Der Weg zum Traumberuf war für den Pusterer alles andere als einfach. Denn schon ohne Beeinträchtigung schwierig genug, war das Studium an der Claudiana für Plaikner noch einmal um ein Vielfaches schwieriger.<BR /><BR />Was ist denn seltsam an einem Physiotherapeuten mit Sehbehinderung? Im Krankenhaus arbeiten doch auch andere Physiotherapeuten, die auch eine Sehbehinderung haben. Im Fall von Armin Plaikner ist das allerdings etwas Besonderes. Während früher Menschen mit Sehbehinderung zu Masseuren/Physiotherapeuten ausgebildet wurden, ist das Universitätsstudium heute hoch professionell – mit schwieriger Aufnahmeprüfung und sehr komplexem Studiengang.<BR /><BR />Armin Plaikner hatte sich, wie viele Jugendliche mit einer Behinderung, nach der Schule für die Ausbildung zum Telefonisten entschieden. Er hatte allerdings einen Traum. Als er mit Franz Gatscher, dem Verantwortlichen der Masseure/Physiotherapeuten des Südtiroler Blinden- und Sehbehindertenverbandes, ins Gespräch kommt, erzählt der ihm vom Beruf, erklärt ausführlich vom Studiengang mit all seinen Schwierigkeiten. Plaikner hört interessiert zu und träumt bei jedem Wort Gatschers weiter. Er will unbedingt Physiotherapeut werden...<BR /><BR />Armin Plaikner ist ein entschlossener junger Mann. Er weiß genau, was er will. Die Entscheidung fällt alles andere als leicht. Nach reiflicher Überlegung kündigt er als Telefonist und meldet sich zu den Auswahl- und Zulassungsprüfungen für den Studiengang Physiotherapie an der Landesfachhochschule für Gesundheitsberufe Claudiana an.<BR /><BR />Gatscher verweist ihn an den Physiotherapeuten des Blindenzentrums St. Raphael in Bozen, Hannes Holzmann, um diesen schwierigen Beruf zu verstehen, nachzuvollziehen und zu vertiefen. Holzmann erklärt Plaikner diesen Beruf in Theorie und Praxis. Während der junge Mann Holzmann assistiert, versucht er, alle seine Vorgangsweisen für die Rehabilitation zu verstehen.<h3> Dank technischer Hilfe erster Schritt geschafft</h3>Im September 2018 beginnen die Auswahlprüfungen für die Physiotherapie-Ausbildung an der Claudiana. Unterstützt durch Schulberaterin Stefanie Antelmi vom Blindenzentrum St. Raphael nimmt Plaikner an der Prüfung teil. Um diese auch korrekt ablegen zu können, ist für Sehbehinderte eine Assistentin gesetzlich vorgeschrieben. Über eine eigene Software werden Text und Prüfungsfragen vorgelesen. Antelmi unterstützt nur bei Texten, die die PC-Sprachsynthese nicht lesen kann, wie z.B. chemische Formeln oder Diagramme.<BR /><BR />Über 100 Bewerber nehmen an der Aufnahmeprüfung für die 20 verfügbaren Plätze teil. Plaikner ist nervös, aber glücklich, die Prüfung ablegen zu können. Er lächelt, beginnt zu schreiben. Viele Fragen bewältigt er schnell, bei einigen muss er innehalten, nachdenken. Am Ende geht er noch einmal alles durch, korrigiert ein paar Passagen... Er ist zufrieden, aber eine Prüfung bleibt eine Prüfung. Am Ende belegt er Platz 11. Plaikner hat einen Studienplatz an der Claudiana. Der erste Schritt ist getan!<h3> Studium ist für ihn schwieriger</h3>Das ohnehin schon schwierige Studium ist für Plaikner aber noch um einiges schwieriger. Aber er träumt von diesem Beruf und setzt alles daran, sowohl sein Studium als auch die verschiedenen Praktika, die er in verschiedenen Strukturen Südtirols absolviert, zu meistern. Wie beim Besteigen eines Berges gibt es im Laufe des Studiums gute, aber auch schwierige Momente. Plaikner ist ein echter Bergsteiger, schöpft aus den guten Momenten jene Energie, die er braucht, die schlechten zu überwinden. <BR /><BR />Der junge Pusterer nimmt alle Prüfungen zielstrebig in Angriff – und besteht eine nach der anderen, ebenso wie das Praktikum. Am 10. November 2022 schließt er sein Studium mit 103/110 Punkten ab. „Gut gemacht, Armin, mit deinem Engagement und deiner Entschlossenheit können Träume Wirklichkeit werden“, freut sich Valter Calò, Vorsitzender des Blinden- und Sehbehindertenverbandes.<BR /><BR />Plaikner ist der erste sehbehinderte Physiotherapeut im Land, der die Claudiana absolviert hat, und einer der wenigen in Italien, die das gesamte Studienprogramm mit freiem Zugang zu den Prüfungen durchlaufen haben, freut sich Calò, der dem Präsidenten und den Professoren der Claudiana einen besonderen Dank für die Zusammenarbeit mit dem Blindenzentrum ausspricht.<BR />