Samstag, 09. November 2019

Tötung von Dreijährigem: Experten warnen vor voreiligen Schlüssen

Im Fall einer 15-Jährigen, die ihren schlafenden Halbbruder mit 28 Messerstichen ermordet haben soll, warnen deutsche Experten vor vorschnellen Schlüssen.

Die Bluttat hat Detmold erschüttert.
Die Bluttat hat Detmold erschüttert. - Foto: © APA/dpa / Guido Kirchner

Dass jemand seine Wut nicht unter Kontrolle habe, liege immer in einen Mix an Gründen, sagte etwa Mareike Schüler-Springorum, Ärztliche Direktorin des LWL-Therapiezentrums für Forensische Psychiatrie Marsberg in Nordrhein-Westfalen.

„Das ist ein komplexes Zusammenspiel“, erklärte die Gerichtsmedizinerin. Die Psychologische Psychotherapeutin Gisela Dreyer aus Bonn sagte: „Wut ist das intensivste und am schwierigsten zu kontrollierende Gefühl.“
Selbst Erwachsenen falle die Kontrolle darüber schwer. „Kontrolle der Wut gelingt allein über Selbstreflexion und über Sprache“, meinte Dreyer. Defizite bei diesen Punkten würden zum Problem.

15-Jährige spricht von Erinnerungslücken

Nach der Tötung eines dreijährigen Buben in Detmold im deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen am Mittwoch sitzt eine 15-Jährige wegen Mordes in Untersuchungshaft.

Nach Angaben der Ermittler hält sie sich selbst für die Täterin, beruft sich aber zugleich auf Erinnerungslücken. Nach ersten Erkenntnissen hatte das Mädchen eine tiefe Abneigung gegen den Halbbruder entwickelt.

Die beiden Expertinnen Schüler-Springorum und Dreyer betonten übereinstimmend, dass zu dem Detmolder Fall bisher zu wenig bekannt sei, um sich konkret zu äußern. Ihre Einschätzungen beziehen sich daher allgemein auf das Wutgefühl aus Expertensicht.

Zum Fall der 15-Jährigen aus Detmold hieß es bereits von der Staatsanwaltschaft, ein Gutachter müsse nun prüfen, ob das Mädchen schuldfähig und wie die geistige Entwicklung einzuschätzen sei. Mit 15 Jahren ist das Mädchen vom deutschen Gesetz her strafmündig.

dpa