<b>Von Miriam Roschatt</b><BR /><BR />Sie pflegte ihn, stützte ihn, hielt ihn. Drei Jahre lang. Rund um die Uhr. Selbst als sein letzter Lebensfunke im April 2022 erlosch, lagen die kalten Hände ihres damals 86-jährigen Ehemannes noch lange in den ihren. Heute blickt die Mitte-60-jährige Burggräflerin, die ihren vollen Namen nicht nennen möchte, auf die wohl herausforderndste Zeit ihres Lebens zurück. Eine Zeit, die neben aller Traurigkeit auch eine wunderschöne Überraschung für sie bereithielt. <h3> Die schockierende Diagnose, die alles veränderte</h3>Rückblick: 2019 erkrankte ihr Ehemann schwer. Diagnostiziert wurden damals ein fortgeschrittener, bösartiger Magentumor sowie die seltene Hormon- & Stoffwechselerkrankung Amyloidose. Die Prognose für ihren Mann, mit dem sie seit 30 Jahren ihr Leben teilte, war düster: zwei bis drei Jahre Restlebenszeit – höchstens. Für das kinderlose Paar ein Schock. „Von da an ging es mit ihm bergab“, erzählt die Frau, die damals alles daran setzte, dem letzten Wunsch ihres Mannes gerecht zu werden: Er wollte ohne medizinische Eingriffe, ohne Chemotherapie und ohne starke Medikamente daheim gepflegt werden und dort auch sterben. <BR /><BR />Für die Rentnerin, die ihrem Mann einst versprochen hatte, in guten wie in schlechten Zeiten für ihn da zu sein, begann damit ein neuer Lebensabschnitt: Sie war jetzt die pflegende Ehefrau. Ob sie das auch wirklich wollte, hatte sie niemand gefragt. Sie sah es als ihre Pflicht an. Und gab ihr Bestes.<h3> Ein Versprechen mit teils fatalen Folgen</h3>Die Pflege ihres Mannes zehrte schon bald spürbar an ihren Kräften: die unendliche Geduld, die körperliche und seelische Anstrengung, die Hingabe, mit der sie ihren bettlägerigen Mann täglich umsorgte, raubten ihr enorm viel Energie. „Ich hatte zwar einmal pro Woche eine Hilfspflegekraft und meine Nichte, die ihm die Fuß- und Fingernägel schnitt, aber den ganzen Rest übernahm ich fast allein. Ich wusch ihn, kleidete ihn an, half ihm beim Essen und Trinken, kümmerte mich um seine Medikamente, wachte nachts an seinem Bett, tröstete ihn, wenn er Schmerzen hatte, und hielt seine Hand, wenn er Angst oder Verzweiflung spürte“, beschreibt sie die ständige Sorge um das Wohl des Partners, die sie am Ende selbst krank machte. <BR /><BR />Nach einem Jahr intensiver, rund um die Uhr andauernder Hauspflege verschrieb ihr der Hausarzt Antidepressiva. Die Diagnose lautete: Erschöpfungsdepression.<BR /><BR />An ein Aufgeben dachte die Frau jedoch nie. „Die Medikamente halfen mir, jeden Tag aufs Neue aufzustehen und meinem Mann in dieser schweren Zeit beizustehen“, beschreibt die Burggräflerin eindringlich, wie sehr pflegende Angehörige zwischen aufopfernder Fürsorge und der eigenen Erschöpfung zerrieben werden.<h3> Der Wunsch nach einer Schulter zum Anlehen</h3>Was ihr in dieser herausfordernden Zeit besonders fehlte, war ei<?TrVer> ne Schulter zum Anlehnen. Ihr schwerkranker Partner konnte ihr diese Stütze nicht mehr bieten. „Auch wenn wir noch verheiratet waren, war unsere Liebesbeziehung praktisch nicht mehr existent“, erzählt die Mitte-60-Jährige, in der nach und nach der Wunsch nach einer neuen Partnerschaft wuchs. Doch durfte sie diese Sehnsucht in ihrer Situation überhaupt zulassen? Durfte sie von einem neuen Mann an ihrer Seite träumen, während ihr todkranker Ehemann zu Hause auf sie wartete?<BR /><BR />Voller Schuldgefühle verdrängte die Frau ihren Herzenswunsch zunächst, bis ihr Mann sie ein halbes Jahr vor seinem Tod – als hätte er es geahnt – an etwas sehr Wesentliches erinnerte: „Genieße du wenigstens die Zeit, die dir noch bleibt.“ Neun Worte, die im Leben der pflegenden Ehefrau doch alles verändern sollten. Sie fasste Mut und wandte sich an Partnervermittlerin Tanja Raffl von der Meraner Partnervermittlungsagentur „Herzblatt“. Ihr Wunsch: einen Mann kennenzulernen, der akzeptierte, dass ihr Herz zwar noch gebunden war – sie aber trotzdem gerne treffen würde.<BR /><BR /><h3> Ein geschiedener Mann aus dem Eisacktal als Partner</h3>Die Suche nach einem Mann, der die schwierige Situation der Burggräflerin verstand, gestaltete sich für die erfahrene Partnervermittlerin zunächst schwierig. Doch sie hatte Erfolg. Bereits wenige Monate später fand Tanja Raffl einen möglichen neuen Kandidaten für ihre Klientin – einen geschiedenen Eisacktaler. „Schon bei unserem ersten Treffen in Terlan Anfang 2022 spürte ich: Er ist der Richtige! Sein sonniges, liebevolles Wesen schmeichelte mir sofort“, schwärmt die Frau heute noch von ihrem „Schatz“, dem sie sich anfangs nur sehr langsam und zögerlich und unter strengster Geheimhaltung öffnete. <h3> „Ich wüsste nicht, wo ich heute ohne ihn wäre“</h3>Im April 2022 verstarb ihr kranker Ehemann – daheim, wie er es sich gewünscht hatte. Ein unvorstellbarer Verlust für die Frau, die mit ihrem Partner in 30 gemeinsamen Ehejahren nicht nur die Welt bereist, sondern auch unzählige Berge erklommen hatte. „Doch er war erlöst, befreit von den unsagbaren Schmerzen, die seine Erkrankungen ihm zugefügt hatten“, so die Witwe. In der Phase der Trauer wich der Frau ihre neue Bekanntschaft aus dem Eis<?TrVer> acktal nicht von der Seite. Fast wie selbstverständlich trug er ei<?TrVer> nen Teil ihres großen seelischen Schmerzes mit. „Er war mir eine unfassbar starke Stütze. Ich wüsste nicht, wo ich heute ohne ihn wäre“, sagt sie – und zeigt sich dabei auch Partnervermittlerin Tan<?TrVer> ja Raffl dankbar. Denn nur durch deren Agentur hatte die Frau ihren heutigen Partner überhaupt kennengelernt.<BR /><BR />Heute wünscht sie allen, die ihren Ehemann oder ihre Ehefrau pflegen und sich nach Nähe und Zuneigung sehnen, dass sie den Mut finden, diesem Bedürfnis Raum zu geben. „Denn der Wunsch nach Liebe ist nichts, wofür man sich jemals schuldig fühlen müsste – auch dann nicht, wenn andere darüber urteilen“, hat sie gelernt.