Montag, 11. Juli 2016

Trauerfeier für erschlagenen Flüchtling - Ehefrau wird ohnmächtig

„Ciao Emmanuel“: Mit einer Trauerzeremonie im Dom von Fermo in der Region Marken haben am Sonntag Hunderte Menschen von Emmanuel Chidi Nnamdi (36) Abschied genommen – dem nigerianischen Flüchtling, der am Dienstag von einem Fußballfan auf offener Straße totgeprügelt worden ist.

Bei einer Trauerfeier am Sonntag wurde des Nigerianers Emmanuel Chidi Nnamdi gedacht, der in Fermo zu Tode geprügelt wurde.
Bei einer Trauerfeier am Sonntag wurde des Nigerianers Emmanuel Chidi Nnamdi gedacht, der in Fermo zu Tode geprügelt wurde. - Foto: © LaPresse

Am Begräbnis beteiligten sich die Präsidentin der Abgeordnetenkammer, Laura Boldrini, Reformenministerin Maria Elena Boschi sowie die EU-Parlamentarierin Cécile Kyenge (im Kongo geboren) und David Sassoli, Vizepräsident des EU-Parlaments.

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Die Präsidentin der Abgeordnetenkammer, Laura Boldrini, und Reformenministerin Maria Elena Boschi - Foto: LaPresse

Neben der Ehefrau des Todesopfers, Chinyery (24), saß der Bürgermeister von Fermo, Paolo Calcinaro – mit dem Gemeindewappen in der Hand. „Das ist eine Tragödie, die unsere ganze Gemeinschaft schwer belastet“, sagte der Bürgermeister, der den gestrigen Sonntag zum Trauertag für die Stadt Fermo erklärte.

Zelebriert wurde die Trauermesse vom Erzbischof von Fermo, Luigi Conti, und von Pater Vinicio Albanesi, Präsident der Gemeinschaft von Capodarco und der Stiftung „Caritas in veritate“, die den vor der Terrormiliz Boko Haram geflohenen Emmanuel und seine Freundin aufgenommen hatten.

"Auch Angreifer ist Opfer"

„Auch Emmanuels Angreifer ist ein Opfer. Er hat niemanden gefunden, der ihm geholfen hat, seine Aggressivität zu kontrollieren“, sagte Pater Albanesi. Während der Trauerzeremonie brach die Ehefrau des Todesopfers zusammen und musste aus dem Dom getragen werden.

Die Ehefrau Nnamdis wurde während der Trauerzeremonie ohnmächtig und musste aus der Kirche getragen werden. - Foto: LaPresse

Unterschriften werden gesammelt, um für sie eine Aufenthaltsgenehmigung zu fordern. Sie wolle Medizin studieren und anderen Menschen helfen, sagte die Frau nach dem Tod Nnamdis. Kammerpräsidentin Boldrini appellierte an die Parteien, keinen Rassismus zu schüren.

Mancini: "Dachte, sie wollten Auto stehlen"

Inzwischen laufen die Ermittlungen um den Mord an Nnamdi weiter. Der Angreifer, Amedeo Mancini, bestätigte, dass er Emmanuels Ehefrau rassistisch beleidigt hatte. „Ich dachte jedoch, dass die beiden ein Auto stehlen wollten“, sagte Mancini, der sich in der Strafanstalt von Fermo in Untersuchungshaft befindet. Er bestritt, der rechtextremen Szene anzugehören. Er habe kein Interesse an der Politik, versicherte er.

stol/mit

stol