Donnerstag, 01. Oktober 2020

Törggelen nach Corona-Art

Keschtn, Krapfn und Schlachtplatten: Am kommenden Wochenende geht die Törggele-Saison in Südtirol richtig los. Aber wie törggelt es sich in Corona-Zeiten? Mit Maske und Abstand?

Die Törggele-Saison beginnt.
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Die Törggele-Saison beginnt. - Foto: © IDM Südtirol / Alex Filz
So richtig losgehen mit der Törggele-Saison wird es am 3. Oktober, wenn eine Vielzahl von Buschenschänken in den traditionellen Gegenden das sogenannte „Keschtnfeuer“ entzünden und zu Verkostungen oder Hofführungen einladen. So mancher Hof hat bereits die ersten Törggele-Partien unter Corona-Auflagen hinter sich, darunter der Buschenschank Oberpartegger mit Jungbauer Hannes Kainzwaldner in Villanders. Dort zeigt man sich mit dem Auftakt, der bereits am vorvergangenem Samstag erfolgte, allemal zufrieden.



„So wie es derzeit aussieht, werden die größeren Gruppen fast vollständig ausfallen, dafür arbeiten wir mit Familien und kleinen Gruppen“, sagt Kainzwaldner. Er betont, dass man aufgrund der kleinen Zufahrtsstraße ohnehin immer schon mit Einheimischen gearbeitet hat, heuer aber wohl großteils die Vereine und Firmen ausfallen werden. Dennoch sei der Appetit auf Keschtn, Krapfn und Schlachtplatten unvermindert groß, denn an den Wochenenden könnte man den Buschenschank „5-mal vollmachen“. Unter der Woche werde es dagegen beschaulich zugehen, meint er. Jedoch kann er heuer aufgrund der Hygienerichtlinien nur 50 statt der üblichen 75 Gäste bewirten. „Wir sind aber froh, wenn wir heuer arbeiten dürfen, und ich muss sagen, es ist erstaunlich, wie diszipliniert die Leute sind“, schildert er seine Beobachtungen. Die Maskenpflicht werde ohne Murren eingehalten, alles laufe in sehr geordneten Bahnen ab.

Richtlinien wie bei allen Gastbetrieben

Bei den Richtlinien orientiert man sich an jenen für Gastbetriebe – so gilt der Ein-Meter-Abstand für Personen, die nicht im gleichen Haushalt leben, die obligatorische Maske kann bei Tisch abgenommen werden, das Servicepersonal hat ohnehin Maskenpflicht. Hannes Knollseisen von der Bauernbundorganisation Roter Hahn glaubt, dass sich das Törggelen mehr in den Außenbereich verschieben dürfte und erkennt eine Tendenz hin zum ursprünglichen Törggelen. „Gerade in diesen Zeiten suchen die Leute verstärkt das Familiäre und die Gemütlichkeit, vor allem aber Qualität – auch Lebensqualität“, gibt er sich überzeugt.

Knollseisen war bereits wieder bei den Mitgliedsbetrieben unterwegs, um die Herstellung der Produkte zu inspizieren und sich die Stimmungslage anzuhören. Grundsätzlich sei man einfach froh, arbeiten zu dürfen.

Nur knapp mehr als die Hälfte der üblichen Plätze wird heuer die Kapazität beim Buschenschank Oberlegar in Terlan betragen. Bäuerin Helene Schwarz gibt zu bedenken: „Die allermeisten bisherigen Gäste waren Pärchen, die Vereine werden uns heuer sicher abgehen. Aber wir wollen jetzt einfach mal schauen, wie sich die Lage entwickelt.“ Auch sie hat ein diszipliniertes Verhalten der Gäste feststellen können.

„Sicher kein Törggelen wie wir es gewohnt waren“

„Es wird heuer sicher nicht das Törggelen sein, wie wir es bisher gewohnt waren, weil Abstände einzuhalten sind und all die anderen Regeln“, sagt auch Elisabeth Tauferer vom Ebnicherhof hoch oberhalb von Bozen. Auch dort gibt es kleine Stübelen, wo man nicht mehr dicht an dicht sitzen kann. Tische und Speisekarten müssen laufend desinfiziert werden, die Masken werden zum unverzichtbaren „Must-Have“. Trotz allem ist auch sie froh, arbeiten zu dürfen und die bisherige Vormerklage veranlasst sie, positiv vorauszublicken.

Aufgrund der reduzierten Kapazitäten und strikten Regeln wird Törggelen in Corona-Zeiten wohl um einiges ruhiger und bedächtiger ausfallen als gewohnt. Ein Stimmungswechsel, der mancherorts auch eine neue Qualität mit sich bringen dürfte.

d/az

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