Mittwoch, 24. August 2016

Trümmer und Tränen: Mindestens 120 Tote bei Erdbeben in Italien

Völlig zerstörte Häuser, viele Tote. Sieben Jahre nach dem Erdbeben von L'Aquila hat ein neues schweres Beben die Region in Mittelitalien getroffen. Unter den Opfern sind viele Kinder.

Verzweifelt suchen die Einsatzkräfte in Amatrice nach Vermissten.
Verzweifelt suchen die Einsatzkräfte in Amatrice nach Vermissten. - Foto: © APA/AFP

Eines der schwersten Erdbeben in Italien der vergangenen Jahrzehnte hat mehreren Orten Tod und Verwüstung gebracht. Nach den Worten von Regierungschef Matteo Renzi starben mindestens 120 Menschen. „Und diese Bilanz ist nicht endgültig“, sagte er am Mittwochabend bei einem Besuch in der Katastrophen-Region.

Ministerpräsident Matteo Renzi umarmt im Erdbebengebiet einen der Feuerwehrmänner. - Foto: Lapresse

Das Erdbeben ereignete sich in der Nacht zu Mittwoch in der Provinz Rieti und war in ganz Mittelitalien bis nach Rom zu spüren. Sieben Jahre nach dem verheerenden Erdbeben in dem 30 Kilometer Luftlinie entfernten L'Aquila machten die Erdstöße in der Apennin-Gebirgsregion ganze Dörfer teils dem Erdboden gleich. Viele Kinder waren unter den Opfern.

Das Deutsche Geoforschungszentrum in Potsdam gab das Hauptbeben mit der Stärke 6,2 an. Die Erdstöße rissen die Menschen in der Nacht auf Mittwoch aus dem Schlaf. Um 3.35 Uhr schwankten im Dreieck der Regionen Umbrien, Latium und den Marken die Wände, Häuser stürzten in sich zusammen. Auch im etwa 100 Kilometer Luftlinie entfernten Rom wackelte der Boden. Experten wollten dort das Kolosseum – Italiens meistbesuchtes Monument – auf Schäden untersuchen.

Tagsüber 200 Nachbeben

Auch tagsüber kam die Erde nicht zur Ruhe, rund 200 Nachbeben versetzten die Menschen in der Region nordöstlich der Hauptstadt Rom immer wieder in Angst und Schrecken. Viele haben alles verloren.

Betroffen sind mehrere kleine Orte in der Nähe des Nationalparks Gran Sasso und Monti della Laga. „Hier gibt es nichts mehr. Nur Trümmer. Es gleicht einer Bombardierung“, sagte die italienische Parlamentspräsidentin Laura Boldrini bei einem Besuch in dem vom Erdbeben zerstörten Ort Pescara del Tronto in den Marken. Straßen waren blockiert, vielerorts fiel der Strom aus.

Besonders stark sind die Verwüstungen auch in der 2600-Einwohner-Gemeinde Amatrice in der Region Latium. „Die Hälfte des Ortes gibt es nicht mehr“, sagte Bürgermeister Sergio Pirozzi dem Sender RaiNews24. Auch die Grundschule stürzte zur Hälfte ein. Ein Einwohner des Ortes sagte dem Sender: „Alles ist kaputt.“ Der Ort hatte den Ruf als eines der schönsten Dörfer in Italien.

368 Verletzte und Kranke seien seit dem Morgen aus der Gegend von Amatrice und Accumoli weggebracht worden, sagte Renzi. Italien stehe nun solidarisch zusammen, um die großen Herausforderungen nach dem Erdbeben zu meistern.

Noch immer Dutzende Vermisste

Dutzende Menschen werden noch vermisst. Die Chancen, sie lebend zu finden, sinken. Helfer suchten teils mit bloßen Händen nach Verschütteten in den völlig zerstörten Häusern. Immer wieder fanden sie Überlebende – und immer wieder auch Tote. Einige Kinder konnten aus den Trümmern gezogen werden, erlagen dann aber später ihren Verletzungen.

Für Hunderte Menschen ohne Dach über dem Kopf wurden Zelte aufgebaut, am frühen Abend stand eine erste Zeltstadt für gut 200 Obdachlose in Accumoli. Hunderte Menschen sollen zudem in Sporthallen unterkommen. Im Sportzentrum von Amatrice wurden Liegen aufgestellt. Unter den Menschen, die keine Unterkunft haben, sind auch Feriengäste.

2009 starben in L'Aquila mehr als 300 Menschen

Italien wird auf Grund seiner geografischen Lage immer wieder von Erdbeben erschüttert. 2009 hatte ein Beben die mittelitalienische Stadt L'Aquila unweit der jetzigen Erdbebenregion verwüstet, mehr als 300 Menschen starben. Die Häuser in der Region sind teils jahrhundertealt; bei einem solchen Beben fallen sie rasch in sich zusammen.

dpa

stol