Air France – das Verfahren wurde eingestellt.

Die Staatsanwaltschaft war dagegen vorgegangen. Die jetzige Entscheidung des Berufungsgerichts bedeutet noch nicht definitiv, dass es zu einem Prozess kommt – die Betroffenen können sie noch anfechten. Die Anwälte von Airbus und Air France wiesen der französischen Nachrichtenagentur AFP zufolge die Verantwortung der Unternehmen für den Absturz zurück.

apa/dpa