Donnerstag, 28. November 2019

Trennung von Mestre: Venezianer müssen sich entscheiden

Während Venedig noch mit der Behebung der schweren Hochwasserschäden vor 2 Wochen beschäftigt ist, ist seine Bevölkerung am kommenden Sonntag zu einer Volksbefragung aufgerufen. Damit müssen die Venezianer entscheiden, ob es zu einer Trennung zwischen der Stadt Venedig und Mestre kommen soll. 207.000 Personen sind zu dem Urnengang aufgerufen.

Bisher waren alle Versuche einer Trennung gescheitert.
Bisher waren alle Versuche einer Trennung gescheitert. - Foto: © APA (AFP) / LUDOVIC MARIN

Damit die Volksbefragung gültig ist, müssen 50 Prozent der Wahlberechtigten an der Abstimmung teilnehmen. Bereits zum fünften Mal in 40 Jahren findet ein Referendum über die Trennung zwischen Lagune und dem „Festland“ Mestre statt. Bisher waren alle Versuche der Trennung gescheitert. Diesmal könnte es jedoch zu einem anderen Ergebnis kommen.

Beim letzten Referendum im Jahr 2003 hatten es die Teilungsbefürworter auf 48 Prozent der Stimmen geschafft. 2 von 3 Venezianern leben mittlerweile auf dem Festland, gut 200.000 allein in der Industriestadt Mestre und Umgebung. Die Einwohnerzahl in Venedig ist dagegen seit Jahrzehnten rückläufig und seit 1952 von 175.000 auf unter 55.000 geschrumpft. Die Zahl der Bewohner Mestres ist also wesentlich höher als die Venedigs, weshalb das Festland nicht nur den venezianischen Bürgermeister bestimmt, sondern auch den Ausgang des Referendums.

Rechte Lega dafür, viele andere dagegen

Für die Trennung sind die rechte Lega, autonomistische Bewegungen und die populistische Fünf-Sterne-Bewegung, die Demokratische Partei (PD) und die Forza Italia um Ex-Premier Silvio Berlusconi wehren sich dagegen. Gegen die Trennung ist auch der Bürgermeister von Venedig, Luigi Brugnaro, der die Wähler zur Stimmenenthaltung aufruft. Folgen die Wähler Brugnaros Appell, würde das Referendum am Quorum scheitern. Der Mitte-Rechts-Stadtchef ist der erste Bürgermeister, der nicht in Venedig lebt, sondern in Mogliano Veneto, weshalb er sich als „Festlandsvenezianer“ bezeichnet.

Anders sehen die Befürworter der Scheidung die Lage. Die Trennung ermögliche dem Bürgermeister von Venedig, sich ausschließlich auf die Bedürfnisse der Lagunenstadt zu konzentrieren, die ganz anders als jene von Mestre und Umgebung seien. Nur ein Bürgermeister, der ganz auf Venedig konzentriert sei, könne die Stadt vor Hochwasser, Massentourismus und der Einwohnerflucht retten. Schon jetzt würden zwei Drittel der Venezianer auf dem Festland leben, lautet das Argument der Trennungsbefürworter.

apa