Samstag, 04. Juli 2020

Trentiner Problembärin: Umweltminister Costa gegen Erlegung

Bei der Bärin „Jj4“, die für den Angriff auf 2 Männer am Monte Peller im Trentino verantwortlich ist, handle es sich um die zweitälteste Bärin im Trentiner Raum, berichteten die Behörden. Jetzt soll die Jagd nach der Bärin beginnen, die aufgrund eines Erlasses des Trentino erlegt werden soll. Doch Umweltminister Costa spricht sich dagegen aus.

Umweltminister Sergio Costa wehrt sich gegen die geplante Erlegung der Problembärin. (Symbolbild)
Umweltminister Sergio Costa wehrt sich gegen die geplante Erlegung der Problembärin. (Symbolbild)
Dank der Analyse des Speichels auf den Kleidern der angegriffenen Männer wurde das Tier als eine 14 Jahre alte Bärin identifiziert, die unter dem Code „Jj4“ bekannt ist.

Gegen die Tötung von „Jj4“ wehrt sich der Umweltminister Sergio Costa. Er rief die Trentiner Behörden auf, der Bärin dieses Schicksal zu ersparen. Doch der Trentiner Landeshauptmann Maurizio Fugatti bleibt hart. „Der Umgang mit den Bären in unserer Region ist wegen der Zahl der Exemplare problematisch. Wir haben den Umweltminister über diese Probleme informiert“, sagte Fugatti. Costa zeigte sich bereit, mit rechtlichen Schritten die Erlegung der Bärin zu verhindern.

Auch Tierschützer haben sich auf die Seite des Tieres gestellt, das am 22. Juni einen 59-Jährigen und seinen 28-jährigen Sohn im Tal Val di Sole angegriffen hatte. Der Vater erlitt bei dem Vorfall Knochenbrüche in einem Bein und tiefe Wunden. Der Sohn kam mit oberflächlichen Verletzungen davon. Der Naturschutzverband Legambiente beauftragte seine Anwälte, Anzeige gegen den Trentiner Landeshauptmann einzureichen.

90 Bären in freier Wildbahn im Trentino

„Jj4“ ist die Tochter der Bärin Jurka, die 2010 im ersten Bärenpark des deutschen Bundeslandes Baden-Württembergs im Wolftal bei Bad Rippoldsau-Schapbach untergebracht wurde. Der Park ist als Asyl für ehemalige Wildtiere gedacht, die nicht mehr ausgewildert werden können. Die ursprünglich aus Slowenien stammende Bärin war im Trentino betreut und auf die Auswilderung vorbereitet worden. Dieses Vorhaben scheiterte jedoch, da sich die 14 Jahre alte Jurka zu sehr an Menschen gewöhnt hatte.

Ihr Sohn Bruno war am 26. Juni 2006 in Oberbayern erschossen worden. Unter Tierschützern hatte das heftige Proteste ausgelöst. Im Trentino leben circa 90 Bären in freier Wildbahn. Manchmal dringen sie in Wohngebiete ein und attackieren Nutztiere. Im Rahmen eines von der EU geförderten Projekts war im Jahr 1999 ein Dutzend Bären aus Slowenien in die Region gebracht und ausgesetzt worden.

apa

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