Die erfahrenen Taucher, darunter Instruktoren und Meeresforscher, wollten die sogenannten „Kandu“ erforschen - natürliche Kanäle zwischen der inneren Lagune und dem offenen Meer - sowie die Unterwasserhöhlen von Alimathaa. Das Labyrinth aus Korallenhöhlen wurde ihnen offenbar zum Verhängnis.<BR /><BR />Bei den Opfern handelt es sich um die Meeresbiologin und Ökologie-Professorin Monica Montefalcone aus Genua, ihre 23-jährige Tochter Giorgia Sommacal, die Forscherin Muriel Oddenino (31) aus Turin sowie die Tauchlehrer Gianluca Benedetti (44) aus Padua und Federico Gualtieri (31) aus Omegna. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1313028_image" /></div> <BR />Die Gruppe tauchte ab und blieb offenbar unter Wasser eingeschlossen. Nach ersten Rekonstruktionen der maledivischen Behörden waren die Taucher von der Safari-Boat „Duke of York“ aus gestartet, einer 36 Meter langen Yacht der Gesellschaft Luxury Yacht Maldives. Das Schiff war am vergangenen Sonntag mit rund 30 Touristen von Malé zu einer einwöchigen Kreuzfahrt ausgelaufen.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1313031_image" /></div> <BR /><BR />Die fünf Italiener galten als erfahrene Taucher und befanden sich laut Berichten im Rahmen eines meeresbiologischen Forschungsprojekts auf den Malediven. Offenbar entschieden sie sich, die Höhlen von Alimathaa zu erkunden. Nach dem Einstieg in eine erste Höhle drang die Gruppe vermutlich in ein zweites Höhlensystem vor, das bis in etwa 60 Meter Tiefe reicht und rund 260 Meter lang sein soll. Experten vermuten, dass die Taucher dort die Orientierung verloren und vergeblich versucht haben könnten, einen Ausgang zu finden, wobei aufgewirbelter Schlamm und Sand die Sicht vollständig nahmen. Als mögliche Ursache wird unter anderem eine Sauerstoffvergiftung („Hyperoxie“) genannt, die bei tiefen Tauchgängen durch hohen Druck und eine erhöhte Sauerstoffkonzentration auftreten kann. Zudem könnten schlechte Wetterbedingungen oder plötzlich auftretende Aufwärtsströmungen die Rückkehr an die Oberfläche erschwert haben. Der Wetterdienst der Malediven hatte für das Gebiet wegen starken Winds gelbe Warnung herausgegeben.<BR /><BR />Die fünf Opfer waren durch ihre Leidenschaft für das Meer verbunden - eine Leidenschaft, die sie zum Beruf gemacht hatten. Drei der Opfer des Unglücks arbeiteten in der Meeresforschung: Monica Montefalcone, Muriel Oddenino und Federico Gualtieri gehörten trotz unterschiedlicher Herkunft demselben Institut der Universität Genua an. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1313034_image" /></div> <BR /><BR />Gianluca Benedetti wiederum hatte eine Karriere im Finanzwesen hinter sich gelassen, um in der Nautikbranche neu anzufangen, und die Malediven zu seiner zweiten Heimat gemacht. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1313037_image" /></div> <BR /><BR />Die 23-jährige Giorgia Sommacal, Studentin der Biomedizintechnik, hatte ihre Mutter Monica Montefalcone auf der Reise und dem verhängnisvollen Tauchgang begleitet.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1313040_image" /></div> <BR /><BR />Montefalcone galt als die erfahrenste Taucherin der Gruppe. Die 52-Jährige wurde in Mailand geboren, lebte jedoch seit Jahren mit ihrer Tochter, ihrem Ehemann und einem weiteren Sohn im Genueser Stadtteil Pegli. Sie lehrte Ökologie an der Universität Genua und war außerordentliche Professorin am Institut für Geowissenschaften DISTAV. Neben ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit engagierte sie sich stark in der Öffentlichkeitsarbeit und war unter anderem Botschafterin für Kampagnen zum Schutz mariner Ökosysteme wie das Greenpeace-Projekt „Mare caldo“. Sie gehörte mehreren internationalen Fachorganisationen an. Zudem besaß sie ein internationales Zertifikat als Höhlentaucherin erster Stufe.<BR /><BR />Die 30-jährige Muriel Oddenino stammte aus Poirino bei Turin und arbeitete ebenfalls in Genua. Nach einem Studium der Naturwissenschaften spezialisierte sie sich an der Universität Genua und erhielt dort ein Forschungsstipendium. Sie veröffentlichte zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten zum Schutz mariner Ökosysteme. Auf sozialen Netzwerken veröffentlichte sie häufig Beiträge über Korallenriffe und sogenannte „Blue Holes“, in denen auch die Forschungsarbeit Montefalcones vorgestellt wurde. Ihr letzter Instagram-Beitrag zeigt einen fischreichen Meeresgrund. <BR /><BR />Auch Federico Gualtieri aus Omegna am Ortasee in Piemont war leidenschaftlicher Taucher. Der 31-Jährige hatte nach seinem Schulabschluss Biologie studiert und bereits 2015 seinen ersten Taucherschein erworben. 2022 nahm er an einer wissenschaftlichen Expedition unter Leitung Montefalcones auf den Malediven teil, bei der die sogenannte „Blue Hole“-Höhle und die Artenvielfalt des Korallenriffs untersucht wurden. Später wechselte er an die Universität Genua und schloss dort im März sein Masterstudium in Meeresbiologie und Meeresökologie ab. Seine Abschlussarbeit widmete sich der Vielfalt und Ökologie bestimmter Korallenarten in den zentralen Atollen der Malediven. Betreut wurde die Arbeit von Monica Montefalcone, in der er sich in seiner Danksagung ausdrücklich für ihre Unterstützung und ihr Vertrauen erkenntlich zeigte. <BR /><BR />Das fünfte Opfer ist der 44-jährige Gianluca Benedetti aus Padua. Er war kein Wissenschaftler, sondern ein Finanzmanager, der vor neun Jahren seine Karriere aufgegeben hatte, um seiner Leidenschaft für Tauchen und Boote zu folgen. Nach Aufenthalten auf den Malediven und in Indonesien kehrte er auf die Inselgruppe zurück und arbeitete dort als Tauchlehrer und Betreiber der Boote „Conte Max“ und „Duke of York“, mit denen er Touristen zu den Atollen führte.