„Wir könnten viele Leistungen deutlich billiger anbieten als das öffentliche Gesundheitswesen“, heißt es aus der Privatmedizin.<BR /><BR /><BR />Seit Landeshauptmann Arno Kompatscher auch die Agenden als Gesundheitslandesrat übernommen hat, werden die Konventionen durchforstet. Das Ergebnis: Auslaufende Verträge werden vielfach nicht mehr verlängert bzw. Leistungen teils stark gekürzt. Nicht nur angesichts der langen Wartezeiten in den Spitälern herrscht über die Kürzungen Unverständnis bei den privaten Anbietern. „Wir könnten viele Gesundheitsleistungen weit billiger anbieten als der öffentliche Gesundheitsbetrieb“, sagt einer der Betroffenen.<BR /><BR /> Dass dem so ist, hat die Pasdera-Studie aus dem Jahr 2014 gezeigt. Damals wurde deutlich, dass die Kosten-Differenz zwischen öffentlich und privat im Schnitt bis zu 40 Prozent lag. Lagen damals die Standardkosten für ein Reha-Bett pro Tag im Spital bei durchschnittlich 650 Euro, kostete ein und dieselbe Leistung in den konventionierten Kliniken „Melitta“ und „Bonvicini“ zwischen 246 und 360 Euro. <h3> Angst vor weiteren Kürzungen</h3>Neuere Zahlen liegen nicht vor, und das, obwohl 2016 der damalige Sanitätsdirektor Thomas Schael noch angekündigt hatte, dass die Daten für die Pasdera-Studie zur Kostenerhebung künftig in Echtzeit erhoben würden. „Aufgestockt um die Inflation, die es seither gegeben hat, hat sich diese Differenz bis heute nicht wesentlich verändert“, heißt es hinter vorgehaltener Hand. Offen reden oder gar mit seinem Namen in die Medien will nämlich keiner der Verantwortlichen aus der Privatmedizin. Zu groß ist die Furcht davor, dass man als Systemkritiker noch stärker beschnitten wird als ohnehin schon. <BR /><BR />Der Hauptgrund für diese beachtliche Differenz zwischen Öffentlich und Privat rührt von den Personalkosten her. Die machen beim Sanitätsbetrieb immerhin rund 800 Millionen Euro des 1,4 Milliarden umfassenden Jahresetats aus. Während die Bediensteten im Sanitätsbetrieb nach Landesvertrag bezahlt werden, erfolgt die Entlohnung im Privatbereich nach staatlichem Kollektivvertrag, der deutlich unter dem Landestarif liegt. Dazu kommt ein enormer Verwaltungsapparat, der bei den Privaten viel schlanker ausfällt als im Sanitätsbetrieb. Und auch in den Abteilungen selbst arbeitet im Öffentlichen mehr Personal als gesetzlich als Mindestpersonalschlüssel vorgesehen.<h3> Deutlich höhere Kosten</h3>Hinzu komme, dass selbst jedes unbelegte Bett in Südtirols Krankenhäusern den Steuerzahler pro Tag 20 bis 30 Euro kostet. „Wir könnten viele Leistungen weit billiger anbieten als der öffentliche Gesundheitsbetrieb – und das bei derselben Qualität“, sind die Privatanbieter überzeugt. <BR /><BR />Nach Corona wurden und werden in Südtirols Krankenhäusern nach und nach die Reha-Abteilungen wieder aufgesperrt. Unnötig, wie die Privatmediziner sagen. Geht es nach ihnen, könnte der gesamte stationäre Reha-Bereich, aber auch andere Bereiche wie etwa die Geriatrie, aus den Krankenhäusern ausgelagert werden. Dadurch würde z.B. Personal frei, das anderswo händeringend gesucht wird.<BR /><BR />Bleibt es bei der Linie aus Gesundheitsressort und Sanitätsbetrieb, hätte das Folgen, vor allem auch für Steuerzahler und Patienten. Erstere müssten immer tiefer in die Tasche greifen, um den öffentlichen Betrieb aufrecht zu erhalten. Letztere müssten mit immer längeren Wartezeiten rechnen, denn gerade in den Bereichen Reha, aber auch Orthopädie, fehlen nach Corona in den Krankenhäusern vielfach Ärzte und Pflegepersonal. Mitarbeiter, die ausnahmslos in den Privatbereich gewechselt sind und nun wohl kaum wieder den Weg zurück ins Spital finden.<BR />