Freitag, 29. Januar 2016

Trentino: Netz internationaler Drogendealer gesprengt

Sie schmuggelten Drogen von Marokko und Spanien, teilweise über Ehepaare und deren Kinder: Nun hat die Finanzwache Trient zugeschlagen und zahlreiche Drogendealer in 16 Städten in Trentino-Südtirol, Venetien, Lombardei und Piemont festgenommen.

Foto: Finanzwache Trient
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Foto: Finanzwache Trient

Die einjährigen Ermittlungen der Finanzwache und zahlreicher Hundestaffeln unter dem Decknamen "Brown Apple" richteten sich gegen drei Banden, die sich dem internationalen Vertrieb und Verkauf von Drogen verschrieben hatten. 60 Personen wurden angezeigt, 14 konnten auf frischer Tat ertappt und verhaftet werden.

Auch wurden 22 von 27 Haftbefehle ausgeführt: Diese richten sich zum Großteil gegen Personen aus Marokko, die sich in norditalienischen Provinzen wie Trient, Verona und Bergamo niedergelassen hatten. Drei der Verhafteten stammen aus Tunesien und wohnten in Trient und Bergamo, während fünf Personen aus Mailand, Rovereto, Como und der Provinz Verona stammten.

Die Finanzwache, 150 Mann beteiligten sich an den Ermittlungen, konnte 52 Kilogramm Haschisch, 60 Gramm Heroin und Kokain sowie zwei Fahrzeuge beschlagnahmen, ebenso zahlreiche gefälschte Banknoten.

Drogenschmuggel im Familienauto und Hawala-Zahlungen

Die Ermittlungen begannen bei einigen Personen, die verdächtigt wurden, auf öffentlichen Plätzen in Trient und Rovereto mit Drogen zu dealen. Bald stellte sich heraus, dass sie Teil einer Organisation waren, die sich aus drei Banden zusammensetzte, die im Trentino, Venetien, Lombardei und Piemont tätig waren.

Eine der drei Banden hatte die Aufgabe, die Drogen in Spanien und Marokko zu besorgen und nach Italien zu schmuggeln. Meist wurde mit Bargeld, aber auch mit dem sogenannten Hawala-Finanzsystem gezahlt. Dieses System, das seine Wurzeln im arabischen Raum hat und auf der ganzen Welt verwendet wird, basiert vor allem auf Vertrauen: Dabei wird Geld an eine Person gegeben, die es über eine dritte schließlich an den wahren Empfänger weiterreicht.

Die Drogen wurden anschließend in Geheimfächern von Fahrzeugen über die Grenzen geschmuggelt, auch brachten Personen die Drogen in Rucksäcken via Bus oder Zug nach Italien. 

Zu den Banden gehörten auch verheiratete Paare. Diese kümmerten sich vor allem um die Aufbewahrung und den Transport der Drogen. Im Februar 2015 war unter anderem ein in Mori (TN) lebendes Ehepaar geschnappt worden, das 10 Kilogramm Haschisch an Bord eines Zuges gebracht hatte. Gemeinsam mit ihrem fünfjährigen Sohn hofften sie, als normale Familie nicht aufzufallen.

stol/liz

stol