Hausärzte gehen in Pension, andere kündigen, und ausgeschriebene Stellen bleiben unbesetzt: Der Mangel an Allgemeinmedizinern verschärft sich im Pustertal seit Monaten. Besonders angespannt ist die Lage seit Längerem im Ahrntal.<BR /><BR />Wie viele Menschen inzwischen ohne hausärztliche Grundversorgung dastehen, wollte die aus dem Ahrntal stammende Landtagsabgeordnete Rieder genau wissen. Laut Landesrat Messner sind es derzeit rund 6.000 Bürgerinnen und Bürger. Anfang August kommen weitere 1.750 Betroffene hinzu, Ende September nochmals 1.550. <BR /><BR /><b>Im Detail: <BR /></b><BR />Seit 1. März: <b>Sprengel Tauferer-Ahrntal</b> (Pensionierung Dr.in Hofer) <BR />ca. 1.750 Patienten<BR /><BR />Seit 9. Mai: <b>Sprengel Hochpustertal</b> (Kündigung Dr.in Bitti) <BR />ca. 1.450 Patienten<BR /><BR />Seit 1. Juli: <b>Sprengel Bruneck-Umgebung</b> (Wechsel Dr. Gufler von Pfalzen ins Ahrntal) ca. 1.150 Patienten<BR /><BR />Seit 1. Juli: <b>Sprengel Tauferer-Ahrntal</b> (Kündigung Dr. Poletti) <BR />ca. 1.550 Patienten <BR /><BR />Ab 1. August: <b>Sprengel Tauferer-Ahrntal</b> (Kündigung Dr.in Parenti) <BR />ca. 1.750 Patienten<BR /><BR />Ab 25. September <b>Sprengel Bruneck-Umgebung</b> (Pensionierung Dr. Walde) ca. 1.550 Patienten <BR /><BR />Seit eineinhalb Jahren sind im Puster- und Gadertal sieben Hausärzte in Pension gegangen, erklärt Messner. Gleichzeitig wurden laut seiner Aufstellung zwar neun Allgemeinmediziner angestellt, vier davon haben jedoch bereits gekündigt oder werden ihre Stelle Ende Juli aufgeben. Deshalb wird derzeit die Ausschreibung für fünf Hausarztstellen vorbereitet. Ausgang erfahrungsgemäß ungewiss.<h3> Wer versorgt die Patienten ohne Hausarzt?</h3>Die medizinische Betreuung der Betroffenen im Ahrntal erfolgt laut Landesrat über den Dienst für Basismedizin des Gesundheitsbezirks Bruneck. Wegen eines personellen Engpasses bis zum 25. Juli verweist der Sanitätsbetrieb jedoch für dringende Untersuchungen und Verschreibungen an die Notaufnahme des Krankenhauses Bruneck.<BR /><BR />Im Hochpustertal übernehme auch das Ende Mai eröffnete Haus der Gemeinschaft einen Teil der Versorgung, erklärt Messner. Ab Herbst soll auch in Bruneck ein Haus der Gemeinschaft mit einem Ambulatorium für kleinere Dringlichkeiten eröffnet werden, an das sich Patientinnen und Patienten wenden können, heißt es auf Rieders entsprechende Nachfrage, wohin sich Bürgerinnen und Bürger ohne Hausarzt wenden können. <BR /><BR /><embed id="dtext86-75531569_quote" /><BR /><BR />Mit der Antwort gibt sie sich nicht zufrieden: „Gemeinschaftshäuser können kein Ersatz für Hausärzte sein“, erwidert Rieder. „Für die Menschen in den Tälern muss eine ärztliche Grundversorgung sichergestellt werden. Bis dahin müssen andere Lösungen vor Ort gesucht und gefunden werden. Patientinnen und Patienten – besonders ältere Menschen und chronisch Kranke – ohne hausärztliche Versorgung zu lassen, ist fahrlässig.“ <BR /><BR />Die Bemühungen von Dr. Livia Borsoi, Leiterin des Dienstes für Basismedizin, die seit Monaten im Ahrntal einspringt, würden zwar anerkannt und geschätzt. „Aber auch sie kann sich nicht um 9.000 Patientinnen und Patienten kümmern“, sagt Rieder. Sie fordert von Landesrat Messner, rasch konkrete Lösungen zu finden, anstatt lediglich auf Gemeinschaftshäuser zu verweisen.