Montag, 30. Dezember 2019

Lawine in Schnals: 5 Personen ins Ermittlungsregister eingetragen

Wie die Staatsanwaltschaft am Montag mitteilte, sind 5 Personen ins Ermittlungsregister wegen mehrfach fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Verursachung eines Unglücks durch eine Lawine eingetragen, die Skipiste zu Beweiszwecken beschlagnahmt worden. Was aber hat die fatale Lawine, die 3 Menschen das Leben kostete, ausgelöst? STOL hat mit Lukas Rastner vom Landes-Lawinenwarndienst, der am Montag einen Lokalaugenschein durchgeführt hat, am Telefon gesprochen.

Einsatzkräfte am Samstag im Schnalstal.
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Einsatzkräfte am Samstag im Schnalstal. - Foto: © Bergrettung Schnals

STOL: Herr Rastner, Sie befinden sich zum Lokalaugenschein im Schnalstal. Was haben Sie gesehen?

Lukas Rastner: Wir haben mehrere Flüge gemacht und uns die Lawine und die Abbruchstelle nicht nur am Boden, sondern auch von der Luft aus genau angeschaut. Was ich zum jetzigen Zeitpunkt sagen kann, ist, dass es zwei mögliche Auslösungs-Szenarien gibt.

STOL: Welche sind das?

Lukas Rastner: Wir haben im Bereich der Abbruchkante auf 3000 Metern Höhe Spuren von Variantenfahrern gesehen, allerdings können wir nicht sagen, ob diese vom Samstag stammen oder älter sind. Die Wetterbedingungen waren am Samstag für Variantenfahrer nicht wirklich optimal, aber man weiß ja nie. Meiner Meinung nach ist eine spontane Auslösung allerdings wahrscheinlicher.

STOL: Warum?

Lukas Rastner: Am Samstag herrschten da oben Windgeschwindigkeiten von bis zu 100 Kilometern pro Stunde, was zu großen Triebschneeproblemen führte. Der Schnee, der durch den starken Wind auf die unstabile Altschneedecke verfrachtet wurde, kommt bei diesen Bedingungen leicht ins ins Rutschen. Diese Kombination aus Alt- und Triebschnee war einfach ungünstig, die Schneedeckenstabilität sehr schlecht. Außerdem ist der Hang darunter sehr steil, etwa 45 Grad.

STOL: Welche Beobachtungen haben Sie noch gemacht?

Lukas Rastner: Was uns wirklich überrascht hat, war die Dimension der Lawine. Sie war etwa 1000 Meter lang und sehr breit. Sie war jedenfalls viel größer als einige andere Lawinen, die spontan abgegangen sind und wir heute bei unseren Beobachtungsflügen zwischen Langtaufers und Similaun gesehen hatten. Diese Lawinen lagen bei Dimension 1 bis 2. Die Lawine im Schnalstal hatte eine Dimension von 3, wenn nicht 4. Die Messungen, die wir heute gemacht haben, werden nun ausgewertet, dann können wir dazu genaue Angaben machen.

STOL: Die Lawinenwarnstufe lag am Samstag bei 3. Haben Sie richtig gewarnt?

Lukas Rastner: Ja, die Beschreibung hat gepasst. Die Gefahrenstufe war richtig eingeschätzt. In einigen Medien war die Rede davon, dass wir zuerst Warnstufe 2 ausgerufen und sie am Nachmittag auf 3 erhöht hatten. Das stimmt nicht. Die Warnstufe war von vornherein für Samstag auf 3 angesetzt.

3 Todesopfer, darunter 2 Mädchen

Bei den Todesopfern handelt es sich um eine 35-jährige Offizierin der deutschen Bundeswehr und um ihre Tochter. Ein ebenfalls aus Deutschland stammendes, siebenjähriges Mädchen kam ums Leben. Der Vater und der elfjährige Bruder von einem der Mädchen erlitten Knochenbrüche und wurden ins Meraner Krankenhaus geflogen.

Die Talabfahrt, auf der das Unglück passierte, wurde von der Staatsanwaltschaft bis auf Weiteres gesperrt.

Am Montagabend ist um 21 Uhr eine Gedenkfeier für die Lawinenopfer in der Ortschaft Kurzras vorgesehen. Das Silvester-Feuerwerk in Kurzras wurde abgesagt.


Interview: Verena Stefenelli


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