Im Interview gibt er eine Erklärung, warum „The Donald“ so vielen seiner Landsleute gefällt, warum er in Sorge ist und was Meran besonders von seiner Heimat unterscheidet.<BR /><BR />„Weil mein Vater in Wiesbaden stationiert war, habe ich dort deutsche Schule besucht“, sagt Thomas Potter. Seitdem ist die deutsche Sprache Teil seiner selbst. Auch er schaut heute gespannt auf die Wahl in seiner Heimat.<BR /><BR /><b>„Dolomiten“: Herr Potter, gespannt, wie die Wahl in Ihrer Heimat ausgeht?</b><BR />Thomas Potter: Ja, freilich.<BR /><BR /><b>„D“: Haben Sie schon gewählt?</b><BR />Potter: Selbstverständlich. Ich habe online in King County Seattle gewählt. Ich bin seit 1976 dort registriert. Dazu muss man über einen Link den Stimmzettel herunterladen und diesen dann postalisch verschicken. Das habe ich vergangene Woche per Luftpost erledigt.<BR /><b>„D“: Darf ich fragen, wen Sie gewählt haben?</b><BR />Potter: Ich habe Harris gewählt, ich habe immer schon die Demokraten gewählt. Auch wenn ich nicht so begeistert von Harris bin, weil ich sie für ziemlich unerfahren halte. <BR /><BR /><b>„D“: Ist Harris das kleinere Übel?</b><BR />Potter: Nein, so weit würde ich nicht gehen. Aber es gibt andere unter den Demokraten, die mehr Regierungserfahrung haben wie zum Beispiel die Gouverneurin vom Bundesstaat Michigan, Gretchen Whitmer. Aber es könnte auch gut sein, dass sich Kamala Harris mit der Zeit gut macht.<BR /><BR /><b>„D“: Wenn Sie zurückschauen, haben sich die USA verändert?</b><BR />Potter: Als ich Kind war, waren die Einwanderer willkommen. Jetzt nicht mehr. Das hat wohl mit der illegalen Einwanderung zu tun. Jetzt wird Einwanderung verteufelt.<BR /><BR /><b>„D“: Können Sie erklären, warum Donald Trump so vielen Amerikanern gefällt?</b><BR />Potter: Das hat verschiedene Gründe. Viele glauben, Trump sei ein Patriot. Da erinnere ich mich immer an meinen Vater, Meteorologe bei der US-Air Force und ein Konservativer. Er meinte, dass man bei Politikern, die sich in die US-Fahne einwickeln sprich sie für sich einnehmen, aufpassen muss. Denn die Fahne gehört allen. <BR /><BR /><b>„D“: Noch ein Grund, warum Trump gefällt? </b><BR />Potter: Er gibt den Leuten das Gefühl, dass sie ein Recht auf Dummheit haben. Und Trump ist ein Populist. Er redet die Dinge schöner, als sie sind, er dreht Dinge, damit sie besser aussehen. Oder aber spricht er Sachen gar nicht an. Abtreibungsgegner Trump spricht zudem jene Familien an, die sehr katholisch sind.<BR /><BR /><b>„D“: Sie leben schon lange in Europa. Ähnlichkeiten zwischen Berlusconi und Trump?</b><BR />Potter: Ja, für mich sind die beiden sehr ähnlich. <BR /><BR /><b>„D“: Wagen Sie eine Prognose zum Wahlausgang? </b><BR />Potter: Nein, denn es dürfte denkbar knapp werden. Aber ich bleibe optimistisch und hoffe, dass es sich für Harris ausgeht. <BR /><BR /><b>„D“: Und wenn Trump gewinnt?</b><BR />Potter: Dann werde ich nicht mehr so enttäuscht sein wie das letzte Mal. Ich kenne das Spiel. Und unser demokratisches System hält auch einen Trump aus. Ich hoffe es.<BR /><BR /><b>„D“: Keine Angst, dass es wieder zu Ausschreitungen kommt?</b><BR />Potter: Es könnten wieder Sachen passieren, aber ich glaube nicht so schnell wie letztes Mal, als Trump verloren hat.<BR /><BR /><b>„D“: Was ändert sich bei einem Sieg von Trump?</b><BR />Potter: Das Ansehen von Amerika und den Amerikanern in der Welt. Unser Image leidet. Das ändert sich auch für mich. Auch wenn Landesleute zu mir sagen: „You are lucky“, weil ich nicht in den USA lebe. Andererseits gibt es Landsleute, die sagen, sie wandern aus, wenn Harris gewinnt. <BR /><BR /><b>„D“: Die USA scheinen gespalten. Gehen die Gräben auch durch die Familien? Kann man in der Familie darüber diskutieren?</b><BR />Potter: Wir haben in unserer erweiterten Familie auch Republikaner und Demokraten. Mit manchen kann man diskutieren, mit anderen nicht. Mit einem meiner Brüder beispielsweise, er war Ingenieur bei der US Army und Republikaner, kann ich gut diskutieren. Der Sturm aufs Kapitol war auch für ihn nicht in Ordnung. Wen er diesmal wählt, weiß ich nicht. <BR /><BR /><b>„D“: Was bedeutet eine Wahl von Trump für Europa und für die Ukraine?</b><BR />Potter: Europa muss stärker zusammenrücken, schneller reagieren und nicht warten, bis es andere für Europa tun. Ein Orban muss in die Schranken gewiesen werden, da darf es mit einem Klaps auf die Hand nicht getan sein. Und Europa muss mehr in die NATO investieren, zumal die USA sich um den Pazifik werden kümmern müssen. Auch wenn dazu zu sagen ist, dass während des Kalten Krieges die USA beispielsweise in Deutschland kein schlagkräftiges bundesdeutsches Heer wollten. – Und die Ukraine wird mit Russland Frieden schließen müssen.<BR /><BR /><b>„D“: Zu Ihnen. Seit wann leben Sie in Obermais?</b><BR />Potter: Seit 2023. Meine Partnerin Gerti Kuen, die ich 2019 in München kennengelernt habe, stammt aus Riffian. Vorher habe seit 1993, als ich von den USA nach Deutschlang zurückgekehrt bin, in München gelebt und gearbeitet. Ich habe hier eine Aufenthaltsgenehmigung. Ich möchte Italienisch lernen. Meran erlebe ich als eine Stadt, in der seit jeher viele Kulturen Platz haben. <BR /><BR /><b>„D“: Und die Unterschiede zu Ihrer Heimat USA?</b><BR />Potter: Alles ist kleiner und näher am Menschen. Und die Menschen hier sind nicht so konsumorientiert, sondern es wirkt nachhaltiger. Oder vielleicht tun die Leute, die viel konsumieren, es hier diskreter.