Sonntag, 18. Juli 2021

Überflutungen und Muren im Bundesland Tirol – Kufstein als Hotspot

Im Bundesland Tirol hat der starke Regen am Sonntag die Einsatzkräfte weiterhin stark gefordert. Zahlreiche Murenabgänge, überflutete Keller und Tiefgaragen waren die Folge der heftigen Niederschläge. Es gab keine Verletzten. Besonders betroffen war die Stadt Kufstein, der dortige Zivilschutzalarm wurde aber in der Früh aufgehoben. Das Land sicherte den Betroffenen indes finanzielle Unterstützung aus dem Katastrophenfonds zu.

Starkregen hat in der Nacht auf Sonntag auch  in Kufstein  zu Überschwemmungen und Vermurungen geführt.
Starkregen hat in der Nacht auf Sonntag auch in Kufstein zu Überschwemmungen und Vermurungen geführt. - Foto: © APA / ZEITUNGSFOTO.AT/DANIEL LIEBL
In den besonders betroffenen Gebieten im Tiroler Unterland haben die Niederschlagsmengen von 70 bis 120 Millimeter mit Spitzen bis zu 170 Millimeter zu einer Hochwasserentwicklung mit Scheiteln über denen eines 30-jährlichen Hochwassers geführt. Eine Entspannung war laut ZAMG erst Sonntagnachmittag zu erwarten, für den Sonntag wurden weitere Regenmengen von bis zu 40 Millimeter prognostiziert. Die Bevölkerung wurde daher weiter aufgerufen, ihre Häuser nicht zu verlassen.

„Die Innenstadt steht in einer Form unter Wasser, wie wir es noch nie erlebt haben“, berichtete Kufsteins Bürgermeister Martin Krumschnabel am Vormittag der APA. An Aufräumarbeiten sei noch nicht zu denken. Die Feuerwehren seien damit beschäftigt, die Bäche auszupumpen und Verklausungen zu beseitigen. Vor allem die Innenstadt war stark betroffen – Straßen, Keller und Garagen standen unter Wasser. Ein Katastrophenzug war im Einsatz. Die Menschen wurden aufgerufen, nicht in die Stadt zu kommen.





Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP), LHStv. Ingrid Felipe (Grüne) und LHStv. Josef Geisler zeigten sich über die Schäden in Kufstein und der Murenabgänge in Tirol bestürzt. Die Betroffenen würden finanzielle Hilfe aus dem Katastrophenfonds erhalten. Eine Beihilfe von 50 Prozent des geschätzten Schadens werde gewährt. Über die Schadenshöhe war noch nichts bekannt. Es würden nach wie vor örtliche Vermurungen und Straßensperren gemeldet, hieß es am frühen Nachmittag. „Wir möchten an dieser Stelle allen Betroffenen unsere Unterstützung zusichern und sind gleichzeitig erleichtert, dass bislang kein Mensch zu Schaden gekommen ist“, hieß es von Platter, Felipe und Geisler. Außerdem bedankten sie sich bei den Einsatzkräften.

Muren und unterspülte Brücken

Der Ort Kelchsau (Bezirk Kitzbühel) war in der Früh zudem wegen einer Mure abgeschnitten. Gegen Mitternacht wurde die Kelchsauer Landesstraße zum Teil von der Kelchsauer Ache weggerissen und ist seitdem nicht mehr passierbar. Mehrere Bäche waren übergetreten. Seit 01.00 Uhr kann auch der zweite Weg nach Kelchsau wegen einer unterspülten Brücke nicht mehr befahren werden. Weil in dem Ort am Abend ein Fest stattfand, waren somit rund 80 Menschen, die nicht in der Kelchsau wohnen, eingeschlossen. Im Laufe des Vormittages konnten sie aus der Ortschaft gebracht werden, berichtete die Polizei.

In Söll mussten 16 Personen im Bereich Ried aus Vorsicht evakuiert werden, da der Bereich von einem Hangrutsch bedroht war, informierte das Land Tirol. Die Personen befanden sich in einem Hotel und wurden durch die Rettung versorgt, da die Gebäude nicht betreten werden konnten.

Evakuierungen

Auch die Brixentaler Bundesstraße in Westendorf (Bezirk Kitzbühel) wurde überflutet, betroffen war die Bahnunterführung. Ein Bach trat über die Ufer, woraufhin Wasser und Schlamm über eine Wiese zur Bundesstraße flossen. Diese war während der Nacht einige Stunden gesperrt. In Itter (Bezirk Kitzbühel) kam es ebenfalls zu einer Überflutung – der Grünholzbach trat über die Böschung. Aufgrund des hohen Wasserstandes der Brixentaler Ache in Itter wurde der südliche Teil des Campingplatzes im Ort evakuiert und gesperrt. Ebenso evakuiert wurde ein Campingplatz in Maurach am Achensee (Bezirk Schwaz). Gegen 02.00 Uhr ereignete sich ein Murenabgang auf die Achensee Bundesstraße. Diese wurde anschließend gesperrt.

Die Leitstelle Tirol verzeichnete von Samstagabend bis Sonntagfrüh in Kufstein 194 und im Bezirk Kitzbühel 97 Feuerwehreinsätze. Alleine in der Kufstein mussten die Feuerwehren bis 24.00 Uhr rund 100 Mal ausrücken. Wasser gelangte in die Innenstadt, weil Zulaufbäche des Inn über die Ufer traten. Laut Landesfeuerwehrinspektion wurden zwei Katastrophenzüge angefordert, Hilfe komme zudem aus Bayern.


Aufgrund von Vermurungs-Gefahr wurde Samstagabend die Felbertauernstraße zwischen der Mautstelle und Hinterburg gesperrt. Die Dauer der Sperre war noch unbekannt. Auch die Fernpassstraße (B 179) war zum Teil wegen Vermurung und Erdrutsch-Gefahr nicht befahrbar. Gesperrt sind außerdem die Eibergbundesstraße (B 173) und die Gerlosstraße in Richtung Gerlospass (B 165). Die Seefelder Straße (B 177) konnte mittlerweile wieder für den Verkehr freigegeben werden.

Einige Zugverbindungen im Tiroler Unterland – wie jene durch das Brixental zwischen Wörgl und Schwarzach-St. Veit in Salzburg – sind laut ÖBB aufgrund von Hangrutschungen unterbrochen. Ein Schienenersatzverkehr wurde eingerichtet. Auch die Mittenwaldbahn ist auf deutscher Seite zwischen Scharnitz und Mittenwald unterbrochen, die Züge verkehren nur zwischen Innsbruck und Scharnitz. Ein weiterführender Schienenersatzverkehr sei nicht möglich, so die ÖBB. Grundsätzlich wird empfohlen, auf nicht notwendige Reisen in die betroffenen Gebiete zu verzichten bzw. sich vor Fahrtantritt über die Lage zu informieren.

apa