Der Südtiroler Abenteurer schildert, wie es ist, den heißen Atem der Weltmacht im Nacken zu spüren. <BR /><BR />Derzeit verweilt Robert Peroni (82) am Ritten, wo er sich aus einer holzgetäfelten Stube zum vereinbarten Videotelefonat zuschaltet. Doch sein ganzes Augenmerk gilt Grönland und seinen Bewohnern. „Jeden Tag telefoniere ich mit meinen Leuten in Grönland und verfolge mit Befremden die Entwicklungen“, sagt Peroni kopfschüttelnd.<BR /><BR />Im Tagesrhythmus prasseln die Drohgebärden und Besitzansprüche Trumps auf das kleine Inselvölkchen ein, immer wieder bekräftigt er, die USA brauche Grönland aus Gründen der nationalen Sicherheit. Die Grönländer bieten dem mächtigsten Mann der Welt die Stirn und lassen wissen: „Wir stehen nicht zum Verkauf und wollen auch nicht annektiert werden.“ Die rohstoffreiche und strategisch wichtige Arktisinsel ist ein autonomer Teil Dänemarks. Allerdings bleibt dem kleinen Inselvölkchen mit 56.000 Einwohnern nichts anderes übrig, als den Ereignissen zu harren. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1263153_image" /></div> <BR />Peroni, der seit über 40 Jahren in Ostgrönland lebt, würde sich zwar liebend gerne um seine Leute und sein Lebenswerk kümmern, allerdings wurden vorerst die Flüge nach Ostgrönland ausgesetzt. Nur 1.800 Einwohner zählt Tasiilaq, wo der Südtiroler mit dem „Red House“ etwa 65 einheimischen Inuit ein Einkommen beschert. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1263426_image" /></div> <BR /><BR />Der Abenteurer erklärt: „Diesen Menschen ist die Lebensweise des weißen Mannes völlig fremd, ich selbst habe viele Jahre gebraucht, sie zu verstehen. Es handelt sich um Jäger und Fischer, sie denken nicht an die Zukunft, kennen kein Besitzdenken und leben in Familienclans. Was auch passiert, sie werden es hinnehmen müssen.“ Anders verhält es sich in der weit entfernten Hauptstadt Nuuk mit ihren 20.000 Einwohnern. Dort spielt sich das kulturelle Leben ab, dort regt sich auch Widerstand gegen die Übernahmegelüste. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1263156_image" /></div> <BR />Peroni beteuert, dass den Insulanern nichts wichtiger sei als ihre Freiheit und Unabhängigkeit. Was die Interessen des US-Präsidenten betrifft, so könne er sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die bisher genannten Argumente (Bodenschätze, Sicherheitsbedenken) nur vorgeschoben seien. „Es gibt bereits die Militärbasis im Nordwesten, die wäre nur zu reaktivieren“, weiß er, während die Bodenschätze unter meterdickem Eis schlummern. <BR /><BR />Hinter den Gebietsansprüchen werden imperialistische Absichten vermutet – Trump betrachte Grönland als Teil der amerikanischen Einflusssphäre. Ansonsten könnte er problemlos zusammen mit den NATO-Partnern an der geopolitischen Sicherheit Grönlands arbeiten. Wenn der mächtigste Mann der Welt etwas haben will, fährt er alle denkbaren Register: Drohungen, mögliche „Deals“, das Militär und Trumps Allzweckwaffe: Strafzölle. Und so lebt das Inselvolk in großer Ungewissheit – und mit ihm ganz Europa. Überdies steht das NATO-Bündnis vor einer Zerreißprobe. <h3>An Eiseskälte und dunkle Nächte gewohnt, aber...</h3>Dank Peronis Aufbauarbeit haben auch viele Südtiroler die archaische Welt der Inuit kennengelernt. „Im Winter kommen die Leute für Skitouren, im Sommer gibt es von Tagesausflügen bis hin zu Bootstouren und Vorträgen zum Leben auf der Insel viele einmalige Erlebnisse“, erklärt der Weltenbummler, der Grönland erstmals 1980 erkundete. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1263429_image" /></div> <BR /><BR />Fünf Gästehäuser umfasst heute seine Struktur, mit der „Red House“-Stiftung hat er ein Fundament für sein soziales Wirken geschaffen. So wird es Gästen ermöglicht, den jagenden Inuit das Hundefutter für ein Jahr zu bezahlen oder es lassen sich Tagungen veranstalten. <BR /><BR />Mit Engelsgeduld, Einfühlungsvermögen und sozialem Engagement wurde Peroni im Verlauf von über 40 Jahren selbst ein wenig zum Grönländer. <BR /><BR />Die Insulaner haben sich zwar an dunkle Wintertage und Eiseskälte bestens angepasst – aber derartige Stürme haben auch sie noch nicht erlebt.