Im Gespräch mit uns schildert sie die dramatischen Minuten.<BR /><BR /><b>Was ist am Dienstagnachmittag passiert? Haben Sie sofort erkannt, dass es sich um einen Überfall handelt?</b><BR />Hildegard Aster: Als der Mann das Geschäft betreten hat, habe ich im allerersten Moment noch nichts bemerkt, weil ich weiter hinten im Raum war. Als ich die Pistole in seiner Hand und sein vermummtes Gesicht gesehen habe, war mir alles klar. Er hat mir die Waffe entgegen gehalten und „apri la cassa“ gerufen.<BR /><BR /><b> Wie haben Sie reagiert?</b><BR />Aster: Ich bin sehr erschrocken, und der Täter kam immer näher auf mich zu. Ich habe dann aus vollem Hals zu schreien begonnen und habe es irgendwie geschafft, zu den Alarmknopf an der hinteren Theke zu drücken. Das hat der Mann bemerkt und „no, no, no“ gerufen. Ich habe erkannt, dass er dadurch nervös geworden ist, und ich habe versucht, ihn Richtung Ausgang zu bugsieren.<BR /><BR /><b>Hat er dann sofort die Flucht ergriffen?</b><BR />Aster: Zuerst hat er noch versucht, hinter der vorderen Theke eine Schublade zu öffnen, was ihm aber nicht gelungen ist. Ich habe dann die Lederauflage, die auf der Theke liegt, in die Hand genommen und den Mann damit aus dem Geschäft gescheucht. Dann hat er das Weite gesucht.<BR /><BR /><b> Haben Sie gesehen, wohin er geflüchtet ist? </b><BR />Aster: Ich bin ihm noch nachgerannt und habe gesehen, dass er wenige Meter entfernt in der Jaufengasse auf ein Fahrrad gestiegen und damit davongefahren ist. <BR /><BR /><b>Wann sind die umliegenden Geschäfte auf den Überfall aufmerksam geworden?</b><BR />Aster: Erst als ich dem Täter – immer noch aus Leibeskräften schreiend – auf die Straße nachgerannt bin. Kurze Zeit später waren mein Mann und meine Schwägerin, deren Handys mit dem Alarmknopf verbunden sind, da und auch die Carabinieri. Sie haben sofort begonnen, nach dem Täter zu suchen.<BR /><BR /><b>Können Sie den Täter beschreiben?</b><BR />Aster: Er hatte einen beigefarbenen Strumpf über das Gesicht gezogen und sprach akzentfrei Italienisch. Aufgefallen ist mir seine hagere Statur. Ich vermute, dass es sich nicht um einen Profi gehandelt hat. Er hat uns sicher im Vorfeld ausspioniert und wusste somit, dass ich oft allein im Geschäft bin und dass er über die Jaufengasse schnell und relativ unbemerkt flüchten kann.<BR /><BR /><embed id="dtext86-64876296_quote" /><BR /><BR /><b><BR />Sie haben Courage bewiesen – hätten Sie gedacht, dass Sie so reagieren würden?</b><BR />Aster: Man hört ja immer wieder von ähnlichen Fällen und ich habe manchmal auch davon geträumt, dass mir so etwas passiert. Als ich den Mann mit der Pistole im Geschäft sah, dachte ich: So, jetzt ist der Moment da, jetzt ist es Wirklichkeit. Für einen kurzen Moment hatte ich Todesangst, aber dann habe ich mich darauf besonnen, zu schreien so laut ich konnte. Meine Reaktion hat mir gezeigt, wie stark wir Frauen sein können und dass auch wir uns wehren können.<BR /><BR /><b>Sie sind heute, am Tag nach dem Überfall, schon wieder im Geschäft gestanden und haben Kunden bedient. Wie geht es Ihnen?</b><BR />Aster: Man muss von Glück reden, wie die ganze Sache ausgegangen ist: Mir ist nichts passiert und es wurde nichts gestohlen. Ich bin nicht die erste Juwelierin, die einen Überfall erlebt hat. Ich bin ein Mensch, der realistisch ist und nicht schnell verzagt, und so werde ich auch über diese Sache hinwegkommen. Ich mich in Sterzing immer sehr sicher gefühlt, aber nun werde ich die Tür des Geschäfts wenn ich allein bin zusperren.<h3> Täter weiter flüchtig</h3> Von dem Mann, der am Dienstagnachmittag versucht hat, das Juweliergeschäft Aster in der Sterzinger Innenstadt zu überfallen, fehlt weiterhin jede Spur. Die Fahndung der Carabinieri läuft aber weiter auf Hochdruck.<BR /><BR />Wie berichtet, hatte ein teilweise vermummter Mann am Dienstag gegen 16.45 Uhr versucht, das Juweliergeschäft Aster in der Sterzinger Neustadt zu überfallen. Er war mit einer Pistole bewaffnet, mit der er die Juwelierin Hildegard Aster bedrohte. Es gelang ihr, den Mann in die Flucht zu schlagen. Der Täter stieg in der Jaufengasse auf ein Fahrrad und fuhr davon. Beute hatte er keine gemacht. <BR /><BR />Die Carabinieri von Sterzing nahmen sofort die Verfolgung des Verdächtigen auf. Dazu wurden auch Straßensperren in Sterzing und in den benachbarten Gemeinden errichtet und zahlreiche Fahrzeuge kontrolliert. Ersten Vermutungen zufolge handelte es sich bei der Pistole um eine echte Waffe, möglicherweise um ein älteres oder historisches Modell. <BR /><BR />Heute konzentrierten sich die Ermittler vor allem auf die Überwachungsvideos: Die Kamera des Juweliergeschäfts hat den Überfall aufgezeichnet, aber auch Überwachungsvideos von umliegenden Geschäften oder an anderen strategischen Punkten wurden von den Carabinieri ausgewertet. Die Kontrolle von Fahrzeugen und Personen wurde fortgesetzt, und Zeugen wurden befragt.