Dienstag, 10. März 2020

Über 10.000: Immer mehr Coronavirus-Inifizierte in Italien

In Italien gibt es trotz der von der Regierung ergriffenen drakonischen Vorbeugungsmaßnahmen immer noch keine Zeichen eines Rückgangs der Coronavirus-Epidemie. Die Anzahl der Infizierten war am Dienstag mit 10.149 erstmals 5-stellig. Die Anzahl der Todesopfer stieg auf 631, 168 mehr als am Vortag. 1004 Personen gelten als geheilt.

So leer wie in diesen Tagen ist Mailands berühmte Piazza del Duomo üblicherweise nie.
So leer wie in diesen Tagen ist Mailands berühmte Piazza del Duomo üblicherweise nie. - Foto: © ANSA / Giulia Costetti y9m
Die Lombardei warnte erneut vor einem baldigen Zusammenbruch des Gesundheitssystems, sollten die Zahl der neuen Infektionen nicht bald sinken. 466 Patienten liegen in der Lombardei auf der Intensivstation, das sind 26 mehr als am Vortag.

„Die Krankenhäuser der Provinzen Bergamo und Cremona sind am Rande ihrer Kapazitäten. Wir überlegen, Betten auch auf Messegeländen und in Hotels aufzustellen“, erklärte der Gesundheitsbeauftragte der Lombardei Giulio Gallera. Patienten sollen in Krankenhäuser der Nachbarregionen untergebracht werden.

Seit Anfang dieser Woche sei eine stärkere Bereitschaft in der Bevölkerung zu spüren, eine aktive Rolle im Einsatz gegen die Epidemie zu spielen. Gallera wiederholte seinen Appell an die Bürger, ihre Wohnungen nicht zu verlassen, um sich und Angehörige keinen Gefahren auszusetzen.

Polizeikontrollen auf Zugangsstraßen

Inzwischen wurden Polizeikontrollen auf den Zugangsstraßen zu den Metropolen eingeführt. Autofahrer können aufgefordert werden, zu begründen, warum sie unterwegs sind. Vor allem an der Einfahrt zu Mailand wurden laut Medienberichten Autofahrer kontrolliert.

Die italienische Regierung plant ein Wirtschaftspaket zur Eingrenzung der negativen Auswirkungen der Coronavirus-Epidemie im Wert von rund 10 Mrd. Euro. Sie will die Aussetzung von Steuerzahlungen, Strom- und Gasrechnungen für Familien beschließen. Auch die Rückzahlung von Wohnungskrediten soll vorübergehend eingefroren werden, berichtete Vize-Wirtschaftsministerin Laura Castelli im Interview mit „Rai Radiouno“.

Industrieminister Stefano Patuanelli erklärte im Interview mit „Radio Capital“, die Regierung sei sich bewusst, dass sie viele Opfer von den Italienern verlange. „Wir sind dazu gezwungen, weil unser Gesundheitssystem in eine Krise geraten könnte.“ Der Minister hatte sich selbst unter Quarantäne gestellt, nachdem einer seiner Mitarbeiter sich am Coronavirus infiziert hatte. Die zweiwöchige Quarantäne geht für den Minister am Mittwoch zu Ende.

Gefängnisrevolten gehen weiter: 11 Tote

Unterdessen setzten in Italien Gefängnisinsassen ihre Revolte fort. Bis Dienstagnachmittag wurden insgesamt 11 Tote und mehrere Verletzte verzeichnet. Allein in der Strafanstalt der norditalienischen Stadt Modena stieg die Zahl der Todesopfer nach Unruhen am Dienstag auf 8. 3 Insassen kamen im Gefängnis der Stadt Rieti nördlich von Rom ums Leben. In rund 30 Gefängnissen des Landes sind seit Sonntag Revolten im Gange. Grund für die Proteste sind auch Maßnahmen gegen das Coronavirus. So wurden Besuche von Verwandten ausgesetzt. Die Insassen beklagten zudem schlechte hygienische Zustände in den stark überfüllten Strafanstalten.

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apa