In ihr ganz persönliches „Erlebnis Lesen“ geben Einblick die Landesschuldirektorin, der Prälat einer prunkvollen Klosterbibliothek, ein ausgewiesener Büchernarr und eine überaus kluge Jungautorin. <BR /><BR /><b>Sigrun Falkensteiner: „Meine Perspektive erweitern“</b><BR />All die Termine und das beträchtliche tägliche Arbeitspensum können Landesschuldirektorin Sigrun Falkensteiner nicht vom Lesen abhalten – im Gegenteil. Sie findet abends vor dem Einschlafen regelmäßig noch die Muse, um in einem Buch zu blättern. „Lesen hilft mir einerseits, um die Gedanken des Tages hinter mir zu lassen und anderseits, um neue Impulse zu erhalten und meine Perspektive zu erweitern“, beschreibt sie ihre Angewohnheit. Besonders gerne verschlingt sie Bücher im Urlaub. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1021254_image" /></div> <BR /><BR />Ihr Bücherschrank ist ein Spiegel ihrer Interessen: „Da steht das Kinderbuch neben einer Gedichtsammlung von Rilke, zur pädagogischen Literatur und zu meinem persönlichen Schwerpunkt Evolutionspädagogik gesellen sich Romane und Künstlermappen, Liederbücher für das Akustische, Kochbücher für das Kulinarische und zum Abschalten passt noch ein Krimi mit dazu – der landet aber meist nach dem Lesen in einer öffentlichen Bibliothek und bleibt nicht dauerhaft im Regal.“ So verblüfft es nicht, dass sie auch mehrere Südtiroler Autoren vorrätig hat. Aus praktischen Gründen nutze sie sehr wohl den EBook-Reader, allerdings bezeichnet sie sich als Fan von gedruckten Büchern. <BR />Das Rascheln beim Umblättern habe seinen ganz eigenen Reiz. Grundsätzlich ist die Landesschuldirektorin überzeugt, dass „Lesen Geist und Seele stärkt und den Horizont erweitert“.<BR /><BR /><b>Prälat Eduard Fischnaller: „Lieblingslektüre zur Inspiration“</b><BR /><BR />Ob Bibliothek, Lesesaal oder Bücherregal in Privatbesitz – hierzulande kommt man in Sachen Schönheit und historischer Wert wohl kaum an der 95.000 Bücher umfassenden Neustifter Stiftsbibliothek vorbei. Zum Tag des Buches erzählt Prälat Eduard Fischnaller von seinen Lesegewohnheiten. Der aus Rodeneck stammende Prälat Eduard Fischnaller hat eine besondere Lieblingslektüre: „Tatsächlich lese ich sehr oft in den Confessions, also den Bekenntnissen des Heiligen Augustinus, unseres Ordensgründers. Diese Autobiographie ist meine Inspiration. Obwohl des Buch in der Spätantike, um 400 n. Chr. verfasst wurde, sind die Inhalte faszinierend.“ <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1021257_image" /></div> <BR /><BR />Ganz allgemein liest Prälat Eduard Fischnaller oft Bücher über Spiritualität und Glaubensfragen, außerdem blättert er gerne in Kunstbänden. Für die Klostergemeinschaft gibt es abends zudem eine Lesung. Derzeit steht die Biographie von Kaplan Ludwig Penz auf dem Programm, das Buch wurde von der Klostergemeinschaft gemeinsam ausgesucht. In der Mittagsstunde wird aus der Heiligen Schrift gelesen.<BR />„Lesen ist sehr oft entspannend und bereichernd, weil es in die Gedanken- und Gefühlswelt von anderen führt. Insofern kann es eine Erfahrung sein, die nicht nur den Geist anregt, sondern auch das Herz berührt und die Seele nährt“, weiß Fischnaller.<BR /><BR />Der prunkvolle Bibliothekssaal von Kloster Neustift, wie er sich heute zeigt, wurde um 1770 unter Propst Leopold I. von Zanna errichtet. Zu den Attraktionen im spätbarocken Saal zählen die wertvollen Posch-Missale (Messbücher), das mit 5 mal 5 Millimeter kleinste Buch (enthält das Vaterunser in 7 Sprachen), Liedersammlungen Oswald von Wolkensteins und die Buchrücken aus Kalbsleder in goldenen Lettern für ein einheitliches Erscheinungsbild.<BR /><BR /><b>Lena Wild: „Kulturvermittlung und Sprachvermittlung“</b><BR /><BR />Die junge Autorin Lena Wild bevorzugt es, die gelesenen Bücher nicht zu horten, sondern schnell wieder los zu werden bzw. diese „erst gar nicht zu kaufen“. Das spare Platz, Gewicht beim Umzug und Ressourcen. Schließlich hat die 23-jährige Terlanerin erst kürzlich Studienort und Arbeitsumfeld gewechselt, nach Schweden hat es sie verschlagen. <BR />Die Landessprache lernt sie nicht zuletzt durch Lesen. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1021260_image" /></div> <BR /><BR />„Durch die Kinderbuchabteilung habe ich mich bereits vorgearbeitet, langsam verstehe ich auch anspruchsvollere Romane. Deshalb ist Lesen gerade eine freundliche Mischung aus Zeitvertreib, Kulturvermittlung und Sprachkurs in einem“, meint Lena Wild, die bereits im Kindesalter viel gelesen hat und vor einigen Jahren auch als „Südtirols beste Maturantin“ von sich reden gemacht hat. <BR /><BR />Ganz nebenbei hat sie kürzlich auch die 5. Auflage des Literaturwettbewerbes „Zoom-ed“ 2024 der Südtiroler Autorenvereinigung SAAV gewonnen, ihr Erstlingswerk wird im Herbst erscheinen.<BR /><BR /><b>Florian Gartner: „Nutze jede freie Minute zum Lesen“</b><BR /><BR />Welche Bücher treiben den Mann um, der vor wenigen Wochen ein eigenes Literatur-Festival mit einer Reihe von bekannten Autoren zum Besten gegeben hat? Florian Gartner, gelernter Jurist und im Brotberuf seit 30 Jahren Hotelier, ist ein Büchernarr sondergleichen. „Ich nutze jede freie Minute zum Lesen, auch in der Nacht kommt es häufig vor, dass ich mehr lese als schlafe“, sagt er freiheraus. So überrascht es nicht, dass er an die 100 Bücher im Jahr verschlingt und sich die Klassiker längst einverleibt hat. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1021263_image" /></div> <BR />Kein Wunder, dass seine vielen Bücherregale so bunt wie die sprichwörtlichen Gemüsebeete daherkommen – mit viel zeitgenössischer Literatur, Thrillern, Krimis, Comicbänden, Sachbüchern, Weltliteratur, Geschichte, Bildbänden und Enzyklopädien. Dostojewski, Kafka und Thomas Mann bezeichnet Gartner als seine bevorzugten Autoren, zu ihnen gesellen sich Don Winslow bei den Thrillern und Karl Ove Knausgard bei der zeitgenössischen Literatur. Lesen empfindet er als Reisen im Kopf. „Man kann in andere Welten abtauchen, die Gedanken fliegen lassen, außerdem viel lernen und das Wissen erweitern – je nach Lektüre“, erklärt die schier unersättliche Leseratte Gartner.