In Lebensmittelgeschäften wird sehr viel gestohlen – das ganze Jahr über, berichtet Hitthaler. Aber: „Heuer hat die Zahl der Diebstähle eindeutig zugenommen.“ Auch andere Geschäftsleute in Südtirol beobachten, dass Stehlen immer mehr verharmlost wird. <BR /><BR />Geklaut werde in den Geschäften so ziemlich alles – Fleisch, Parmesan-Käse, sogar Fernseher und Waschmaschinen. Zu den Langfingern, die erwischt werden, zählen auch viele Ausländer, erzählt Hitthaler. Im Eurospin-Geschäft in der Rittner Straße in Bozen würde praktisch jeden Tag ein Dieb gestellt. Einmal wollte eine verhüllte Frau mit einer versteckten Tasche zwischen den Beinen Lebensmittel im Wert von 120 Euro mitgehen lassen – die Ordnungskräfte haben sie erwischt. <BR /><BR />„Von Diebstählen könnte ich den ganzen Tag erzählen“, berichtet der Pfalzner Unternehmer. Auffallend sei, dass immer mehr Südtiroler in seinen Geschäften zu Dieben werden. Einige von ihnen deshalb, weil sie finanziell nicht mehr zurecht kämen. Wenn eine 80-jährige Oma stiehlt, weil sie nicht mehr imstande ist, ihren Enkeln etwas zu kaufen, dann gibt das Hitthaler zu denken. <BR /><BR /><embed id="dtext86-57220381_quote" /><BR /><BR />Um der Armut in Südtirol entgegenzuwirken, sollten die Stromkosten gesenkt werden, fordert Hitthaler. Damit könne man helfen. Bedürftigen Beiträge zu gewähren, für die sie aber ansuchen müssen, sei viel zu kompliziert.<BR /><BR />Stehlen wird heutzutage wie ein Kavaliersdelikt betrachtet, kritisiert der Direktor der Despar in Trentino-Südtirol, Robert Hillebrand. „Die Leute haben nicht mehr den Eindruck, beim Stehlen ein großes Vergehen zu begehen. Alles wird bagatellisiert. Früher, als ich vor 50 Jahren ein Kind war, galt es noch als etwas Schlimmes, beim Stehlen erwischt zu werden.“ Heute laute die Auffassung oft: „Der arme Teufel wäre ansonsten nicht zu diesem Produkt gekommen.“<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="838703_image" /></div> <BR /> Die Rechtfertigung für Diebstahl sei heute sehr groß in der Gesellschaft – in vielen Bereichen. Diebstahl werde sogar als eine Art Umverteilung gesehen. Abschreckende Instrumente gebe es nur wenige. Und auch wenn man Diebe ausfindig mache, so bleibe es schwierig, sie fern zu halten, bemängelt Hillebrand. <BR /><BR />Im Dezember, dem umsatzstärksten Monat des Jahres, werde in den Despar-Geschäften noch mehr investiert, um sich vor Diebstählen zu schützen. „In einigen Geschäften nehmen wir jetzt noch spezialisiertes Personal dazu, das kontrolliert“, berichtet der Despar-Direktor. Krisenzeiten seien Momente, „wo man noch größere Aufmerksamkeit an den Tag legen muss.“ Jeder Fall von Diebstahl werde angezeigt.<h3> Auch organisierte Banden</h3>Ladendiebstähle sind das ganze Jahr über ein Riesenthema, sagt hds-Präsident Philipp Moser. Der Kostenaufwand für Sicherheits- und Überwachungssysteme sei hoch – und eine Anzeige „das einzig Richtige“.<BR /><BR />Von Diebstählen weiß auch Sportler-Geschäftsführer Jakob Oberrauch einiges zu berichten. In seinen Geschäften werde im Oktober und November am meisten gestohlen – wenn die neue Ware im Haus ist. Da seien organisierte Banden unterwegs, und diese hätten es oft auf hochwertige Ski- und Modejacken im Wert von 500 Euro und mehr abgesehen. Zwar sei die Ware gesichert, aber diese Diebe seien mit Entsicherungsgeräten oder abgeschirmten Aluminiumtaschen unterwegs, bei denen die Sicherung nicht starte. Erwischt würden zwar viele Diebe – aber am Ende sei es doch nur ein Bruchteil, berichtet Oberrauch.<BR /><BR />