Die Dürre hinterlässt auf Südtirols Wiesen sichtlich Spuren. Nach Einbußen beim ersten Wiesenschnitt beklagen viele Landwirte inzwischen auch beim zweiten und dritten erhebliche Ertragsverluste. <BR /><BR />Vor diesem Hintergrund hatte der Landtagsabgeordnete Franz Locher die Landesregierung in einer Tagesordnung aufgefordert, die Auswirkungen der Trockenheit auf die Landwirtschaft genau zu beobachten, geeignete Instrumente zur Abfederung von Schäden zu prüfen sowie die langfristige Sicherung der Wasserversorgung finanziell abzusichern und die Mittel dafür im Landeshaushalt bereitzustellen. Dass damit auch Trockenschäden entschädigt werden sollen, stößt beim HAKO Schutzkonsortium Südtirol allerdings auf Verwunderung, denn es gebe bereits seit Jahren eine geförderte Versicherungsschiene.<h3> „Bestehende Förderinstrumente ausschöpfen“</h3>„Bestehende Förderinstrumente sollten zunächst voll ausgeschöpft werden. Erst danach sollten zusätzliche Mittel in Betracht gezogen werden“, gibt HAKO-Direktor Manfred Pechlaner zu bedenken. Bereits seit 2018 und erstmals europaweit bietet das HAKO die vom italienischen Landwirtschaftsministerium anerkannte Dürreindex-Versicherung an. Ob ein Schaden vorliegt, wird per Satellit festgestellt. Dazu wird die Biomasse jener Parzellen gemessen, für die eine Versicherung besteht. Ist ein durchschnittlicher Ertragsverlust feststellbar, wird dieser monetär ausgeglichen. Finanziert wird dies durch den Eigenbeitrag der Landwirte von rund 20 Euro pro Hektar sowie durch Fördermittel der EU.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1342455_image" /></div> <BR />Doch trotz veränderter klimatischer Bedingungen, denen die Landwirtschaft seit geraumer Zeit ausgesetzt ist, und dem vergleichsweise günstigen Tarif wollen viele das Versicherungsmodell nicht nutzen. „Geht es ein oder zwei Jahre gut, glauben viele, die Versicherung nicht mehr zu brauchen. Dabei sind sich Wissenschaft und Wetterexperten einig: Veränderte klimatische Bedingungen sind Realität“, unterstreicht HAKO-Obmann Michael Simonini. Aus seiner Sicht gehöre Risikomanagement längst zu einer intelligenten Betriebsführung dazu. Bei zusätzlichen Entschädigungen aus öffentlichen Mitteln überwiegt jedoch die Skepsis: „Förderungen für ein nachhaltiges Wassermanagement sind zu begrüßen. Wenn aber für die Dürreschäden bereits eine funktionierende und geförderte Absicherung besteht, sollte diese vorrangig unterstützt und eine zusätzliche öffentliche Finanzierung desselben Zwecks vermieden werden“, kritisiert er. <h3> Speichermöglichkeiten ausbauen</h3>Landwirtschaftslandesrat Luis Walcher stellt indes klar, dass Lochers Tagesordnung in erster Linie auf den Ausbau von Speichermöglichkeiten und ein nachhaltiges Wassermanagement abziele. Zusätzliche Entschädigungen für nicht versicherte Betriebe werde es bis auf Ausnahmefälle in Extremwettersituationen nicht geben. „Mit der Versicherung gegen Trockenschäden unterstützt die öffentliche Hand die Betriebe bereits. Wer darauf verzichtet, muss das Risiko selbst tragen“, so Walcher. Ähnlich sieht es auch Bauernbundobmann Daniel Gasser. Die Versicherung des HAKO funktioniere gut und habe sich in den vergangenen Jahren weiterentwickelt. Gleichzeitig sei es wichtig, den Fokus auf den Ausbau von Speichermöglichkeiten zu legen und auf Probleme in der Wasserversorgung aufmerksam zu machen.