Wie auf dem Blog des „Lawinen.report“ der Agentur für Bevölkerungsschutz zu lesen ist, handelte es sich bei der Lawine um eine mittelgroße (Größe 2), trockene Schneebrettlawine; die Höchstquote des Anbruchs lag bei ca. 3460 Meter. <BR /><BR />Die Anbruchmächtigkeit wurde auf etwa 20 Zentimeter geschätzt, die maximale Steilheit im Anbruchgebiet liegt im Bereich von ca. 45°.<h3> Lawine löste sich plötzlich</h3>Es waren sieben Personen in der Wand unterwegs, zwei Zweiergruppen und eine Dreiergruppe. Eine der beiden Zweiergruppen befand sich bereits im obersten Wandteil, als sich plötzlich eine Lawine löste und die beiden Kletterer mit sich riss. <BR /><BR />Weiter unten in der Sturzbahn riss die Lawine noch die Dreierseilschaft mit in die Tiefe. Die andere Zweiergruppe hingegen blieb von der Lawine unberührt und entging dem Unfall. Sie setzten sogleich den Notruf ab.<BR /><BR />Die Bergrettung konnte die Dreierseilschaft noch vor Einbruch der Dunkelheit bergen, die Zweierseilschaft wurde erst am Sonntag aufgefunden und geborgen. <a href="https://www.stol.it/artikel/chronik/nach-tragoedie-wir-stehen-alle-unter-schock-und-sind-fassungslos" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">(STOL hat berichtet)</a><h3> Zunächst war Lokalaugenschein nicht möglich</h3>Aufgrund des extremen Steilgeländes und der Schneefälle am Sonntagnachmittag samt starkem Wind war ein Lokalaugenschein nicht möglich, wodurch auch keine Schneedeckenuntersuchung im Anbruchgebiet erfolgte. Trotzdem machten sich die Experten ein paar Gedanken zum Schneedeckenaufbau, so Lawinen.report.<BR /><BR />Neuschnee kann im Spätherbst besonders im vergletscherten, schattigen Steilgelände in der Höhe liegen bleiben und sich je nach Witterungsverhältnissen aufbauend umwandeln (speziell bei klaren Nächten). Dadurch bilden sich bindungslose, kantige Kristalle. Zugleich kann es auch noch bis weit hinauf regnen oder milde Wetterphasen können die Schneedecke zum Schmelzen bringen. Eine Abfolge von solchen Ereignissen führt dann zu einer Schneedecke, die aus Schmelzharschkrusten und kantig aufgebauten Schichten dazwischen besteht (wir bezeichnen dies als Krustensandwich, er ist typisch für ein Altschneeproblem).<h3> Bedingungen für eine Schneebrettlawine gegeben</h3>Die Daten der Wetterstationen bestätigen einen derartigen Witterungsverlauf und eine Schneedeckenuntersuchung auf dem Stubaier Gletscher in Nordtirol zeigt ein solches Krustensandwich auf vergletschertem Gelände (siehe dazu den Blogeintrag unserer Kollegen vom Lawinenwarndienst Tirol). Betrachtet man weiters das Bild der Unfalllawine (siehe weiter oben) genauer, sieht man, dass es sich um einen großflächigen Anbruch handelt, d.h. Schwachschicht und Brett müssen flächig vorhanden gewesen sein. Wir gehen deshalb von einem Altschneeproblem aus, das sich auf steilen, v.a. nordexponierten Gletschern gebildet hat. Etwas Neuschnee in Kombination mit Wind bzw. möglicherweise auch die feuchten Luftmassen am Sonntagnachmittag haben dann dazu geführt, dass an der Oberfläche eine gebundene Schneeschicht lagerte (Schneebrett). Somit waren die Bedingungen für eine Schneebrettlawine gegeben.<BR /><BR />Wie schon im letzten Blogeintrag „Über die Lawinengefahr in Eiswänden – Kurzer Blick auf die aktuelle Situation“ hingewiesen, möchten wir unterstreichen, dass v.a. in steilen Eiswänden und allgemeine auf Gletschern der Schneedeckenaufbau schon im Spätherbst bzw. Frühwinter nach den ersten Schneefällen für Lawinen in Frage kommt und dies vor Ort berücksichtigt werden muss.<BR /><BR /> <a href="https://lawinen.report/blog?problem=all&region=all&searchLang=de" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Hier erfahren Sie mehr zur aktuellen Lawinensituation.</a>