Rechtsanwalt Markus Wenter, der mit seiner Kanzleipartnerin Rosalba Marsico einen Großteil der Geschädigten vertrat, traf sich immer wieder mit den Opfern und ihren Angehörigen, u.a. am Oberlandesgericht in Köln, um die gemeinsame Vorgangsweise abzustecken. „Es war der schwierigste Fall meiner Karriere, der mir unzählige schlaflose Nächte bereitet hat.“ Wie es den überlebenden Opfern geht und wie es mit Stefan Lechner weitergeht.<BR /><BR />Nachdem eine außergerichtliche Einigung über die Schadenersatzzahlung erzielt wurde, werden sich die Opfer bzw. deren Angehörige aus dem Verfahren zurückziehen. <BR /><BR />Wie berichtet, wird gegen den Unfallfahrer Stefan Lechner wegen fahrlässiger Tötung im Straßenverkehr („omicidio stradale“, Art. 589bis StGB) und wegen fahrlässiger schwerer bzw. schwerster Körperverletzung im Straßenverkehr (Art. 590bis StGB) ermittelt. Heute wird Amtsgutachter Dario Raniero vor Richter Emilio Schönsberg darlegen, ob die Opfer möglicherweise bewusstseinsverändernde Substanzen im Blut hatten, was – zumindest die Verteidigung Lechners – als möglichen Hinweis auf eine Mitschuld einstufen könnte.<BR /><BR />Für Lechners Versicherung kam diese Hypothese offensichtlich nicht in Frage. Sie erkannte von vorne herein das Alleinverschulden ihres Versicherungsnehmers an, was den Weg zu einer einvernehmlichen Lösung ebnete. <BR /><BR />Insgesamt hatten 79 Geschädigte Schadensansprüche angemeldet: die Hinterbliebenen der Todesopfer – 7 Familien, die um den Tod ihres geliebten Sohnes oder ihrer geliebten Tochter trauern –, die Familien der Verletzten und natürlich die Verletzten selbst. Das Leben dieser Menschen ist seit dem fatalen Moment, in dem sie von Stefan Lechners Audi TT erfasst wurden, nicht mehr dasselbe. <BR /><BR />Ein junger Mann – er hatte gerade sein Studium abgeschlossen und schon eine gute Stelle in Aussicht – wird sein Leben lang ans Bett gefesselt bleiben und muss rund um die Uhr gepflegt und betreut werden. Eine junge Frau kann aufgrund der schweren Verletzungen ihre vorherige Erwerbstätigkeit nicht mehr aufnehmen. Die Sehkraft einer anderen Frau ist sehr eingeschränkt, sie war von einem Gegenstand am Auge getroffen worden. Eine andere Frau hat entstellende Narben an den Beinen. Ein Mann humpelt seit dem Unfall, ein anderer erlitt einen Unterkieferbruch und hat täglich Schmerzen. Ein weiterer junger Mann hatte nach dem Unfall schwere Depressionen und musste monatelang in psychiatrische Behandlung in eine Klinik. <BR /><BR />Rechtsanwalt Markus Wenter, der mit seiner Kanzleipartnerin Rosalba Marsico einen Großteil der Geschädigten vertrat, traf sich immer wieder mit den Opfern und ihren Angehörigen, u.a. am Oberlandesgericht in Köln, um die gemeinsame Vorgangsweise abzustecken. <BR /><BR />„In meiner über 30-jährigen Tätigkeit habe ich rund 20.000 Fälle abgewickelt, dieser war sicherlich bei weitem der schwierigste, der mir unzählige schlaflose Nächte bereitet hat“, sagt er rückblickend. <BR /><BR />Wie berichtet, lag die Deckungssumme von Lechners Versicherung bei 10 Millionen Euro, im Raum standen aber Forderungen von über 18 Millionen. Der Weg zum Vergleich war somit eine Herkulesaufgabe: Dass er erzielt werden konnte, erspart den Opfern und Angehörigen einen Schadenersatzprozess, der sich womöglich über Jahre hätte hinziehen und für sie zu einer furchtbaren nervlichen Zerreißprobe hätte werden können. <BR /><BR />Unabhängig vom Ausgang des Strafverfahrens – die Staatsanwaltschaft dürfte in Kürze Anklage gegen Lechner erheben – „bleibt nunmehr die Hoffnung, dass es den Opfern und Familien gelingt, den großen Schmerz und die Trauer zu überwinden und es zu schaffen, den Alltag einigermaßen zu bewältigen. Aber sicherlich wird es nie wieder so sein, wie es einmal war…“, sagt Rechtsanwalt Wenter.