Dienstag, 23. Juni 2020

Tönnies versorgt auch Südtirol mit Fleisch – MPreis stoppt Lieferungen

Bei dem Fleischproduzenten Tönnies in Rheda-Wiedenbrück in Deutschland war vergangene Woche ein großer Corona-Ausbruch bekannt geworden. Mittlerweile sind über 1500 Mitarbeiter infiziert. 6000 Personen stehen unter Quarantäne. Der Konzern beliefert auch Südtirol mit Fleisch. Die Supermarktkette MPreis mit Sitz in Nordtirol hat die Lieferungen vorerst eingestellt. Und auch die Südtiroler Speckwirtschaft ist betroffen.

Eine Person trägt eine Schweine-Maske und steht während einer Demonstration gegen Tierquälerei vor dem Betriebsgelände der Fleischfabrik Tönnies.
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Eine Person trägt eine Schweine-Maske und steht während einer Demonstration gegen Tierquälerei vor dem Betriebsgelände der Fleischfabrik Tönnies. - Foto: © APA/dpa / Friso Gentsch
Der Lebensmittelhändler MPreis ist mit 267 Filialen neben den 5 österreichischen Bundesländern Tirol, Vorarlberg, Salzburg, Kärnten und Oberösterreich auch in Südtirol vertreten.

Man habe Tönnies-Fleisch für die Wurstproduktion verwendet, erklärte die Tiroler Supermarktkette auf Twitter, nachdem der Ötztaler Blogger Markus Wilhelm ein Foto eines Tönnies-Lkw bei der Anlieferung zu MPreis gepostet hatte.




„Für die Wurstproduktion wird neben österreichischem Fleisch auch qualitätsgeprüftes Fleisch aus Deutschland verwendet, hier war die Firma Tönnies einer der Lieferanten. Die Firma Tönnies wurde letzte Woche als Lieferant gesperrt“, schrieb die Supermarktkette auf Twitter.

Zudem sei das Foto, das offenbar von der MPreis-Homepage selbst stammen dürfte, etwa ein Jahr alt, behauptete MPreis. Wilhelm erwiderte daraufhin, dass das Foto vom 18. Mai 2020 stamme.

Zentrum des Ausbruchs in Fleischzerteilung

Das Zentrum des Corona-Ausbruchs bei Tönnies liege nach den neuesten Aussagen des Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen Armin Laschet (CDU) in der Fleischzerteilung. In dieser Abteilung gebe es die meisten Infizierten, sagte Laschet am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Düsseldorf. Von 1553 positiv getesteten Mitarbeitern seien nur 24 aus anderen Bereichen als der Fleischzerteilung, so Laschet.

Im Schlachtereibetrieb Tönnies wurde die Produktion eingestellt. Dies habe laut Medienberichten auch direkte Auswirkungen auf die Speckwirtschaft in Südtirol. Denn: 6 Prozent des Südtiroler Specks werden mit Tönnies-Fleisch produziert.

Regionaler Lockdown

Nach dem Corona-Ausbruch beim Fleischverarbeiter Tönnies schränken die Behörden im deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen das öffentliche Leben im Kreis Gütersloh massiv ein. Erstmals in Deutschland werde ein gesamter Kreis wegen des Corona-Infektionsgeschehens wieder auf die Schutzmaßnahmen zurückgeführt, die noch vor einigen Wochen gegolten hatten, sagte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet.

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Im Kreis Gütersloh handle es sich um das bisher „größte Infektionsgeschehen“ in Deutschland, so Laschet. Der Lockdown gelte zunächst für eine Woche. Bis 30. Juni werde man dann mehr Klarheit haben, inwieweit sich das Virus womöglich auch bei Menschen, die nicht bei Tönnies arbeiten, ausgebreitet habe, sagte Laschet.






apa/stol