Von 8 Uhr bis 22 Uhr boten die Frauen abwechselnd ihre Turnus-Dienste an, am Samstag arbeiteten sie nur vormittags, am Sonntag war Ruhetag. Dies gaben die Carabinieri am heutigen Freitag auf einer Pressekonferenz in Bozen bekannt. Über hundert Kunden aus Bozen und Umgebung sollen die Dienste der Frauen in der Tiefparterre-Wohnung in der Arezzo-Straße in Anspruch genommen haben. Seit Anfang März wurde unter dem Namen „Mylady“ ermittelt: Verräterische Anzeigen in Zeitungen und Magazinen, aber auch Hinweise aus der Bevölkerung hatten die Carabinieri zu den Ermittlungen veranlasst.Am Donnerstagnachmittag haben die Carabinieri schließlich die vier mutmaßlichen Drahtzieher hinter dem Bordell festgenommen.Operation „Mylady“ läuft seit MärzDie 57-jährige Concetta Violi, ihr Mann Antonino Aliano (58), ihr Bruder Cosimo Violi (46) sowie Josef Klammer (69) wurden am Donnerstag wegen des Vorwurfs der Zuhälterei festgenommen. Sie sitzen in den Gefängnissen von Rovereto und von Bozen.Violi ist den Carabinieri keine Unbekannte: Im Oktober 2007 war Violi zu einem Jahr Haft verurteilt worden. Laut Anklage soll sie durch Begünstigung der Prostitution im Jahr 2003 195.000 Euro an Einkünften verbucht und dafür keine Abgaben entrichtet.Dieses Mal werden Violi und den drei Männern die Förderung der Prostitution und Zuhälterei vorgeworfen. Concetta Violi soll laut Carabinieri die Turnusse der Frauen und die Termine mit den Freiern koordiniert haben. Außerdem soll sie den Dienst überwacht haben. Aliano sei für die Miete der Wohnung aufgekommen, so die Carabinieri. Cosimo Violi soll sich um die Anreise und die Unterkunft der Prostituierten gekümmert haben, während Klammer, der in Brixen geboren, in Österreich ansässig und in Sterzing wohnhaft ist, immer wieder Frauen im Ausland angeworben haben soll. „Wohnung glich einem Lager“Die Wohnung im Tiefparterre sei in einem recht ungepflegten Zustand gewesen, berichtete Hauptmann Davide Perasso auf der Pressekonferenz. Sie soll einem Lager geglichen haben.Während die Frauen turnusweise ihre Dienste anboten, soll Concetta Violi vom Fenster im dritten Stock des Gebäudes, wo sie ihre Wohnung hatte, das Kommen und Gehen der Kunden überwacht haben. Einnahmen zwischen 3000 und 4000 EuroMindestens zehn Frauen, alle über 30 Jahre alt, aus Südtirol und dem EU-Ausland sollen die Männer regelmäßig und immer nach Vereinbarung eines Termins empfangen haben. Für ihre Dienste sollen sie zwischen 50 und 500 Euro verlangt haben. „Die Hälfte der Einnahmen durften sie behalten“, erläuterte Perasso. Der Rest der nicht versteuerten Einnahmen soll an Concetta Violi gegangen sein.Die Frauen sollen so etwa 3000 bis 4000 Euro im Monat verdient haben.Die Kunden, darunter auch solche, die den Carabinieri bereits von anderen Fällen bekannt waren, sollen jeweils rund 15 Minuten geblieben sein. Sie wurden in den vergangenen Monaten von den Carabinieri beim Betreten und Verlassen des Hauses beobachtet und schließlich identifiziert.Die Prostituierten gelten laut Perasso in dem Verfahren als Geschädigte, auch den Freiern sei keine strafbare Handlung vorzuwerfen.Hunderte Kondome und Sexspielzeug beschlagnahmtAm Donnerstag haben die Carabinieri die Wohnung in der Bozner Arezzo-Straße beschlagnahmt. Sie wurde gerichtlich versiegelt.In der Wohnung stießen sie außerdem auf hunderte Kondome und eine große Auswahl von Sexspielzeug und 96 Porno-Videos. Außerdem kam es zur Beschlagnahmung von zwei Computern, mehreren Handys, 4500 Euro Bargeld und verschiedenen Notizen, die für die Ermittlungen der Carabinieri von Bedeutung sein könnten.ba