Unter Personalmangel und überbordender Bürokratie leidet man auch in der Geschützten Werkstatt, in der Peter* arbeitet. „Die Zeit, die wir mit dem Ausfüllen endloser Dokumentationen, komplizierter Bestellungen und anderer Bürokratie beschäftigt sind, fehlt uns in der Betreuung der uns anvertrauten Personen“, sagt er. Dabei mache gerade das die Freude an der Arbeit aus. „Im Umgang mit diesen Menschen gibt es viele sehr schöne Erlebnisse“, berichtet er. Könne man ihnen Zeit und Aufmerksamkeit widmen, dann könne man die Erfolge sehen. Nicht nur in Form der gefertigten Gegenstände, sondern auch „bei ihrer Fähigkeit, den Alltag zu bewältigen. <BR /><BR />Doch immer öfter kommt diese Betreuung einfach zu kurz, weil wir nicht mehr die Zeit dafür haben“, erzählt er. Das gehe so weit, dass die Betreuten ihre Arbeit stoppen müssten, weil keiner Zeit habe, sie dabei zu beaufsichtigen. „Und dann ist es einfach zu gefährlich, sie mit Werkzeug und Maschinen alleine arbeiten zu lassen“, berichtet Peter. Und noch ein Problem geselle sich in jüngster Zeit dazu: „Uns fehlt es an Arbeitsmaterial.“ Alles gehe mittlerweile über das Landesportal. Doch zwischen dem Einreichen von Kostenvoranschlägen bis zu Bewilligung und Lieferung „gehen oft Monate ins Land“. <h3> Mit gespendeten Materialien</h3>In seiner Einrichtung arbeite man schon seit längerem überwiegend mit gespendeten Materialien, und auch diese würden bereits knapp. „Was wir machen, wenn diese auch aufgebraucht sind, weiß ich nicht“, gesteht Peter. „Wir können schon auch mal spazieren gehen oder andere Freizeitaktivitäten machen. Aber unsere Leute sind motiviert zu arbeiten. Zudem gehen wir mit unseren Produkten ja auch auf Märkte oder verkaufen sie anderweitig.“ <BR /><BR />Das alles schlage jedenfalls auf die Motivation. Er fühle sich gestresst, nicht mehr so belastbar. Und das merkten auch die Betreuten, „aber so soll es doch nicht sein“. Hinzu komme eine „viel zu geringe Bezahlung“. Und die schrecke auch viele junge Leute ab, diesen Beruf einzuschlagen. Von der Politik fühlt er sich im Stich gelassen. „Seit 10 Jahren verspricht man uns Verbesserungen, aber es passiert nichts“. <h3> „Gestresst durch dauernden Wechsel“</h3>Auch Maria* arbeitet in einer Geschützten Werkstatt. Und auch dort habe man zu wenig Personal. „Wenn im Team jemand ausfällt, wegen Krankheit oder Urlaub, dann gibt es dafür keinen Ersatz“, erzählt sie. Urlaub nehmen werde so schwierig. Das wäre einfacher zu stemmen, gebe es da nicht „diese unglaubliche Bürokratie. Wir müssen für jeden Betreuten Makroziele und Mikroziele formulieren, jedes Jahr neue Projekte definieren und ausarbeiten, Protokolle schreiben, Träume und Wünsche abfragen und dokumentieren etc.. Und für die Menschen mit Beeinträchtigung bleibt bei all dem immer weniger Zeit übrig. Das ist doch schizophren.“<BR /><BR />Belastend empfindet auch Sophia* die Situation in ihrer stationären Einrichtung. „Wir haben weniger Personal als früher, die Zeit, die man für Waschen, Anziehen etc. beim Einzelnen brauchen darf, ist sehr straff bemessen. Zeit, mit einem Bewohner mal zu scherzen oder zu ratschen, bleibt da kaum“, erzählt sie. <BR /><BR />Ausfälle beim Personal würden durch Mitarbeiter aus anderen Stöcken aufgefangen. „Viele unserer Bewohner brauchen aber Kontinuität, sie reagieren gestresst auf den andauernden Wechsel. Mit der Zeit gehen manche dadurch regelrecht in Krise – und das macht die Situation für alle noch anstrengender“, so die Mitarbeiterin. Auf die Dauer mache das aber auch die Angestellten regelrecht krank – „bis hin zum Burnout“. <BR /><BR />