Freitag, 05. Oktober 2018

Übermüdete Busfahrer keine Seltenheit

36 Stunden wach und dann am Steuer des Reisebusses eines Südtiroler Busunternehmens. Das hat einer Gruppe von Südtirolern kürzlich einen alles andere als lockeren Ausflug beschert. Dass dies bei weitem kein Einzelfall ist, bestätigt Busunternehmer Markus Silbernagl. Dabei gibt es für Lenk- und Ruhezeiten klare Regeln.

Viele Busfahrer sind zu lange und übermüdet unterwegs.
Badge Local
Viele Busfahrer sind zu lange und übermüdet unterwegs. - Foto: © shutterstock

Es sollte eine locker-lustige Busfahrt werden. Doch bereits kurz vor Trient sollte die Fahrt im Bus eines Südtiroler Busunternehmens alles andere als angenehm werden. Nachdem der Buslenker auf der Autobahn mit seinem voll besetzten Gefährt aus heiterem Himmel die Leitplanke touchierte. In der Folge verlief die Fahrt problemlos.

Das böse Erwachen gab es für die Reisegesellschaft, als man zur Rückfahrt aufbrechen wollte. „Der Fahrer war offensichtlich außerstande, loszufahren“, berichtet einer der Teilnehmer. „Darauf angesprochen sagte er, er sei seit 36 Stunden am Stück wach. Bereits tags zuvor habe man ihm 10 Führerscheinpunkte abgezogen und eine Strafe über 1000 Euro aufgebrummt, weil er die vorgeschriebenen Pausen nicht eingehalten habe.“

Kein Einzelfall

Dieser Vorfall sei bei weitem kein Einzelfall, wie Markus Silbernagl, Chef des gleichnamigen Busunternehmens aus Seis, weiß. Er kenne 3 Betriebe im Land, in denen man es mit den geltenden gesetzlichen Regeln nicht so genau nehme. Dabei sind durch eine EU-Bestimmung Lenkzeiten und Pausen genauestens vorgegeben. Und die meisten Busunternehmen seien diesbezüglich sogar ISO-zertifiziert.

Sollte es zu einem Unfall kommen, haften jedenfalls sowohl der Fahrer als auch der Busunternehmer zu gleichen Teilen. „Der Fahrer hat die Aufgabe, die Regeln einzuhalten, sich im Fall auch gegen seinen Chef zu stellen“, sagt Silbernagl. „Ich als Chef hingegen habe die Aufgabe, darauf zu achten, dass die vorgeschriebenen Pausen auch eingehalten werden.“ Passiere das nicht, habe der Busunternehmer die Pflicht, den Fahrer schriftlich zu ermahnen.

Der Trick bei langen Fahrten

Vor allem auf längeren Fahrten werde gern getrickst. „Dafür braucht es 2 Fahrer. Aber es gibt bei uns im Land Unternehmen, die auch in solchen Fällen nur einen schicken“, weiß Silbernagl. Um bei einer späteren Kontrolle durch das Arbeitsinspektorat in Ordnung zu sein, werde der Busfahrer einfach mit 2 digitalen Fahrtenschreibern ausgestattet, die er abwechselnd benutzt. Damit scheint im Falle einer Kontrolle alles rechtens zu sein. Der Schwindel fliegt nur dann auf, wenn der Lenker am Steuer von der Polizei erwischt wird.

Dies passiert aber offensichtlich selten. „Obwohl wir sehr streng kontrollieren, erwischen wir relativ wenige Buslenker, die sich nicht an die vorgeschriebenen Regeln halten“, sagt Peter Mock, Leiter der Straßenpolizei in Sterzing. Die allermeisten würden die vorgeschriebenen Ruhezeiten einhalten. Wenn nicht, setze es saftige Strafen.

Noch schlimmer ist die Situation laut Silbernagl bei den Kleinbussen. „Die sind nicht mit digitalem Tachograf ausgestattet. Die Fahrer müssen keine Ruhepausen einhalten“, sagt er. Da komme es schon vor, dass einer zweimal am Tag nach München und zurück fahre. In diesem Punkt hätten Busunternehmen vermehrt dieselben Probleme wie die Frächter, die sich verstärkt der Konkurrenz durch Kleinlaster und Lieferwagen aus Osteuropa ausgesetzt sehen.

D/em

stol