Freitag, 08. September 2017

„Über Suizidgedanken sprechen“

Am heutigen Sonntag, wird der „Internationale Tag der Suizidprävention“ begangen. Young+Direct hat dies zum Anlass genommen, um auf die Problematik in Südtirol hinzuweisen und Hilfe anzubieten.

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Foto: © shutterstock

Nicht nur Erwachsene, sondern auch viele Jugendliche denken über Suizid nach. Problematisch wird es, wenn Todesphantasien zu einer fixen Idee werden. Young+Direct, die Jugendberatungsstelle des Südtiroler Jugendringes bietet jungen Menschen kostenlos und niederschwellig Hilfe an. 

„Wenn es Jugendlichen schlecht geht, dann taucht auch manchmal der Gedanke an den Tod als Ausweg auf“, so Michael Reiner, Leiter der Jugendberatungsstelle Young+Direct. „Sie äußern dann Sätze wie Ich wünschte, ich wäre tot oder Am liebsten würde ich nur noch sterben. Der Tod wird als eine von vielen Möglichkeiten gesehen, ein (vorübergehendes) Problem (endgültig) zu lösen. Sie malen sich in diesen Momenten aus, wie es wäre, wenn sie ihr Leben beenden würden. Die meisten schaffen es, dann wieder auf andere Gedanken zu kommen.

Es kommt jedoch auch in jungen Jahren vor, dass man an solchen Phantasien hängen bleibt. Depressive oder besonders labile Jugendliche, die über längere Zeit das Gefühl haben, mit der Welt nicht mehr zurecht zu kommen, flüchten sich häufig in diese Gedanken und können sie nicht mehr abschalten. „Wenn ihr Leidensdruck nicht erkannt und ihnen nicht geholfen wird, wächst ihre Verzweiflung“, so Reiner weiter, „der Suizid wird dann mehr und mehr zum scheinbar einzigen Ausweg. Die Phantasien werden immer realer, schließlich treffen sie konkrete Vorbereitungen und versuchen sich das Leben zu nehmen.“

Von außen schwer zu erkennen 

Die innere Entwicklung, die einen Menschen dazu bringt sich selbst zu töten, ist von außen schwer zu erkennen, trotzdem gibt es Zeichen, die auf eine Gefährdung hindeuten. Man sollte hellhörig werden, wenn jemand zum Beispiel plötzlich sein Verhalten ändert, gleichgültig und lustlos ist, Kontakte abbricht, sich zurückzieht und isoliert.

Wenn jemand offen ausspricht, dass er sich umbringen will, so muss das ebenfalls ernst genommen werden. Es ist ein Irrtum zu glauben, dass Menschen, die über Suizid reden, sich nicht töten. 80 Prozent der Menschen, die sich umbringen, teilen ihre Absicht vorher in irgendeiner Form mit.

„Bei Jugendlichen kommt es häufig vor“, so Reiner, „dass sie ihre Suizidabsichten einer Freundin oder einem Freund anvertrauen, allerdings mit dem Hinweis, es ja nicht weiterzusagen. In dieser Situation ist es wichtig, sich nicht unter Druck setzen zu lassen und in jedem Fall Hilfe zu holen.“

Über Probleme reden

Sowohl Erwachsene als auch Jugendliche, die Suizidabsichten äußern oder bei denen man solche vermutet, sollten darauf angesprochen werden. Viele glauben, das Beste wäre in so einer Situation, das Thema zu wechseln, um die Betroffenen abzulenken.

„Es ist wichtig, diesen Menschen die Möglichkeit zu geben, über ihre Suizidgedanken und die zu Grunde liegenden Probleme zu reden und sie dabei zu unterstützen, sich Hilfe zu holen. Gerade Young+Direct bietet auch in solchen Fällen kostenlos und niederschwellig kompetente Unterstützung an“, so Martina De Zordo, SJR-Vorsitzende.

stol

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