Samstag, 10. April 2021

Tränen und Kanonendonner: Briten nehmen Abschied von Prinz Philip

Die britische Königsfamilie bereitet sich nach dem Tod von Prinz Philip auf die Trauerfeierlichkeiten vor. Noch am Samstag wurde mit Einzelheiten zu der Beisetzung des am Vortag im Alter von 99 Jahren gestorbenen Manns von Queen Elizabeth II. (94) gerechnet. Mehrere Royals statten der Queen Besuche ab. Die zeigt sich trotz des schweren Schlags „beeindruckend“.

Queen Elizabeth II. erhält zahlreiche Kondolenzbesuche zum Tod ihres Ehemannes Prinz Philip.
Queen Elizabeth II. erhält zahlreiche Kondolenzbesuche zum Tod ihres Ehemannes Prinz Philip. - Foto: © The Royal family/Annie Leibowitz
Die Pläne müssen wegen der Corona-Pandemie erheblich angepasst werden. Erwartet wird, dass die Trauerfeier in der St.-Georgs-Kapelle in Windsor stattfinden wird. Wegen der Corona-Regeln dürfen aber statt der ursprünglich geplanten 800 nur 30 Gäste teilnehmen. Der Termin war zunächst unklar, doch den ursprünglichen Planungen zufolge dürfte der kommende Samstag dafür in Frage kommen.

„Die Queen war beeindruckend“

Immer mehr Mitglieder der britischen Königsfamilie trafen unterdessen auf Schloss Windsor zu Kondolenzbesuchen bei der Queen ein. Sichtlich bewegt sprach die Schwiegertochter der Queen, Gräfin Sophie, am Samstag über die Reaktion der Königin auf den Tod ihres Mannes. „Die Queen war beeindruckend“, sagte die 56-Jährige mit Tränen in den Augen zu Reportern, als sie und ihr Mann, Prinz Edward (57), Schloss Windsor wieder verließen.

Edward ist der jüngste Sohn der Queen und Prinz Philips. Erwartet wird, dass er den Titel Herzog von Edinburgh von seinem Vater übertragen bekommt. Sein älterer Bruder, Thronfolger Prinz Charles (72), war einem BBC-Bericht zufolge bereits am Freitag zu seiner Mutter nach Windsor geeilt, die sich in einer Mitteilung „zutiefst betrübt“ über den Tod ihres „geliebten Mannes“ gezeigt hatte.

„Meine Stärke und Stütze“

Die Queen und Prinz Philip waren 73 Jahre lang verheiratet. Sie lobte ihn stets als „meine Stärke und Stütze“. Zur Goldenen Hochzeit im Jahr 1997 sagte sie: „Ich und seine ganze Familie, sowie dieses Land und viele andere Länder stehen höher in seiner Schuld als er jemals zugeben würde oder wir jemals ahnen könnten.“

In einer Sondersendung der BBC sagte Charles, sein Vater habe nicht nur als Gefährte der Queen, sondern auch als eigene Persönlichkeit in Erinnerung behalten werden wollen.

Spekulationen um Prinz Harrys Anreise aus den USA

Britische Medien spekulieren, dass auch Prinz Harry (36) zu der Trauerfeier aus den USA anreisen wird. Er könnte dafür wohl von den Quarantäne-Regeln für Reisende ausgenommen werden. Ob die Royals die Gelegenheit für eine Aussöhnung nutzen werden, wie britische Medien ebenfalls spekulierten, ist jedoch unklar.

Harry hatte sich besonders mit seinem Bruder Prinz William (38) und seinem Vater Charles überworfen. Im Mittelpunkt des Streits stehen Vorwürfe von Harry und seiner Frau Herzogin Meghan (39) über mangelnde Rücksichtnahme auf das Paar und sogar rassistische Äußerungen innerhalb der Familie. Meghan hat teilweise afroamerikanische Wurzeln.

Salutschüsse zu Ehren Prinz Philips

Die Streitkräfte erwiesen dem ehemaligen Marineoffizier Philip am Samstag mit 41 Salutschüssen die letzte Ehre. Kanonendonner war zur Mittagszeit in allen Landesteilen des Vereinigten Königreichs sowie in Gibraltar zu hören. Unter anderem am Tower in London, in Edinburgh, Cardiff und Belfast.

Auch mehrere Kriegsschiffe auf hoher See feuerten Kanonenschüsse ab. Auf vielen Anzeigetafeln, unter anderem am Londoner Piccadilly Circus, wurden Porträts Philips gezeigt. Im ganzen Land wehten die Fahnen auf halbmast.

Menschen kommen trotz Corona-Regeln zu Londons Schlössern

Trotz Bitten des Palasts davon abzusehen, legten am Samstag viele Menschen Blumen an den Schlössern in London, Windsor und andernorts ab. Ein Sprecher der Schlossparkverwaltung in Windsor sagte der britischen Nachrichtenagentur PA zufolge, die Blumen würden auf „respektvolle“ Weise entfernt und an einen Ort im Inneren des Palastgeländes gebracht.

Wegen der Corona-Pandemie hatten der Palast und die Regierung am Freitag die Menschen dazu aufgerufen, sich nicht außerhalb der Residenzen zu versammeln. Statt Blumen niederzulegen, sollten die Menschen an wohltätige Organisationen spenden, so der Aufruf.

Eine Todesanzeige, die traditionell beim Ableben wichtiger Royals am Zaun des Buckingham-Palasts befestigt wird, wurde am Freitag nach kurzer Zeit wieder entfernt, um Trauernde nicht anzulocken.

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Erst vor wenigen Wochen war Prinz Philip nach einer erfolgreichen Herzoperation aus dem Krankenhaus entlassen worden.

Am Freitag starb der 99-Jährige dann jedoch 2 Monate vor seinem 100. Geburtstag. Er sei auf Schloss Windsor friedlich eingeschlafen, wie der Buckingham-Palast mitteilte.

Die Anteilnahme am Tod von Prinz Philip war groß. Aus aller Welt gingen Beileidsbekundungen und mitfühlende Botschaften ein.

Auf den Tod von Prinz Philip folgt die „Operation Forth Bridge“. Der Code-Begriff bezeichnet den bereits abgesprochenen Ablauf bis zur Beerdigung des Ehemanns von Königin Elizabeth II. – lange vorbereitet, tritt der Plan nun in Kraft.

Über Jahrzehnte war der Prinzgemahl die verlässliche Stütze der Queen. Prinz Philip galt als Charakterkopf des europäischen Hochadels. Lesen Sie hier über Prinz Philips Leben an der Seite von Queen Elizabeth.

Prinz Philip war darüber hinaus bekannt für seine manchmal ungeschickten Sprüche. Lesen Sie hier eine Auswahl.

dpa/stol