<BR />Erst im Vorjahr ist der Steinbruch mit Beschluss der Landesregierung Richtung Sand in Taufers erweitert worden. Seither herrscht an der Reinerstraße, im Sandner Ortssteil St. Moritzen und in der unteren Daimerstraße noch mehr Betrieb. Dutzende Schwertransporte müssen mitten durch bewohntes Gebiet, um die Steine an ihren Bestimmungsort zu bringen. Und der liegt augenscheinlich alles andere als um die Ecke: „60.000 Tonnen Südtiroler Steine für die Isel“ titelte letzthin die „Kleine Zeitung“ in Osttirol und deckt damit auf, dass die Steine zur Verbauung der Isel, die bei Lienz in die Drau mündet, aus dem Reiner Steinbruch kommen und gut 90 Kilometer quer durchs Tauferer Tal und Pustertal transportiert werden. Von Februar bis jetzt seien bereits 15.000 Steine angeliefert worden, insgesamt werden es wohl 60.000 Tonnen werden, bis der Hochwasserschutz an der Isel fertiggestellt ist. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1028667_image" /></div> Zumal es Osttirol selbst nicht an Steinen mangelt, kommt nach Bekanntwerden der tonnenschweren Lieferungen Kritik im Nachbarland auf. Dies gehe zulasten der heimischen Wirtschaft, außerdem wird dort die Verkehrsbelastung beklagt. <h3> „Ökologisch gesehen sehr fragwürdig“</h3>Diese betrifft auch und vor allem das Pustertal und das Tauferer Tal. Deshalb hat Hanspeter Niederkofler, Gemeinderat der Grünen in Bruneck, auch keine Freude mit diesen Vorgängen. Dass gerade Steine häufig einen weiten Weg hinter sich haben, bis sie an ihrem Bestimmungsort ankommen, sei nicht unbekannt, derartige Transporte mitten in den Alpen seien aber aus ökologischer Sicht sehr fragwürdig, „vor allem weil man annehmen kann, dass man gerade für eine Bachverbauung auch andere Steine im näheren Umfeld hätte finden können“. Ansetzen müsse man hier bei den Ausschreibungen, bei denen nicht nur der Preis ausschlaggebend sein sollte, „sondern auch der ökologische Fußabdruck, den man hinterlässt“. Bei derartigen Transporten fallen externe Kosten an, die niemand mit einberechne, sagt Niederkofler und verweist auf die Belastung für die Anwohner, aber auch die Schäden am Straßennetz, die behoben werden müssten. <BR /><BR />Dass der Preis ausschlaggebend war, das bestätigen die Osttiroler Verantwortlichen. Johannes Nemmert, der Leiter des Baubezirksamtes Lienz, erklärt in der „Kleine Zeitung“, dass man die Steine und deren Qualität definiert und das beauftragte Unternehmen, die Firma Frey, schließlich die Firma Wieser aus Mühlen angeboten habe. Diese habe mit dem besten Angebot den Auftrag erhalten, so Nemmert. „Es wäre wettbewerbsverzerrend, würden wir vorschreiben, von wo die Steine kommen müssen.“<h3> 2 bis 3 Fahrten täglich </h3>Geliefert wurden die Steine laut „Kleine Zeitung“ zunächst im Lkw. Später habe es angeblich Probleme mit den Tonnagen gegeben, weil es in Österreich und Italien unterschiedliche Regelungen gebe, weshalb nun Traktoren und Klein-Laster der Firma Gumpitsch aus Osttirol die Steine liefern – 2 bis 3 Mal am Tag werde gefahren, mit je 11 bis 16 Tonnen Steinen – und auf der Rückfahrt nehme man von St. Johann im Walde Steine – Tauerngrün – mit nach Sand, wo sie beim Schloss verbaut werde, erklärte Hans Gumpitsch der „Kleine Zeitung“. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1028670_image" /></div> <BR />Freilich, für das Tauferer Tal ist der Steinbruch ein Wirtschaftsfaktor, weshalb kritische Stimmen mitunter nur hinter vorgehaltener Hand zu hören sind. In den betroffenen Sandner Ortsteilen beklagen Anrainer aber immer wieder die starke Verkehrsbelastung. Gar einigen stößt aber sauer auf, dass in dem an den Steinbruch angrenzenden Naturpark praktisch kein Stein umgedreht werden darf, während wenige Meter Luftlinie weiter ein halber Berg mit Genehmigung durch das Land abgetragen und die Steine quer durchs Tal transportiert werden.