Mittwoch, 17. März 2021

Totes Neugeborenes in Lana: 2 Jahre bedingte Haft für Mutter

Der juridische Schlussstrich unter die herzzerreißende Tragödie, die sich in der Nacht auf den 15. September 2019 in Lana abgespielt hat, ist gezogen – mit einem gerichtlichen Vergleich über 2 Jahre Haft auf Bewährung für die Erntehelferin aus Rumänien, der die Tötung ihres Neugeborenen vorgehalten wurde.

Hier wurde das tote Kind aufgefunden.
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Hier wurde das tote Kind aufgefunden. - Foto: © DLife/RM
Wie berichtet, hatten Spaziergänger den leblosen Körper des Babys in einem Gebüsch in Oberlana entdeckt und Alarm geschlagen. Die Mutter – eine junge Rumänin – war bald ausgeforscht. Sie hatte sich kurz nach dem Leichenfund ins Meraner Spital begeben. Die Frau wurde festgenommen, ursprünglich lautete der Vorwurf auf Mord. Wie die Autopsie ergeben hatte, war das Kind – ein Junge – erstickt.

Die Rechtsanwälte Nicola Nettis und Amanda Cheneri übernahmen die Verteidigung der 26-Jährigen. Schon bald kristallisierte sich für sie heraus, dass ihre Mandantin in einem psychischen Ausnahmezustand gehandelt haben dürfte, nachdem sie das Kind allein im Freien geboren hatte. Diese Situation wird vom italienischen Gesetzgeber durchaus berücksichtigt und anders als Mord eingestuft bzw. geahndet.

Einer Mutter, die ihr Neugeborenes unmittelbar nach der Geburt tötet, droht eine Haftstrafe von 4 bis zu 12 Jahren, falls die Tat durch materielle und seelische Not, die mit der Geburt in Zusammenhang steht, bedingt ist. (Art. 578 StGB, „Kindstötung aus materieller und seelischer Not“).

Die junge Frau hat bereits einen kleinen Sohn. Sie arbeitet 6 Monate im Jahr in ihrer Heimat und sorgt dort für ihn, die restlichen 6 Monate nimmt sie eine Arbeit im Ausland an, um die Familie erhalten zu können. Eine Haftstrafe über 2 Jahren hätte nicht zur Bewährung ausgesetzt werden können, die 26-jährige hätte die Strafe in Form von gemeinnütziger Arbeit ableisten können.

Allerdings hätte sie während all dieser Zeit nicht ausreisen können, ihr Kind hätte seine Mutter sehr lange nicht gesehen. Vorverhandlungsrichterin Carla Scheidle trug der verzweifelten Lage der Frau Rechnung. Sie gewährte ihr die allgemein mildernden Umstände und wird den Vergleich, der eine automatische Strafmaßreduzierung von einem Drittel vorsah, am 11. Mai offiziell absegnen.

rc

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