<b>Auf Instagram haben Sie über 33.000 Follower. Wie kam es dazu, dass Sie zum Influencer wurden?</b><BR />Bischof Alois Schwarz: Ich sehe mich weniger als „Influencer“, sondern vielmehr als Mensch, der versucht, Hoffnung, Glauben und Menschlichkeit in die digitale Welt hineinzutragen. Dass so viele Menschen meinen Beiträgen folgen, zeigt vielleicht, dass gerade in unserer Zeit viele nach Orientierung, Zuversicht und Halt im Glauben suchen.<BR /><BR /><b>Was motiviert Sie persönlich, auf Instagram aktiv zu sein?</b><BR />Bischof Schwarz: Die sozialen Medien sind heute ein Ort der Begegnung geworden. Früher ist man auf den Marktplatz gegangen, heute begegnen sich Menschen oft digital. Dort möchte ich als Bischof präsent sein, zuhören, ermutigen und den Glauben in einer verständlichen Sprache teilen. Es geht mir darum, den Menschen nahe zu sein und auch dort das Evangelium zu verkünden.<BR /><BR /><embed id="dtext86-75099695_quote" /><BR /><BR /><b>Wie viel Zeit investieren Sie persönlich täglich in die sozialen Netzwerke?</b><BR />Bischof Schwarz: Ich versuche bewusst, Maß zu halten. Die Beantwortung der vielfältigen Glaubensfragen und Segenswünsche, die mir meine Follower senden, geschieht oft zwischendurch, in freien Momenten des Tages. Mir ist wichtig, den Menschen persönlich zu antworten und spüren zu lassen, dass hinter den sozialen Medien echte Begegnung stehen kann.<BR /><BR /><b>Wo sehen Sie die größten Chancen von Social Media?</b><BR />Bischof Schwarz: Die größte Chance liegt darin, Menschen zu erreichen, die man sonst kaum erreichen würde. Ein Gedanke, ein Bibelwort oder ein Bild kann Trost schenken, Mut machen oder zum Nachdenken anregen.<BR /><BR /><embed id="dtext86-75099696_quote" /><BR /><BR /><b>Und was sind die Risiken von Social Media?</b><BR />Bischof Schwarz: Die Gefahr besteht darin, dass Oberflächlichkeit, Schnelllebigkeit oder auch Aggressionen zunehmen. Nicht alles, was digital geschieht, fördert den Menschen. Hier sehe ich den großen Mehrwert, den die Kirche im digitalen Raum bieten kann, denn besonders junge Menschen brauchen Orte, an denen sie nicht bewertet, sondern angenommen werden.<BR /><BR /><b>Wie reagiert die Kirche, z. B. der Vatikan, auf Ihre digitale Präsenz?</b><BR />Bischof Schwarz: Seit ich meine Social-Media-Aktivitäten gestartet habe, war ich öfter in Rom, um zum Beispiel Erzbischof Rino Fisichella, den Leiter des Dikasteriums für die Evangelisierung, oder auch Papst Leo noch in seiner vorherigen Funktion als Leiter des Dikasteriums für die Bischöfe laufend zu berichten. Sie waren also quasi von Anfang an bis heute laufend involviert und haben mich immer bestärkt. Ich freue mich sehr, dass es gelungen ist, meine Kanäle als Plattform der Verkündigung und der Seelsorge zu etablieren.<BR /><BR /><b>Erreichen Sie auf diesem Weg mehr junge Menschen für Glauben und Kirche?</b><BR />Bischof Schwarz: Ja, das glaube ich schon. Viele junge Menschen suchen Sinn, Orientierung und echte Beziehungen. Über soziale Medien entsteht oft ein erster Kontakt.<BR />Daraus können Gespräche, Begegnungen und ein neuer Zugang zum Glauben wachsen.<BR /><BR /><embed id="dtext86-75099697_quote" /><BR /><BR /><b>Was würden Sie einem Geistlichen oder einer Pfarrei raten, der/die auf Instagram aktiv werden möchte?</b><BR />Bischof Schwarz: Es geht nicht darum, möglichst modern zu wirken, sondern darum, Menschen auf der Suche nach einem sinnerfüllten Leben zu begleiten. Kleine Einblicke aus dem Pfarrleben, persönliche Gedanken oder Zeichen der Hoffnung können viel bewirken.<BR /><BR /><b>Gibt es etwas, das Sie online bewusst nicht zeigen oder teilen?</b><BR />Bischof Schwarz: Ja. Besonders seelsorgliche Gespräche oder Momente, die Schutz und Respekt brauchen, bleiben bewusst außerhalb der digitalen Welt.<h3> HINTERGRUND:</h3> <h3> Zweite „Followermesse“</h3><div class="img-embed"><embed id="1323060_image" /></div> Um seiner digitalen Gemeinde auch im realen Leben zu begegnen: Am Dreifaltigkeitssonntag zelebrierte Bischof Alois Schwarz die hl. Messe im Dom zu St. Pölten und lud dazu besonders all jene Menschen ein, die ihm in den sozialen Medien folgen. Nach dem Gottesdienst im St. Pöltner Dom war eine Agape im Sommerrefektorium angesetzt, bei der die Follower mit dem Bischof ins Gespräch kommen konnten.<BR />Es war dies die zweite „Followermesse“. Im vergangenen Jahr fand erstmals ein Gottesdienst für die Follower des Bischofs statt, an dem über 200 Menschen teilgenommen hatten.<h3> Was der Bischof im Netz postet</h3><div class="img-embed"><embed id="1323063_image" /></div> <b>Segen oder kein Segen?</b><BR /><BR />Ein bekanntes Format von Bischof Alois Schwarz auf Instagram heißt „Segen oder kein Segen?“. Dabei äußert er sich kurz zu Fragen seiner Follower und dazu, ob er ihnen den Segen erteilen würde oder nicht.<BR /><BR />Ein Beispiel: Auto segnen – was denkst du? „Sein eigenes Auto segnen lassen, ist ein Segen“, so Bischof Schwarz. <h3> Was der Bischof auf Fragen seiner Follower antwortet</h3><b>Glauben Sie an das Konzept der Theosis?</b><BR /><BR />„Theosis bedeutet die Vergöttlichung des Menschen. Jesus ist Mensch geworden, um uns in die Göttlichkeit hineinzuführen. Weihnachten ist im Grunde ein heiliger Tausch: Gott wurde Mensch, und der Mensch wird vergöttlicht. Wenn Gott in dir ist, bist du „Mehr„ – denn du trägst eine innere Würde in dir.“<BR /><BR /><b>Warum lässt Gott Leid zu?</b><BR /><BR />„Gott hat den Menschen die Freiheit geschenkt. So kann der Mensch sich gegen andere Menschen entscheiden, oder die Natur kann sich manmal so verhalten und entfalten, dass Leid entsteht. Gott leidet mit den Menschen mit. Er ist allen Leidenden sehr nahe. Gott wird jede Träne von den Menschen wischen.“