<b>Von Albert A. Feldkircher <BR /></b><BR />Wir Menschen haben gelernt, uns anzupassen, nett zu sein und es möglichst allen recht zu machen. „Nein“ zu sagen braucht dabei oft Mut, denn es kann mit Unannehmlichkeiten verbunden sein: Man könnte als egoistisch, nicht kooperativ oder zumindest unfreundlich eingeschätzt werden. „Ja“ zu sagen, scheint leichter zu sein, aber die Kunst besteht darin, auch bei einem „Ja“ zu sich selbst zu stehen.„Ja“ und „Nein“ sagen zu können, gehört somit zu den wichtigsten Fähigkeiten im Alltag – und gleichzeitig zu den schwierigsten. <BR /><BR />Ein ehrliches „Ja“ öffnet Türen, schafft Verbindung und bringt einen voran. Doch ein unüberlegtes oder erzwungenes „Ja“ kann überfordern und vom eigenen Weg abbringen. Ebenso wichtig ist das „Nein“: Es schützt Zeit, Energie und die eigenen Werte. Ein klares „Nein“ ist kein Zeichen von Egoismus, sondern von Selbstrespekt. Es zeugt von der Kenntnis der eigenen Grenzen und davon, dass man sich selbst ernst nimmt.<h3>Es geht darum, Grenzen zu erkennen und zu vermitteln</h3>Wenn jemand genau weiß, wo die eigenen Grenzen liegen, lassen sich diese auch verteidigen. Und wenn andere diese Grenzen kennen, können sie auch respektiert werden. Vergleichbar ist das mit einem Grundstück: Grenzen zeigen sich hier meist durch eine Umzäunung.Warum aber fällt es vielen Menschen so schwer, persönliche Grenzen wahrzunehmen und zu zeigen? <BR /><BR />Die Antwort liegt oft in der Angst, nicht (mehr) geliebt zu werden oder nicht dazuzugehören – oder zumindest als unfreundlich, nicht hilfsbereit oder egoistisch zu gelten.In meinen Kommunikationstrainings habe ich dazu oft mit den „Schaltern“ gearbeitet. Dahinter steht die Erfahrung, dass jeder Mensch auf bestimmte Impulse reagiert – und dadurch auch beeinflussbar ist. Das funktioniert so:<BR /><BR /><b>Der Anerkennungsschalter</b>: Mit gezieltem Lob kann – im positiven wie im manipulativen Sinne – Einfluss genommen werden: „Das kannst du einfach gut. Da sollte ich dich wieder einsetzen.“ Wir alle brauchen Anerkennung und fühlen uns geschmeichelt, wenn wir sie bekommen. Achten Sie jedoch darauf, ob das Lob ehrlich ist oder mit einem Hintergedanken verbunden sein könnte.<BR /><BR /><b>Der Neugierschalter</b>: Frei nach dem Motto: „Das wird Sie sicher interessieren. Das wäre genau das Richtige für Sie!“<BR /><BR /><b>Der Fähigkeitsschalter</b>: Wenn es heißt: „Da sind Sie genau der Richtige dafür!“, dann kenne ich diesen Schalter aus eigener Erfahrung gut. Ich war z.B. „verführbar“, als ich gefragt wurde, ob ich in die Gemeindevertretung kommen möchte. „Du wärst genau der Richtige!“, hieß es. In solchen Momenten fiel es mir schwer, „Nein“ zu sagen. Gelernt habe ich das erst durch die Arbeit mit meiner Weinrebe: Ich musste sie zurückschneiden, damit sie nicht in alle Richtungen wuchs und unnötige Wasserschosse bildete. Der Rückschnitt – also das „Nein“ – konzentrierte die Kraft auf die wenigen wichtigen Triebe. <BR /><BR /><b>Der Kleine-Finger-Schalter:</b> Auch das ist ein wohlbekannter Schalter. Dem Gedanken folgend: „Das hast du doch schon gemacht – das geht jetzt auch noch.“<BR /><b><BR />Der Überrumpelungsschalter:</b> Den braucht es, wenn jemand sein Gegenüber mit einer Aufforderung oder Bitte überrumpelt und unter Druck setzt, sofort eine Entscheidung zu treffen.<BR /><BR /><b>Der Sympathieschalter:</b> Hier heißt es: „Sie sind ein angenehmer (und hilfsbereiter) Mensch. Das können Sie mir doch sicher nicht abschlagen.“<BR /><BR /><b>Der Konkurrenzschalter</b>: Den braucht es, wenn dieser Gedanke aufkommt: „Da warten draußen schon andere, die meinen Job machen möchten!“ <BR /><b><BR />Der Bestechungsschalte</b>r: Diesen braucht es bei folgender Aussicht: „Wenn Sie das machen, verspreche ich Ihnen, dass …“<BR /><BR /><b>Der Leistungsschalter:</b> Siehe oben; der ist bei „Ich zähle auf Ihre bewähre Leistung!“ gefragt.<BR /><BR /><BR />All diese Situationen führen oft dazu, dass man eigentlich „Nein“ sagen sollte, letztlich aber doch „Ja“ sagt – und damit über die eigenen Grenzen geht. Prüfen Sie für sich, auf welchen Schalter Sie besonders ansprechen.Wenn Sie das nächste Mal in eine Situation kommen, in der Sie sich abgrenzen müssen, kann Ihnen eine einfache Regel helfen: „Ein „Nein„ zu etwas kann ein “Ja„ zu sich selbst sein.“ Die Kunst liegt im Gleichgewicht: bewusst „Ja“ zu dem zu sagen, was einen stärkt – und mutig „Nein“ zu dem, was einem nicht guttut. Wer beides beherrscht, lebt nicht nur authentischer, sondern auch zufrieden.