Dienstag, 14. Dezember 2021

Tragödie von Luttach: Verkürztes Verfahren möglich

Das Beweissicherungsverfahren zur Unfalltragödie von Luttach, die 7 Menschen ihr junges Leben gekostet und bei weiteren 7 teils schwere Verletzungen hinterlassen hat, ist am Montag mit der Einvernahme von Amtsgutachter Dario Raniero beendet worden. Es ist nicht auszuschließen, dass die Verteidigung von Stefan Lechner ein verkürztes Verfahren beantragen könnte.

7 Menschen starben.
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7 Menschen starben. - Foto: © DLife/LO
Aufgrund der äußerst komplexen Unfalldynamik war in dem Beweissicherungsverfahren jeglicher Umstand, der einen möglichen kausalen Einfluss auf die Ursache gehabt haben könnte, durchleuchtet und analysiert worden. Die gesammelten Erkenntnisse gehen jetzt an die Staatsanwaltschaft.

Letzter noch zu klärender Punkt war, ob die Opfer bewusstseinsverändernde Stoffe zu sich genommen haben könnten. Über das Ergebnis der Tests, zu denen Richter Emilio Schönsberg gestern Gutachter Raniero angehört hat, wird aus ermittlungstechnischen Gründen Stillschweigen bewahrt.

Die Vorwürfe, die gegen Unfallfahrer Stefan Lechner im Raum stehen, lauten auf fahrlässige Tötung im Straßenverkehr („omicidio stradale“, Art. 589bis StGB) und fahrlässige schwere bzw. schwerste Körperverletzung im Straßenverkehr (Art. 590bis StGB). Erschwerend kommt hinzu, dass Lechner, der sich weiterhin im Kloster Neustift aufhält, zum Unfallzeitpunkt unter erheblichem Alkoholeinfluss stand. Mildernd könnte sich hingegen die Schadenersatzzahlung über insgesamt 10 Mio. Euro auswirken, der die 79 Geschädigten (Familien der Unfallopfer und die Verletzten selbst) zugestimmt haben. Sollte der Richter auf komplette Schadenersatzleistung erkennen, ist eine Reduzierung des Strafmaßes von bis zu einem Drittel möglich.

Automatisch könnte hingegen ein Drittel des Strafmaßes wegfallen, falls Lechners Verteidigung in der Vorverhandlung ein verkürztes Verfahren beantragt und der Richter diesem Antrag stattgibt. Doch vorerst ist die Staatsanwaltschaft am Zug. Nach Abschluss der Ermittlung hat die Verteidigung noch 20 Tage Zeit für Stellungnahmen, bevor die Entscheidung über die Anklageerhebung fällt.

rc