Mittwoch, 25. April 2018

U-Boot-Mordprozess: Lebenslang für dänischen Erfinder Peter Madsen

Der dänische Erfinder Peter Madsen ist für den Mord an der Journalistin Kim Wall in seinem U-Boot zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Ein Ende des Prozesses ist aber nicht in Sicht.

Das Gerichtsgebäude in Kopenhagen. - Foto: APA (AFP)
Das Gerichtsgebäude in Kopenhagen. - Foto: APA (AFP)

Das Kopenhagener Gericht folgte mit seiner Entscheidung der Forderung der Staatsanwaltschaft. Der 47-Jährige wurde für schuldig befunden, die 30-jährige Schwedin im August 2017 auf seinem U-Boot sexuell missbraucht, ermordet und zerstückelt zu haben. Das Urteil sei einstimmig gefallen, sagte die Richterin.

Eine lebenslange Freiheitsstrafe bedeutet in Dänemark im Durchschnitt rund 15 Jahre Gefängnis. Nach 12 Jahren kann bei der Königin eine Begnadigung beantragt werden. Nur wenige Gefangene bleiben tatsächlich bis zum Ende ihres Lebens hinter Gittern. Madsens Verteidigerin kündigte eine Berufung gegen das Urteil an.

Mord liegt bereits einige Monate zurück 

Kim Wall war am 10. August 2017 für ein Interview mit dem in Dänemark bekannten Erfinder Madsen in seinem U-Boot auf den Öresund, die Meerenge zwischen Dänemark und Schweden gefahren. In der Nacht meldete ihr Freund sie als vermisst.

Am nächsten Vormittag tauchte die „Nautilus“ auf, sank dann aber. Die Retter fischten nur Madsen aus dem Wasser. Teile von Walls Leiche – Kopf, Torso, schließlich Beine und Arme – fand man in den folgenden Tagen und Wochen im Meer.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Madsen Wall im U-Boot fesselte und mit spitzem Werkzeug auf sie einstach. Dann schnitt er ihr womöglich den Kopf ab. Die genaue Todesursache konnte allerdings nicht festgestellt werden. Weil man Stichwunden unter anderem in den Geschlechtsteilen fand, geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass Madsen Sex-Fantasien auslebte.

Madsen änderte seine Aussage ständig

Madsen behauptete zunächst, er habe sie nach einer Havarie unversehrt an Land gebracht. Als ihre Leichenteile gefunden wurden, sagte er, Wall sei bei einem Unfall an Bord ums Leben gekommen und er habe ihre Leiche im Meer entsorgt.

Später änderte er seine Angaben neuerlich und sagte, Wall sei nach einem plötzlichen Druckabfall an Bord gestorben. Bis zum Schluss betonte Madsen im Prozess, er habe die Frau nicht vorsätzlich getötet.

Auch grausame Details kamen ans Tageslicht

Vor Gericht kamen immer wieder grausame Details zu Tage. So wurden Videos von Hinrichtungen und Enthauptungen gezeigt, die auf einer von Madsens Festplatten gespeichert waren. Er sei vom Tod fasziniert gewesen und habe vom perfekten Verbrechen geträumt, sagten Zeugen aus.

apa/dpa/ag.

stol